Sarrazin: “Horst Seehofer hat recht”

GiNN-BerlinKontor.—–Thilo SARRAZIN, Ex-Vorstand der Deutschen Bundesbank und Ex-Finanzsenator in Berlin, hat die  “beispiellose Kampagne” gegen ihn “aus der Spitze des Staates” scharf kritisiert. Er habe den Streit über sein Buch nicht angefangen, sondern “schwierige Sachverhalte schlüssig dargelegt.”  Der “Zorn” sei nicht von ihm, sondern von seinen Gegnern in Politik und Medien aufgekommen. So habe die Kanzlerin seine Aufzeichnungnen als “wenig hilfreich” bezeichnet, obwohl sie das Buch nicht gelesen hatte und es  “auch nicht lesen will”. Daran könne man das “Interesse der Bundeskanzlerin an der Sache” ablesen, sagte Sarrazin der BILD am SONNTAG (31.10.). Merkel habe zudem die Führung der Bundesbank aufgefordert, “mich aus dem Vorstand zu entfernen”. Auch den Bundespräsididenten fertigte Sarrazin ab: Christian WULFF habe über die “nicht sehr erfreulichen Zustände” der  Integrationsproblematik eine “Harmonie-Kitsch-Soße gegossen”.

Er freue sich darüber, dass laut Umfragen  “60 bis 80 % der Menschen mir vertrauen und meine Äußerungen zur Integration unterstützen”, sagte Sarrazin der BamS. Eine “Rechtspartei” wolle er aber nicht gründen. Eine Partei, die sich ausschließlich dem Thema Zuwanderung und Integration widme, wäre eine Rechtspartei – und  “die möchte ich nicht”. Sarrazin räumte ein, dass rechtspopulistische Parteien – zum Beipsiel in Österreich und in der Schweiz – versucht hätten, ihn “einzuvernehmen”. Er lasse sich aber  “nicht in die rechte Ecke drängen”, versicherte Sarrazin.

Zur Rede des Bundespräsidenten am 3.10. sagte Sarrazin, es sei “falsch zu sagen, dass der Islam zu Deutschland gehört.” Die deutsche Kultur sei “weitgehend ohne Bezug auf den Islam entstanden”. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip ERDOGAN habe seine Landsleute mehrmals  “vor einer Anpassung an Deutschland gewarnt”.  Im Jahr 1914 habe es noch 25 % Christen in der Türkei gegeben, heute seien es nur noch O,2 %, erinnerte Sarrazin. Der Deutschunterrichtin türkischen Schulen habe man abgeschafft, behauptet Sarrazin.
Der “Integrationsxeperte der Nation” wandte sich auch gegen die Forderung nach “qualifizierter Zuwanderung” zur Behebung des Facharbeitermangels. Vor allem von der Wirtschaft werde derzeit  “grosser Druck aufgebaut, dem wir widerstehen müssen”, foderte Sarrazin. Es gebe keinen Anlass, von einem Arbeitskräftemangel zu sprechen, solange “bei uns noch arbeitsfähige 64- und 65-Jährige keine Arbeit finden”.  Sarrazin: “Da hat Horst SEEHOFER recht.”

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef  Horst SEEHOFER hatte am 30.10. auf seinem “Reformparteitag” erklärt, der drohende Fachkräftemangel dürfe kein Freibrief für ungesteuerte Zuwanderung sein. Vielmehr müsse zunächst für die Qualifizierung von arbeitslosen Arbeitnehmern in Deutschland gesorgt werden.  Der CSU-Parteitag beschloss zudem einen Sieben-Punkte-Plan mit strengen Regeln für Zuwanderer. Deutschland sei “kein klassisches Zuwanderungsland.“  Auch Seehofer wehrte sich vehement gegen den Vorwurf, er sei rechtspopulistisch; “Wenn das, was ich sage, rechtsradikal ist, dann sind zwei Drittel in der Bevölkerung rechtsradikal”, so Seehofer.

Sarrazin wiederholte in der BamS seine These: “Nach meiner Überzeugung zieht die Möglichkeit des Zuzugs in unsere Sozialsysteme die falsche Art von Migranten an. Deshalb sollten wir – wie die USA und Kanada – den Bezug von Sozialleistungen für Einwanderer ganz oder für Übergangsfristen ausschließen.”

Der Noch-SPD-Genosse sagte zu dem von der SPD-Führung lautstark geforderten Parteiausschluss Sarrazins, bisher habe er noch keinen Antrag der sozialdemokratischen Schiedskommission erhalten. Zwei Monate hätten wohl nicht gereicht, um eine “schlüssige Ausschlussbegründung” zu formulieren, freut sich Sarrazin. Bisher habe es nur “politische Absichtserklärungen” gegeben.  Er warte in Ruhe ab, “was von den aktuellen Äußerungen aus der Politik opportunistische Anpassung an eine auch durch mein Buch offenkundig gewordene Stimmung und was ernst gemeinter Handlungswille ist.”  Die Gleichheit der Reaktionen in UNION und SPD beobachte er “mit Amüsement”.

4 Gedanken zu “Sarrazin: “Horst Seehofer hat recht”

  1. Sarrazin hat der Politik und den gesamten deutschen Medien ihre verlogene und beschwichtigende Haltung in der Integrationsproblematik vor Augen gehalten.
    Erst als die gesamte deutsche Bevölkerung den Aussagen Sarrazins zustimmte. verfielen alle Parteien in hektische Betriebssamkeit um zu beschwichtigen und zu zeigen: schaut her wir tun ja was.
    Außerdem haben wir kein Ausländerproblem in Deutschland – wir haben ein Türkenproblem!

  2. Hallo Müller, ich bin Türke. Welches Problem haben Sie denn mit mir? Und stimmt es wirklich, dass “die gesamte deutsche Bevölkerung” Sarrazins Thesen zustimmt?

  3. Pingback: Thilo Sarrazin und die “falsche Art von Migranten” – sueddeutsche.de | Hasen Chat Nachrichten Blog

  4. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Sarrazin das Sachinteresse für die Integrations-Debatte ab: “Angela Merkel hat nicht nur mein Buch kritisiert, sie hat auch die Bundesbank indirekt aufgefordert, mich aus dem Vorstand zu entfernen. Außerdem hat sie öffentlich erklärt, dass sie mein Buch nicht gelesen hat und auch nicht lesen wird. Daran mögen Sie das Interesse der Kanzlerin an der Sache, um die es hier geht, ablesen.” Zitat Sarrazin. Wie auch immer, man kann dazu stehen wie mal will, Tatsache ist, dass das Thema wieder von der Tagesordnung verschwunden ist. So ist die Politik und dann wundern sich die Politiker, wenn immer weniger Menschen zur Wahl gehen, bzw. extreme Parteien gewählt werden.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>