Staatsbesuch aus Israel

GiNN-BerlinKontor.—Bundespräsident Joachim GAUCK hat am 10. Mai den Präsidenten des Staates Israel, Reuven RUVLIN, und seine Frau Nechama zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Deutschland empfangen. Im 50. Jahr seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen am 12. Mai 1965 stehen das Jubiläum und das vertrauensvolle Verhältnis Deutschlands zu Israel im Mittelpunkt des Besuchs.

Am 11. Mai besuchte Staatspräsident Reuven Rivlin die Gedenkstätte “Gleis 17″ in Berlin-Grunewald. Von dort aus fuhren in den Jahren 1941 bis 1945 Deportationszüge  mit  Berliner Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager.

In einer Rede sagte der Präsident:” Das deutsche Volk ist nicht eines Tages mit den Hakenkreuzen des Dritten Reiches aufgewacht. Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Hoffnungslosigkeit wuchsen viele Jahre lang wie ein unentdecktes Krebsgeschwür. Dies war der vergiftete Nährboden, auf dem das Nazi-Monster ungehindert gedeihen konnte. 70 Jahre sind vergangen seitdem der letzte Transport Gleis 17 verlassen hat; nichtsdestotrotz werden faschistische und neonazistische Bewegungen auf europäischem Boden wieder stärker und stärker.

Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Verleugnung sind keine Antwort. In einer Welt, die mit barbarischem Terror und Hass überflutet wird, in einer Welt, in der die Spannungen zwischen Kulturen und Ideologien stärker werden, fordert der Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Fundamentalismus von uns, wachsam und entschieden zu sein.

Wir müssen uns daran erinnern: Die Demokratie allein macht uns nicht immun gegen Nationalismus und Faschismus. Keine Nation ist immun gegen Antisemitismus. Keine Nation ist immun gegen Fremdenfeindlichkeit. Keine Nation ist immun gegen Extremismus und Fundamentalismus.

Hier an Gleis 17 müssen wir uns verpflichten, dem Hass in die Augen zu sehen. Nur durch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gemeinden und verschiedenen Ländern können wir uns jedweden Angriffen auf die Menschenwürde entgegen stellen. Dies ist unsere Verpflichtung. Dies ist unsere Aufgabe. Mögen die Seelen unserer Schwestern und Brüder im Bund des Lebens verbunden sein. Und möge ihr Andenken für immer in unseren Herzen sein.” (Quelle: newsletter.israel.de)

Die CDU erklärte in Berlin: “50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen sind ein Grund zur Dankbarkeit und zur Freude, zugleich ein Ansporn und ein Auftrag für die Zukunft, sie weiter zu erhalten und zu vertiefen. Selbst heute noch erscheint es geradezu unvorstellbar, dass es trotz der Schrecken der Schoah und des unermesslichen Leides gelingen konnte, Beziehungen zwischen Deutschland und Israel aufzubauen, die mit Begriffen wie Freundschaft und Vertrauen beschrieben werden.

Bundeskanzlerin  Angela MERKEL  drückt dies aus, wenn sie davon spricht, dass sich die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel „vor dem Hintergrund des von Deutschland begangenen Zivilisationsbruchs der Schoah auch heute noch wie ein Wunder ausnimmt”.

Der 12. Mai 1965 steht für den Beginn dieser einzigartigen Verbindung. Auf politischer, wissenschaftlicher und kultureller Ebene beider Länder wird diese Beziehung mittlerweile nahezu selbstverständlich gelebt wird. Und doch wird das Verhältnis niemals normal sein, sondern immer besonders und herausragend bleiben. Die Erinnerung an die gemeinsame furchtbare Vergangenheit wird Deutschland und Israel auf immer miteinander verbinden.

Es ist dem Mut und der Einsicht der ersten Regierungschefs beider Länder, Konrad Adenauer und Ben Gurion, zu verdanken, dass die entscheidenden Schritte aufeinander zu gemacht wurden. Sie wagten den Neuanfang und Brückenbau über die tiefen Gräben hinweg – getragen von dem Gedanken gemeinsamer Werte und Interessen.

Im Verhältnis zu Israel gibt es für Deutschland Konstanten, die nicht zur Disposition stehen. Dazu gehört zuvorderst das Existenzrecht Israels, das nicht verhandelbar ist. Das Eintreten für die sichere Existenz Israels hat Angela Merkel 2008 als Teil der „deutschen Staatsräson” definiert. Dazu gehört zudem die historische Verantwortung, der sich Deutschland nie wird entziehen können, und die darin besteht, wie es der Historiker Heinrich August Winkler formuliert, „sich der Geschichte dieses Landes im Ganzen bewusst zu werden”.

Die Freundschaft zu Israel und das Erinnern an die Schoah ist eine Aufgabe aller Deutschen – auch derjenigen, deren Vorfahren 1945 noch nicht in Deutschland gelebt haben und derjenigen, die noch zu uns kommen und sich entscheiden, Deutsche zu werden. Für uns alle besteht als Deutsche auch in der Zukunft die Verpflichtung, die Erinnerung an die Schoah aufrechtzuerhalten und die Lehren daraus an die nächste Generation weiterzugeben. Das gilt umso mehr, als es weiter fremdenfeindliche und antisemitische Einstellungen gibt und sich Juden in Deutschland Hasstiraden ausgesetzt sehen und sich bedroht fühlen. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus werden wir uns als Christdemokraten stets entschieden entgegen stellen.

(Quellen: bundespraesident.de/ cdu.de)

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