SZ weist Nannen-Preis zurück: nicht mit BILD

GiNN-BerlinKontor.–-Bei der Verleihung des diesjährigen Henri-Nannen-Preises 2012 – auch deutscher “Pulitzer-Preis” genannt – eine Auszeichnung für hervorragende journalistische Leistungen  - kam es laut SZ zu einem Eklat. Die Jury wollte In der Kategorie “Investigation” den HNP doppelt verleihen – an drei Journalisten der “Süddeutschen Zeitung” und gleichzeitig an zwei BILD-Reporter. Die SZ-Journalisten lehnten ihre Auszeichnung mit der Begründung ab, sie wollten den Preis nicht mit den Kollegen des Boulevardblattes teilen. Die BILD-Redakteure wurden wegen ihrer Berichterstattung über “Wirbel um Privatkredit – Hat Wulff das Parlament getäuscht?” ausgezeichnet, die Bundespräsident Christian WULFF schließlich zum Rücktritt zwang.

SZ-Redakteur Hans LEYENDECKER lehnte die Auszeichnung mit dem “Henri” im Namen seiner Kollegen aus Protest stellvertretend ab.Leyendecker sprach von einem “Kulturbruch” und betonte: “Wir möchten nicht gemeinsam mit der BILD ausgezeichnet werden”, Die Redakteure der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG waren für ihre Recherchen und Berichte über die Verstrickungen der Bayerischen Landesbank (Bayern LB) in die Formel 1 nominiert worden.

Die frühere Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestags, Antje VOLLMER (Grüne), hatte zuvor in der Frankfurter Rundschau scharf kritisiert, dass die “BILD für ihre Recherchen zu Bundespräsident Christian Wulff” für den angesehenen Journalistenpreis nominiert worden sei. Die frühere grüne Bundestagsabgeordnete sagte der FR, die BILD-Zeitung habe “eine Kampagne gegen Wulff geführt, und die seriösen Medien hätten sich kritiklos vor den Karren des Boulevardblattes spannen lassen”. Die Chance, damit in die Nähe eines Henri-Nannen-Preises zu kommen, sei ein “Alarmsignal und ein Ritterschlag” für den verantwortlichen Chefredakteur. Es dürfe jedoch keinen “Ritterschlag für das Massenblatt BILD” geben.

Das Nachrichtenmagazin stern und der Verlag Gruner+Jahr verliehen den “Preis für herausragende journalistische Leistungen” zum 8. Mal. Auf der diesjährigen Gala im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg wurden Journalisten geehrt, deren Beiträge sich durch “besondere Unabhängigkeit, Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Kreativität” auszeichnen.

Das Henri-Nannen-Preis Komitee würdigt den Namengeber des Preises so:  Henri NANNEN war journalistisches Urgestein und schon zu Lebzeiten Legende. Einer, der Räume füllte und selbst seinen ärgsten Feinden noch Bewunderung abnötigte. DER SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein nannte ihn einen “Hauptdarsteller, der auch alle Nebenrollen beherrschte”, andere sahen in dem stern-Gründer einen “Hans Albers des deutschen Journalismus”, einen Mann, der weder Gott noch Anzeigenkunden fürchtete. In seiner eigenen Redaktion war nicht wenigen danach, “ihn (zu) ermorden und dann an seiner Bahre zu weinen”, wie einer seiner treuesten Redakteure einmal seufzte.

Sich selbst sah Henri Nannen, der Polizistensohn aus Emden, den stets sieghaftes Strahlen umwehte, am liebsten als “Reichsgericht des kleinen Mannes”. Der Schlüssel zum anderen Menschen sei wichtiger als der Schlüssel zum Kosmos, war das Kredo des Blattmachers, der seinem Heft eine beispiellose Erfolgsgeschichte bescherte.

In Nannens “Wundertüte” kam nur, was dem Meister selbst gefiel – und dessen Neugier war unerschöpflich. Seine Kolumnen unter dem Titel “Liebe stern-Leser” trafen den Nerv der Zeit. Sir Henri machte den stern zum politischen Schlachtschiff, er reiste zu Leonid Breschnew nach Moskau und gestaltete Willy Brandts Ostpolitik mit, rief “Jugend forscht” und den Egon Erwin Kisch-Preis ins Leben und gründete eine Journalistenschule.

Als er fand, “dass es nicht reicht, irgendwann ins Gras zu beißen und nichts bewegt zu haben außer einer vergnüglichen Illustrierten”, zog er zurück nach Emden und schenkte der Heimatstadt seine Kunstsammlung und ein eigenes Museum.(Quellen: SZ/ henri-nannen-preis.de)

 

Aus gegebenem Anlaß erinnern wir an  die “Publizistischen Grundsätze” – den Medien-Kodex. Die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verbürgte Pressefreiheit schließt die Unabhängigkeit und Freiheit der Information, der Meinungsäußerung und der Kritik ein. Verleger, Herausgeber, Redakteure und Korrespondenten – vor alle Journalisten – müssen sich bei ihrer Arbeit gegenüber der Öffentlichkeit ihrer Verpflichtung für das “Ansehen der Medien” bewußt sein. Ihre publizistischen Aufgaben haben sie “nach bestem Wissen und Gewissen” – unbeeinflußt von persönlichen Interessen und sachfremden Beweggründen – wahrzunehmen. Zu den publizistischen Grundgesätzen gehören die unbedingte  “Achtung vor der Wahrheit” und die “korrekte, wahrgetreue Unterrichtung der Öffentlichkeit”. Sie sind Oberstes Gesetz der Medien.

In dem “Medien-Kodex” heißt es unter anderem: Die Berichterstattung über schwebende Ermittlungs- und Gerichtsverfahren muss “frei von Vorurteilen” erfolgen. Die Medien müssen deshalb vor Beginn und während der Dauer eines solchen Verfahrens in Überschrift und Darstellung jede einseitige oder präjudizierende Stellungnahme/Kommentierung  vermeiden Ein Verdächtiger oder eine Verdächtigte, gegen den/die ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren läuft,  darf  v o r  einem gerichtlichen Urteil in den Medien nicht als  bereits “schuldig” dargestellt oder verdächtigt  werden.

Die  “Verantwortung der Medien gegenüber der Öffentlichkeit” gebietet, daß redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch geschäftliche oder private Interessen Dritter beeinflußt werden. Verleger und Redakteure  haben derartige Versuche abzuwehren und vor allem auf klare Trennung zwischen Redaktion und  z.B. (Eigen-)Werbung zu achten.

Die Medien haben zudem das Privatleben zu respektieren und dürfen/sollten nicht in die Intimsphäre von Menschen eindringen. Die Medien können/müssen jedoch auch das private Leben investigieren, wenn das private Verhalten  “von öffentlichem Interesse” ist. Dabei sind jedoch die Persönlichkeitsrechte zu achten. Unbegründete, nicht bewiesene “Beschuldigungungen ehrverletztender Natur”, sind zu unterlassen – sie widersprechen dem “journalistischen Anstand”.

Und schließlich: Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie verbreitet hat, unverzüglich und in angemessener Weise richtig zu stellen.  Bei der Beschaffung von Nachrichten und Informationen über eine Person oder einen Vorgang dürfen “keine unlauteren Methoden” angewandt werden.  (Quelle: Presserat im MT:Der Pressekodex)

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>