Steinbrück zum Steuerbetrug

GiNN-BerlinKontor.—Steuerbetrug ist eine Straftat, die das Vertrauen in den Rechtsstaat untergräbt und den Zusammenhalt der Gesellschaft gefährdet, so der SPD-Kanzlerkandidat und Ex-Finanzminister Peer STEINBRÜCK.. Die aktuellen Enthüllungen zu den Offshore Leaks zeigten, “wie dringend notwendig der Kampf gegen das weltumspannende Netzwerk des Steuerbetrugs durch Steueroasen und zwielichtige Praktiken ist”. Von Deutschland – so Steinbrück – müsse eine europäische Initiative gegen den organisierten Steuerbetrug ausgehen. Er stellte in Berlin einen 8-Punkte-Plan vor:

1. Schaffung vollständiger Transparenz: Automatischer Informationsaustausch und Verbot anonymer Briefkastenfirmen und Stiftungen. Steuerbetrüger und ihre Bankdienstleister sind in der Regel sehr trickreich. Sie tun alles dafür, den Weg der Gelder ins Ausland zu verschleiern. Das größte Problem ist die Anonymität der in den Steueroasen geparkten Vermögen. Zwingend erforderlich ist deshalb eine Durchbrechung der Anonymität durch die Einführung eines automatischen Informationsaustausches über die Vermögen und Erträge der ausländischen Bürgerinnen und Bürger.

Briefkastenfirmen und Stiftungen, deren wirtschaftlich Berechtigte anonym bleiben, müssen international verboten werden. Hierzu sollte es auch auf deutsches Betreiben eine europäische Initiative geben. Das konsequente Vorgehen der USA, die alle Banken weltweit dazu verpflichten wollen, die Konten ihrer Staatsbürger offenzulegen und unkooperativen Unternehmen mit einer Strafsteuer auf alle US-Erträge drohen, muss hierbei als Vorbild und Ansporn dienen.

2. Erneuerte schwarze Listen für Steueroasen. Für einen erfolgreichen Kampf gegen Steuerbetrug ist mehr Druck auf Steueroasen notwendig. Bereits während der Großen Koalition hatte das Bundesfinanzministerium Erfolg damit, jene Länder auf schwarze Listen zu setzen, die am Informationsaustausch der OECD nicht teilnehmen wollten. Die schwarzen Listen sind inzwischen jedoch leer, weil alle Steueroasen den Informationsstandard der OECD zwar akzeptieren, ihn aber nicht umsetzen, und somit auf so genannten grauen Listen geführt werden.

Mindestens europaweit, besser weltweit, müssen heute die Länder auf schwarze Listen gesetzt werden, die ihre Verpflichtungen zum Informationsaustausch nicht einhalten oder die zu keinem automatischen Informationsaustausch bereit sind.

3. Härtere Strafen. Alle in Deutschland tätigen Finanzinstitute müssen verpflichtet werden, keine Bankprodukte und -dienstleistungen anzubieten, mit denen ihre Kunden Steuern hinterziehen können. Die Finanzinstitute müssen verpflichtet werden, mit den Finanzämtern zu kooperieren.

Leisten Finanzinstitute mit Sitz in Deutschland oder Zweigniederlassungen ausländischer Institute nachweislich Beihilfe zum Steuerbetrug oder verweigern die Kooperation mit den Steuerbehörden, müssen sie zukünftig stärker zur Rechenschaft gezogen werden: Wir wollen eine sich steigernde Strafbewehrung, die mit Strafzahlungen beginnt und über die Möglichkeiten der Abberufung der Geschäftsführung und Berufsverboten bis zur Einschränkung der Banklizenz und als ultima ratio zum Entzug der Banklizenz führen kann.Verstöße gegen das Steuerrecht sollen künftig nicht mehr automatisch schon nach zehn Jahren verjähren, sondern zumindest die Laufzeit verdächtiger Finanzkonstrukte abdecken.

Unsere Reform der Verjährungsfristen soll sich an der Praxis in den Vereinigten Staaten orientieren: Dort beginnt die Verjährungsfrist erst mit der Abgabe einer korrekten Steuererklärung.

4. Fahndungsdruck erhöhen. In Deutschland muss eine bundesweite Steuerfahndung aufgebaut werden, die für die Ermittlungen in Fällen grenzüberschreitender Steuerkriminalität von erheblicher bzw. grundsätzlicher Bedeutung zuständig ist. Sie soll einen einheitlichen Umgang mit Informationsangeboten privater Dritter über mutmaßliche Steuerhinterzieher sicherstellen.

Die Bundessteuerfahndung soll die Finanzbehörden durch die Analyse typischer Betrugsgestaltungen und Hinterziehungsstrategien bei der Aufdeckung und Verhinderung von Steuerstraftaten unterstützen.

5. Verschärfung des deutschen Steuerrechts. Die Zurechnung der von ausländischen Stiftungen und vergleichbaren Rechtskonstruktionen erzielten Einkünfte zu den in Deutschland steuerpflichtigen Begünstigten wird durch das Außensteuergesetz geregelt. Die Regelungen des Außensteuergesetzes weisen allerdings Unklarheiten und Lücken auf, die Spielräume für steuerliche Vermeidungsstrategien eröffnen.

Derartige Schlupflöcher müssen geschlossen werden. Im Außensteuergesetz muss eine unmittelbare Hinzurechnung der Einkünfte ausländischer Stiftungen zu den deutschen Begünstigten erreicht werden. Ausländische Stiftungen dürfen keine Abschirmwirkungswirkung mehr haben, die insbesondere eine Zurechnung der den Stiftungen zugeflossenen Dividendeneinnahmen verhindert. Außerdem darf eine Besteuerung nicht mehr durch die Zwischenschaltung weiterer Stiftungen verhindert werden können.

6. Keine lückenhaften Steuerabkommen mehr zulassen. Es darf künftig keine Steuerbegünstigungen und -befreiungen mehr aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen mit Steueroasen geben, die sich durch Intransparenz und unfairen Steuerwettbewerb auszeichnen. Bestehende Doppelbesteuerungsabkommen mit Steueroasen müssen neu verhandelt und gegebenenfalls auch ausgesetzt werden. Gegenüber unkooperativen Staaten, muss einseitig von der Freistellungs- auf die Anrechnungsmethode übergegangen werden.

7. Gewinnverlagerung in Steueroasen bekämpfen. . Internationale Konzerne weisen oft trotz hoher Gewinne niedrige Steuerquoten aus. Die Steuervermeidung internationaler Konzerne beruht regelmäßig auf der grenzüberschreitenden Verlagerung von Gewinnen in Niedrigsteuerländer. Die benutzten Praktiken sind zwar oft formal legal, stehen aber zur Intention der Steuergesetze im Widerspruch.

Deswegen müssen die bereits bestehenden Empfehlungen von OECD und Europäischer Kommission zur Bekämpfung aggressiver Steuerplanung internationaler Konzerne umgehend in nationales Recht umgesetzt werden, vor allem bezüglich der Anwendung des Fremdvergleichsgrundsatzes auf internationale Betriebsstättenfälle und der Lösung von Qualifizierungskonflikten bei hybriden Finanzierungsinstrumenten.

8. Steuerdumping in Europa verhindern. In Europa muss endlich für die Beendigung des schädlichen Steuerwettbewerbs zwischen den Mitgliedsstaaten gesorgt werden. Mindestens der Euroraum braucht eine gemeinsame Bemessungsgrundlage und die Vereinbarung von Mindeststeuersätzen bei der Körperschaftsteuer, damit die wirtschaftlichen Ungleichgewichte mittelfristig abnehmen. (Quelle: spd.de)

 

Bundesfinanzminister Wolfgang SCHÄUBLE (CDU) sagte der Saarbrücker Zeitung: “Es macht wenig Sinn, einfach nur verbal um sich zu schlagen. Wir müssen den Weg der internationalen Verhandlungen, Kooperation und Verträge gehen, um etwas zu ändern. Das tun wir. Und dafür, dass dann im Endeffekt das Geld in den deutschen Kassen landet, sind letztendlich die Steuerverfolgungsbehörden und die Staatsanwaltschaften der Länder zuständig.”

Im DLF sagte der Finanzminister, die Bundesregierung setze sich schon seit langem dafür ein, den Druck auf Steuerhinterzieher zu erhöhen.. “Wir haben zahlreiche Abkommen zum Informationsaustausch geschlossen, ich habe mit meinen amerikanischen, britischen und französischen Kollegen im Rahmen der OECD und G2O eine Initiative auf den Weg gebracht, die es den internationalen Konzernen in Zukunft erschweren wird, ihre gerechte Steuerlast durch Steuersparmodelle zu verkürzen. In der EU bemüht sich die Bundesregierung seit Jahren um einen automatischen Informationsaustausch”, so Schäuble.

“Wir haben ein gemeinsames Interesse und wollen sicherstellen, dass die Steuergesetze eingehalten werden und dass auch Transparenz an den Tag gelegt wird”, sagte der neue amerikanische Finanzminister Jacob J. LEW in Berlin nach einem Treffen mit Bundesfinanzminister  Schäuble (Quelle: bmf.de)

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