US-Afghanistan-Kommandeur vor Ablösung

GiNN-BerlinKontor.—”Despektierliche Bemerkungen”  des Afghanistan-Oberbefehlshabers US-General Stanley McCHRYSTAL  über US-Präsident Barack H. OBAMA. Vizepräsident Joe BIDEN,  über den US-Sicherheitsberater im  Weißen Hauses , James JONES  sowie anderen hohen mit Afghanistan befaßten US-Diplomaten, werden voraussichtlich zur Ablösung des Generals führen.  Wie es heißt, soll McChrystal seinen Rücktritt bereits schriftlich formuliert haben.More...

Der Chef der internationalen Truppen in Afghanistan wurde zum Rapport ins Weiße Haus einbestellt.  Der Vier-Sterne-General mit dem anspruchsvollen Auftrag, die “neue Afghanistan-Straetgie” zur endlichen Befriedung der Region militärisch durchzusetzen,  hatte sich kritisch über die Obama-Administration geäußert, was ein Reporter des Musikmagazins (!) “Rolling Stones” notierte und veröffentlichte. US-Präsident Obama reagierte  “verärgert und wütend”, so das Weiße Haus. Er selbst sagte vor einer Kabinettssitzung, er wolle vom General persönlich hören, was dies alles bedeute.

Obama sagte, die ihm bekannt gewordenen Äußerungen  des Generals und der Mitarbeiter seines Stabes zeugten von  “sehr dürftigem Urteilvermögen” (“poor judgement”) . Verteidigungsminister Robert GATES  nannte die Entgleisungen seines Top-Generals  “an der Front in Afghanistan” einen “schlimmen Fehler”.

Der Journalist Michael HASTING hatte für das Rockmusik-Magazin offensichtlich vertrauliche Gespräche mit dem General  und seinen  Mitarbeitern aufgezeichnet.  Er übergab seine “Notizen” vorab den Nachrichtenagenturen. Das Blatt mit “profile” des Generals erscheint am 25. Juni.

Hastings zitiert General McChrystal laut Presseberichten wörtlich, der unter anderem über US-Präsident Obama gesagt haben soll, er sei an der Lage in Afghanistan offensichtlich nicht sonderlich interessiert.  Bei seiner Ernennung zum Chef der militärischen Operationen habe der Präsident  für ihn “nur einen 10minütigen Foto-Termin” gehabt.  Er habe den Eindruck gehabt,  dass Obama  “nichts über mich wußte”, soll der General geklagt haben.

Ein hoher Offizier vom Stab McChrystal soll den US-Sicherheitsberater und früheren Supreme Allied Commander Europe  (SACEUR), James JONES , einen „Clown“ genannt haben. McChrystal selbst soll sich mehrfach abfällig über Vizepräsident Joe BIDEN  ausgelassen haben. (“Mr.Biden – who?”).
Über den US-Sonderbotschafter des Präsidenten für Afghanistan, William HOLBROOK notierte der Journalist, ein Offizier aus dem McChrystal-Stab hätte erklärt: “Holbrook ist besonders gefährlich, immer wenn ihm Gerüchte über seine baldige Entlassung zu Ohren gekommen sind.”

David OBEY,  demokratischer Senator und Vorsitzender des für Kriegsausgaben zuständigen US-Repräsentantenhaus-Ausschusses, verlangte McChrystals  sofortige Absetzung.  Wenn er auch nur die Hälfte von dem gesagt hätte – so der Senator – müsse der General seinen Position umgehend aufgeben.

General McChrystal formulierte vor seiner Abreise nach Washington D.C. noch in Kabul sein Rücktrittsgesuch, heißt es. In einer Erklärung entschudigte sich McChrystal mit den Worten, er habe einen Fehler gemacht, den er sehr bedauere.  Die veröffentlichten Zitate dementierte er nicht. In Laufe seiner militärischen Karriere habe er sich als Offizier stets von den Grundsätzen der persönlichen Integrität und Ehre  leiten lassen. Die veröffentlichen Äußerungen ” entsprechen nicht diesem meinem Standard”, so McChrystal in einer vom US-Verteidigungsministerium verbereiteten Erklärung.

McChrystal: “I extend my sincerest apology for this profile. It was a mistake
reflecting poor judgment and should never have happened. Throughout my career, I have lived by
the principles of personal honor and professional integrity. What is
reflected in this article falls far short of that standard.”

Bundeswehr-Brigadegeneral Frank LEIDENBERGER, vom November 2009 bis zum Juni 2010 Regionalkommandeur Nord der ISAF in Afghanistan, hat sich den Einsatz von  Kampfflugzeugen der Luftwaffe  gegen die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan ausgesprochen.  Der  Rheinischen Post  sagte der General: “Warum sollen deutsche Soldaten am Boden nicht von deutschen Flugzeugen aus der Luft unterstützt werden können?”

Der Ex-Kommandeur erinnerte daran, dass  Deutschland bereits Aufklärungsmaschinen nach Afghanistan verlegt habe, nachdem sich die Lage dort verändert hatte.  “So wie sich inzwischen der Charakter dieses Einsatzes verändert hat, so sollten wir auch die hierfür notwendigen Fähigkeiten bereitstellen, um erfolgreich zu sein”, so Leidenberger.

Brigadegeneral Leidenberger hat am 20. Juni 2010 den Oberbefehl über das ISAF-Regionalkommando Nord in Mazar-e Sharif an seinen Nachfolger Generalmajor Hans-Werner FRITZ übergeben.

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