09.11.: Vor 75 Jahren

GiNN-BerlinKontor.–Zur Erinnerung an den 75. Jahrestag des Beginns der November-Pogrome 1938 hielt Bundespräsident Joachim GAUCK am 09.11. in Frankfurt/Oder eine Rede, in der er unter anderem ausführte: ” Wir gedenken der vielen jüdischen Bürgerinnen und Bürger, denen vor 75 Jahren schweres Unrecht geschah – die man verhöhnt, gedemütigt und totgeschlagen, deren Gotteshäuser man geschändet, geplündert und angezündet hat. Wir wissen, wie diese Geschichte der Ausgrenzung und Verfolgung weiterging, wie sie bis zu den Massenmorden in den Ghettos und in den Lagern führte.

Wir gedenken heute der Opfer. Aber wir denken auch an die Täter. Als ich gerade sagte: Man hat ihre Gotteshäuser angezündet, da war mir sehr bewusst, dass sich hinter diesem unpersönlichen “man” sehr konkrete Personen mit Namen und Adresse verbergen. Wir denken heute auch an diese “ganz normalen Menschen”, diese ganz normalen Deutschen, bei denen die furchtbare Lehre angekommen war, dass man bei Mitmenschen unterscheiden könne, ja unterscheiden müsse: zwischen lebenswert und lebensunwert, zwischen Mensch und Untermensch, zwischen Herrenrasse und Sklaven, zwischen Ariern und Juden. Das Schlimmste vielleicht ist die Erinnerung daran, dass viele der Täter ohne erkennbar schlechtes Gewissen gehandelt haben. Das Schlimmste ist die Erinnerung daran, wie die moralischen Kategorien, wie das Verständnis von Gut und Böse so vollständig verkehrt wurden.” Weiterlesen