Streit mit USA über Airbus-Tankflugzeuge

GiNN-BerlinKontor.—Die USA haben – wie angekündigt – den bereits fest vereinbarten Vertrag über den Bau von Militär-Tankflugzeuge durch die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS)  “annuliert”. Den US-$ 35-Milliarden-Auftrag  für den Bau von 179 Tankflugzeugen soll nun die US-amerikanische Firma BOING erhalten und nicht – wie vereinbart – die europäische EASD, die auch den AIRBUS baut.  Die USA begründeten den Ausstieg mit angeblichen “unfairen Wettbewerbs- und Ausschreibungsbedingungen”. EADS und Northrop Grumman kritisierten die neuen  Modalitäten der Ausschreibung, die eindeutig Boeing  bevorzuge. “Die US-Luftwaffe weiß, dass wir bei weitem das bessere Produkt anbieten”, sagte selbstbewusst und enttäuscht Airbus-Chef Thomas ENDERS.

Nach dem Rückzug des europäischen EADS-Konzerns aus dem Bieterrennen für US-Militärflugzeuge hat sich die EU eingeschaltet. “Die EU-Kommission wäre extrem besorgt”, falls sich herausstellen sollte, dass die Ausschreibungsbedingungen einen offenen Wettbewerb verhindert haben, erklärte EU-Handelskommissar Karel DE GUCHT. “Es ist höchst bedauerlich, wenn ein wichtiger potentieller Anbieter sich außerstande fühlt, für einen Vertrag dieser Art zu bieten”, erklärte De Gucht. Offene Beschaffungsmärkte garantierten einen besseren Wettbewerb und setzten das Geld des Steuerzahlers besser ein. Die Kommission werde nun “weitere Entwicklungen in dem Fall sehr genau verfolgen”.

Die allgemeine Entrüstung überrascht, denn es war klar, dass die US-Regierung  – genauer: der US-Rechnungshof -. intervenieren würde und einen Milliarden-Auftrag an ein europäische Unternehmen “unterbinden” werde.

Am 01.03.2008 hatte GiNN-BerlinKontor gemeldet:  Die US-Luftwaffe hat beim EADS-Partner “Northrop Grumman Corp” 179 Tankflugzeuge vom Typ KC-45A bestellt. Der fliegendeTreibstofftanker ist eine militärische Variante des AIRBUS-Großflugzheugs A330 und basiert auf der A330 MRTT (Multi Role Tanker Transport) von EADS. Mit diesem 35 Milliarden US-Dollar-Auftrag wird “EADS seine industrielle Präsenz in den USA deutlich ausbauen und zugleich seine Bedeutung als Zulieferer der US-amerikanischen Streitkräfte wesentlich steigen”, heißt es in einer Mitteilung des Airbus-Konzerns.  Das US-Verteidigungsministerium gab die Entscheidung mit den Worten bekannt: “The contract calls for up to 179 new KC-45A tankers to be built over the next decade or so at a cost of around $35 billion. Tanker aircraft are used to refuel other aircraft while in flight.”

Im August 2008 hiess es beriets, der Grossauftrag des US-Verteidigungsministeriums an die EADS=European Aeronautic Defence and Space Company für den Bau von 179 Tankflugzeugen müsse neu ausgeschrieben werden. Die neuen Gebote müssten bis zum 1. Oktober vorgelegt werden. Der bisherige Auftraggeber – US-Air Force – mußte die Federführung an das US-Verteidigungsminsiterium (Pentagon)  abgeben.

Der US-Konkurrent BOEING hatte Beschwerde beim US-Rechnungshof  eingelegt – “wegen schwerer Fehler bei der Auftragsvergabe”. Der Forderung des Airbus-Konkurrenten Boeing nach einer  “Wiederholung der Ausschreibung” wurde stattgegeben. Der spätere Präsident Barack H. OBAMA  unterstützte damals die Forderungen der US-Firma BOEING.  Auch US-Verteidigungsminister Robert GATES verlangte, den Auftrag an EADS “neu auszuschreiben” (”reopen the bidding”).

Bei dem Großflugzeug handelt es sich um eine Entwicklung des EADS-Geschäftsbereichs “Militärische Transportflugzeuge”. Mit diesem System sollen auch die von Großbritannien, Australien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten bestellten Tankflugzeuge ausgerüstet werden. Für das KC-45-Tankerprogramm war die EADS-Tochter Northrop Grumman zuständig.

Der fliegendeTreibstofftanker ist eine militärische Variante des Airbus-Großflugzheugs A330 und basiert auf der A330 MRTT (Multi Role Tanker Transport) von EADS. Der angebotene Tankausleger ARBS verfügt über eine Fly-by-Wire-Steuerung und eine automatische Lastabminderung, die einen erhöhten Treibstoffumschlag und eine stärkere Kontrolle in der Bedienung ermöglichen. Die maximal umzuschlagende Treibstoffmenge beträgt 1,200 Gallonen pro Minute.

Die A330 MRTT hatte sich in fünf Wettbewerben durchgesetzt. Bundeskanzlerin Angela MERKEL (CDU) bezeichnete damals den Milliardenauftrag der US-Air Force an den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern als “Riesenerfolg” für AIRBUS und die europäische Luftfahrtindustrie. “Dass EADS in diesem fairen und offenen Verfahren den Zuschlag erhalten hat, ist nicht nur ein Beleg für die technologische Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von AIRBUS. Es ist zugleich ein Zeichen für die gute und vertrauensvolle sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den USA”, so die Kanzlerin.

Bundeswirtschaftsminister Rainer BRÜDERLE (FDP) sprach jetzt von Protektionismus. Der EADS-Konkurrent Boeing werde bei dem Auftrag für Tankflugzeuge der US-Luftwaffe deutlich bevorzugt. Als einziger Anbieter erhalte der US- Flugzeugbauer wirtschaftliche und finanzielle Vorteile, ohne dass die Luftwaffen das beste Produkt erhalten würde. “Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden”, so Brüderle.  Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schadeten “schon Anzeichen von Protektionismus”.

Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt  sagte im n-tv,  EADS und Northrop Grumman hätten in USA bis zu 48.000 Arbeitsplätze  schaffen wollten. “Ein großer Teil der Wertschöpfung wäre in jedem Fall in den USA entstanden”, so Großbongardt. “Northrop Grumman sagt sogar, mehr als in dem Falle der Boeing-Entscheidung. Von daher glaube ich, Protektionismus spielt eine Rolle, aber sicherlich nicht die entscheidende.”

EADS schloss unterdessen einen Alleingang ohne Northrop Grumman aus. EADS plane nicht, ohne den US-Partner ein erneutes abzugeben, sagte er. Der Konzern werde aber seine Strategie “mit Blick auf den amerikanischen Markt nicht ändern. Wir wollen unsere Präsenz in den USA erhöhen.”

Der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter HINTZE (CDU)  rief die US-Regierung zum Überdenken ihres Angebotsverfahrens auf.  Forget it! in USA gilt die Parole: “Buy American!”

Der Chef der EADS-Tochter AIRBUS, Thomas ENDERS, warf der US- Regierung vor, voreingenommen zu agieren. “Die Folge ist, dass die USA nicht das beste Flugzeug bekommen werden, das es gibt”, sagte EADS-Chef Louis GALLOIS. Sollten die USA die Ausschreibung allerdings ändern, werde EADS eine Bewerbung prüfen.

Die SPD ging bereits auf anti-amerikanischen Kurs: ” Das ist ein skandalöser Vorgang”, so der wirtschaftspolitiuscher Sprecher der SPD-BT-Fraktion Garreit DUIN. “Die Amis agieren auf Taschenspielertrikck.Niveau.”

EADS hatte noch unter der Regierung von Ex-Präsident George W. BUSH den Zuschlag für das Geschäft erhalten.

Detlef  R. Peters

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>