Sarrazin: Auch “Warmduscher” unter Hartz IVer

GiNN-BerlinKontor.—Wer sich erdreistet in der SPD die Parteilinie zu verlassen, der bekommt nicht nur einen auf die Mütze, dem droht ein Parteiausschlussverfahren. Man kennt dieses “Verfahren” bisher nur in kommunistischen Diktaturen.  “Dissidenten” – also Parteigenossen, die sich den Luxus einer anderen, eigenen Meinung leisten, die sich vom Parteidiktat abtrennen, die sich “selbstständig machen” – die sind geliefert – wie der Noch-SPD-Bundesbank-Banker Thilo SARRAZIN vom  “Club der Freunde der deutlichen Aussprache”.

Thilo Sarrazin, ehemaliger Finanzsenator im rot-roten Berlin und derzeit noch im Vorstand der Bundesbank, hat  der Süddeutschen Zeitung erzählt, seiner Meinung nach sei die von FDP-Chef Guido WESTERWELLE losgetretende Sozialfrage letzlich ja  “keine Geldfrage, sondern eine Frage der Mentalität, des Wollens und der Einstellung” und Sarrazin fügte hinzu:  „Wo diese fehlt, hilft auch kein Geld, und wo diese da ist, ist das Geld gar nicht so wichtig.“ Als wirksamere Sparmöglichkeit nannte Sarrazin das “Kalt-Duschen”,  das doch “viel gesünder” sei. Denn: “Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben“, so Noch-Genosse Sarrazin.  Gemeint war wohl die Ausnahmegruppe “HARTZ IV-Abzocker”, die -  wie man bei “Anne Will” in der ARD hören konnte – schon  in der dritten Generation hauptberuflich “Hartzer” sind und mit ihrer “Sozialkarriere” kokettieren.

Der skandalverliebte Ex-Senator mit SPD-Parteibuch attackierte gleichzeitig aber auch Westerwelle, dem er  durchaus linientreu “geistige Armut” unterstellte. Der Vergleich des Vizekanzlers zwischen staatlichen Leistungen für Langzeitarbeitslose und  “spätrömischer Dekadenz”  sei ein „völlig misslungenes Bild“, das dem Vizekanzler ein „intellektuelles Armutszeugnis ausstelle, so Sarrazin in der SZ.

Protest kam postwendend auch von der designierten Bundesvorsitzende der Partei DIE LINKE, Gesine LÖTZSCH. Sie sagte, es sei “wirklich erschreckend, wie das politische Personal dieser Republik auf den Hund gekommen ist”. Sarrazin und Westerwelle bewegten sich “unterhalb der geistigen Armutsgrenze”.

Die Landesschiedskommission der Berliner SPD beriet  am 1. März  über einen möglichen Parteiausschluss von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin. Die Genossen werfen ihm  “parteischädigendes Verhalten” vor. Auf der Grundlage eines Gutachtens stufen sie Äußerungen Sarrazins über Ausländer in einem Interview als eindeutig rassistisch ein. Das sei mit SPD-Positionen nicht vereinbar und schädige das Ansehen der Partei.

Sarrazi hatte nämlich zuvor in einem Interview mit einem renommierten Literatur-Magazin behauptet,  “eine große Zahl” an Arabern und Türken in der deutschen Hauptstadt Berlin habe  “keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel.” Er müsse niemanden anerkennen, der vom Staat lebt und diesen Staat ablehnt und ständig „neue kleine Kopftuchmädchen produziert”.  Sarrazin:  “Und das gilt für 70 % der türkischen und für 90 % der arabischen Bevölkerung in Berlin.“

Ein Extremismusforscher des Moses-Mendelssohn-Zentrums in Potsdam/Brandenburg  stufte viele Passagen in dem Sarrazin-Interview als „eindeutig rassistisch“ ein.  Diesem “rassistischen Dissidenten” wollen die  Genossen nun Mores lehren.

Wikipedia erinnert uns an das Schicksal von Dissidenten:  So wurden z.B. in der  Sowjetunion Dissidenten  in Arbeitslager oder in die Psychiatrie zwangsweise eingewiesen. Vergleichbare Praktiken werden bis heute unter anderem gegenüber chinesischenn Dissidenten angewandt.  “Dissidenten” widerstehen mutig jeder Kritik und leben und agieren  “abseits von Zeitgeist und Mainstream und unter bewusster Inkaufnahme von persönlichen Nachteilen”. Dafür kommen sie “bei uns” aber Gottseidank nicht in Arbeitslager -man schickt sie coleurlos in die Wüste. Von wegen “freie Meinungsäußerung”!

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