Zum 22. Juni 1941

GiNN-BerlinKontor.—”In den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 brach die Hölle los”, beginnt Außenminister Frank-Walter STEINMEIER einen Namensartikel, der am 22.06.2016 in der russischen Tageszeitung “Kommersant”, der ukrainischen Wochenzeitung “Zerkalo Nedeli” und der weißrussischen Tageszeitung “Sowjetskaja Belarusia” erschienen ist. Der “Blutzoll”, den Russen, Ukrainer, Weißrussen und die vielen anderen Völker der Sowjetunion gezahlt hätten, sei “unermesslich und bis heute unvergessen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ebenso wie bei uns.”

Der deutsche Angriffskrieg hinterließ unbeschreibliche Zerstörung, kostete mehr als 25 Millionen Menschen in der Sowjetunion das Leben und brachte für noch mehr Menschen Hunger, Leid und Vertreibung. Daher bleibe das Wachhalten der Erinnerungen an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und an die deutsche Schuld eine “unverzichtbare, zwingende Voraussetzung für die Aussöhnung zwischen unseren Ländern”, so Steinmeier weiter.

Der “Große Vaterländische Krieg” ist im Bewusstsein der Menschen in Russland, der Ukraine und Weißrussland immer noch präsent: “Nicht als ferne Reminiszenz aus der Geschichte, sondern mitten in der Gegenwart, mit allen seinen Gräueln, aber auch mit Stolz auf die erfolgreiche Selbstbehauptung im aufgezwungenen Kampf um Leben und Tod.”

70 Jahre nach Ende des Krieges unterhält Deutschland mit allen Staaten, die aus dem Untergang der Sowjetunion hervorgegangen sind, diplomatische, politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen. Steinmeier bekräftigt: “Wir wissen, dass das alles andere als selbstverständlich ist.”

Wir Deutsche sind unendlich dankbar dafür, dass uns die Menschen in Russland, der Ukraine, in Weißrussland und anderswo in der ehemaligen Sowjetunion angesichts der im deutschen Namen begangenen Untaten und Verbrechen die Hand zur Versöhnung gereicht haben.

Gerade in einer Zeit, in der in Europa die “Gefahr neuer Trennlinien” bestehe, müsse man sich immer wieder aufs Neue “die Bedeutung dieser gemeinsamen Erinnerungen bewusst machen”. Frieden in Europa sei keine Selbstverständlichkeit, so der deutsche Außenminister: Nur gemeinsam ließe sich eine nachhaltige und stabile Friedensordnung in Europa erhalten. “Dialog und gemeinsames Gedenken, enge Kontakte zwischen unseren Gesellschaften und besonders zwischen jungen Menschen unserer Länder können und müssen helfen, einer schleichenden Entfremdung vorzubeugen.”

Die “völkerrechtswidrige einseitige Veränderung von Grenzen und die Nichtachtung der territorialen Integrität von Nachbarstaaten” führe Europa hingegen in “überwunden geglaubte Zeiten” zurück, die sich niemand wünschen könne, mahnt Steinmeier. Die Schlussakte von Helsinki, die großen Abrüstungsverträge, die Charta von Paris, der europäische Einigungsprozess gelte es zu “achten, zu bewahren und gemeinsam weiterzuentwickeln.”

Frieden in Europa ist keine Selbstverständlichkeit auch heute nicht! Er wird nur bleiben, wenn wir dafür arbeiten Tag für Tag! Da, wo er gefährdet ist, haben wir, die wir heute Verantwortung tragen, den Auftrag, aus unserer gemeinsamen Geschichte die richtigen Lehren zu ziehen.

Als Folge des Krieges gegen die Sowjetunion kam es auch zu einer erheblichen Zahl von Kriegsgefangenen: 5,7 Millionen Soldaten auf sowjetischer, 3,15 Millionen auf deutscher Seite. Für viele Soldaten und Offiziere bedeutete die Gefangenschaft Elend, etlichen brachte sie den Tod: Über 3 Millionen und 1,11 Millionen Sowjets beziehungsweise Deutsche überlebten die Gefangenschaft nicht.

Um “den deutschen und sowjetischen Kriegsgefangenen und Internierten, deren persönliches Schicksal bisher nicht dokumentiert wurde, ihren Namen zurück zu geben und damit ihr Andenken für die Nachgeborenen zu ermöglichen”, haben Außenminister Steinmeier und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow heute das deutsch-russische Projekt zur Suche und Digitalisierung von Archivunterlagen “Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte” angestoßen. Die beiden Außenminister erklärten: “In unserer gemeinsamen Anstrengung sehen wir nicht nur den Ausdruck des Gedenkens an die im grausamen Krieg Gefallenen, sondern auch einen Beweis für den zukunftsorientierten Charakter der deutsch-russischen Zusammenarbeit.” (Quellen: auswaertiges-amt.de/rt.com)

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