Steinmeier zieht sich für einige Wochen zurück

GiNN-BerlinKontor.—Frank-Walter STEINMEIER,  seit Ende September 2009 Fraktionsvorsitzender der SPD im Deutschen Bundestag und Oppositionsführer,  wird sich für einige Wochen aus der Politik zurückziehen, weil sich seine Frau Elke Büdenbender  (48) einer Nierentransplantation unterziehen muss. Der ehemalige Vizekanzler und Außenminister wird selbst eine seiner Nieren zur Verfügung stellen und begab sich unverzüglich in ärztliche Obhut.

Vor der Presse gab Steinmeier am 23. 08. in Berlin folgen Erklärung ab: “Ich will sie nur kurz unterrichten, dass in meinem privaten Bereich eine Entwicklung  eingetreten ist, die dazu führen wird, dass ich mich für einige Wochen aus dem öffentlichen Raum zurückziehen muss. Mein Frau ist in den letzten Monaten schwer erkrankt und es gibt den ärztlichen Rat, dass ihr nur eine Organstransplantation wirklich helfen kann. Mangels Alternative und weil die entsprechenden Voruntersuchungen das auch erlauben, werde ich selbst der Organspender sein. Es handelt sich um eine  fortgeschrittene Nierenschädigung bei meiner Frau. Das wird bedeuten, dass ich mich noch heute mittag in ärztliche Obhut begeben werde, die notwendigen Operationen für die Organverpflanzung werden dann im Verlauf dieser Woche stattfinden und Sie haben Verständnis dafür, dass ich deshalb für einige Wochen nicht auf der politischen Bühne aktiv sein werde.”

Die Führung von Fraktion und Partei sei informiert, so Steinmeier. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß wird während seiner Abwesenheit die Amtsgeschäfte übernehmen. Dies sei mit SPD-Chef Sigmar GABRIEL so abgestimmt.

Der Bonner Politologe Gerd LANGGUTH sagte bei n-tv, dass man die Entscheidung “mit großem Respekt” sehen müsse. Zudem habe sie überhaupt keine politischen Implikationen. Er sehe  “keine politischen Probleme”.

Steinmeier bat die Medien, angesichts der Erkrankung seiner Frau seine Privatsphäre zu respektieren und von Nachforschungen im privaten Bereich abzusehen. Er werde die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren.  Steinmeier und die Verwaltungsrichterin Büdenbender sind seit 1995 verheiratet. Sie haben eine gemeinsame Tochter.

Bundeskanzlerin Angela MERKEL (CDU) hat betroffen auf die Erkrankung der Ehefrau von SPD-Fraktionschef Steinmeier reagiert. Merkel telefonierte nach Angaben eines Regierungssprechers am Morgen mit Steinmeier. “Die Nachricht, dass seine Ehefrau so ernsthaft erkrankt ist, hat die Kanzlerin traurig und besorgt gemacht”, sagte Regierungssprecher Steffen SEiBERT. Die Kanzlerin wünsche dem Ehepaar alles Gute, Kraft und Zuversicht. “Sie ist in dieser sicherlich schweren Zeit mit ihren Gedanken beim Ehepaar Steinmeier.”

Die erste Nierentransplantation wurde in Deutschland vor 30 Jahren in Hamburg im Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) vorgenommen. Seitdem wurden allein in Hamburg 1300 Nieren verpflanzt. Durch medizinischen Fortschritt konnte die Erfolgsrate deutlich gesteigert werden. Mehr als 90 % aller Transplantationen führen heute zu den gewünschten Ergebnissen. Die Zahl der Operationen ging trotzdem dramatisch zurück, die Bereitschaft von Organspender rückläufig ist. Heute gibt es eine bundesweite Warteliste.  Bereits 1954 wurde übrigens die erste erfolgreiche Nierentransplantation in Boston/USA durchgeführt.

Nach Mitteilung des Nephrologischen Centrums in Kiel stellt Deutschland  mit ca. 15,3 Organspendern pro Millionen Einwohner pro Jahr das Schlusslicht in der Organspendefrequenz in Europa dar.  Zurzeit warten ca. 12.000 Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan. Die Warteliste der Patienten, die mit der künstlichen Blutwäsche (Dialyse) behandelt werden und auf eine Transplantation warten, steigt seit Jahren kontinuierlich an. Sie stellen den Hauptanteil mit ca. 9.000 Patienten, die sich dringlich eine Transplantation erhoffen. Patienten mit einem endgültigen Nierenversagen können mit der künstlichen Niere am Leben erhalten werden, wenn  ein “Ersatzorgan” rechtzeitig zur Verfügung steht.

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