Richard von Weizsäcker verstorben

GiNN-BerlinKontor.—Richard Karl FREIHERR VON WEIZSÄCKER (94) ist am 31.01.2015 in Berlin verstorben. Bundespräsident Joachim GAUCK kondolierte Marianne Freifrau von Weizsäcker zum Tode ihres Mannes, des sechsten Bundespräsidenten (1984-94). 
“Die Nachricht erfüllt mich mit tiefer Trauer. Wir verlieren einen großartigen Menschen und ein herausragendes Staatsoberhaupt. Richard von Weizsäcker hat das Amt des Bundespräsidenten auf bleibende Weise geprägt.

Er war ein Zeuge des Jahrhunderts. Aus der Erfahrung von Krieg und Gewaltherrschaft folgte sein Engagement für ein friedliches und vereintes Europa. Als Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Mitglied des Deutschen Bundestages und Regierender Bürgermeister von Berlin hat er Brücken zu den Nachbarn gebaut. Das gilt in besonderer Weise auch für sein Wirken als Bundespräsident. Er vertiefte die Freundschaft mit den Partnern im Westen und suchte die Verständigung mit den Völkern im Osten. Schon früh sah er in der Überwindung der Spaltung Europas die einzige Möglichkeit zur Überwindung der Spaltung Deutschlands.

Richard von Weizsäcker stand weltweit für ein Deutschland, das seinen Weg in die Mitte der demokratischen Völkerfamilie gefunden hatte. Er stand für eine Bundesrepublik, die sich ihrer Vergangenheit stellt. In seiner großen Rede zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation machte er als Bundespräsident unmissverständlich klar: Der 8. Mai 1945 war ein ‚Tag der Befreiung‘ vom ‚menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft‘. Sein Diktum, dass der 8. Mai nicht vom 30. Januar 1933 zu trennen ist, ist eine nicht revidierbare Grundlage für unser Selbstverständnis und unser Handeln geworden.

Als erster Bundespräsident des vereinten Deutschland hat er einen großen Beitrag zum Zusammenwachsen der Bürgerinnen und Bürger aus Ost und West geleistet. Vielen Menschen hat er in dieser Zeit Halt und Orientierung gegeben. Als Bundespräsident verstand er es, auf Probleme und Missstände aufmerksam zu machen, Debatten anzustoßen und Perspektiven zu eröffnen. Für die meisten Menschen war er eine moralische Instanz.

Richard von Weizsäcker war ein Welt- und Staatsbürger im besten Sinne. Bis ins hohe Alter hat er sich auf nationaler und internationaler Ebene engagiert. Sein Rat war stets begehrt, denn er gründete auf geistiger Unabhängigkeit, intellektueller Weitsicht und einem Sinn für das politisch Machbare.

‚Gute Zukunft braucht klare Erinnerung‘ , das war seine feste Überzeugung. Die Erinnerung zu bewahren und hieraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, waren ihm wichtige Anliegen, gerade auch im Hinblick auf die junge Generation. Es wäre gewiss in seinem Sinne, wenn wir dies als sein Vermächtnis annehmen und in Ehren halten.

Ich bekunde meinen aufrichtigen Respekt und tiefe Dankbarkeit gegenüber einem Mann, dessen Denken und Wirken für uns alle Ansporn und bleibende Verpflichtung sein wird. Richard von Weizsäcker hat sich um unser Land verdient gemacht. Wir werden ihn nicht vergessen.”

Die CDU Deutschlands erklärte:” Die CDU Deutschlands trauert um Altbundespräsident Dr. Richard von Weizsäcker. Ich spreche seiner Ehefrau Marianne von Weizsäcker und der gesamten Familie mein tiefes Mitgefühl aus.

Richard von Weizsäcker war ein Staatsmann ersten Ranges und gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der Bundesrepublik Deutschland. Als Regierender Bürgermeister von Berlin trug er in der vom Eisernen Vorhang geteilten Stadt Verantwortung, nach der Wiedervereinigung setzte er sich als erster gesamtdeutscher Bundespräsident für die Vollendung der inneren Einheit unseres Landes ein. Durch sein Engagement in der Evangelischen Kirche in Deutschland – unter anderem als langjähriger Präsident des Kirchentages – war Richard von Weizsäcker stets ein Vorbild für das glaubwürdige Handeln eines Christen in der Politik.

Mit seiner vielbeachteten Rede von 1985, in der er den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ vom „menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bezeichnete, hat er Geschichte geschrieben. Nach seiner Amtszeit als Bundespräsident mischte sich Richard von Weizsäcker weiter mit nachdenklichen und nachdenkenswerten Beiträgen in aktuelle politische Debatten ein. Bis zuletzt hatte sein Wort großes Gewicht in der deutschen Öffentlichkeit.

Auch um die CDU hat sich Richard von Weizsäcker verdient gemacht: Ab 1971 war er Vorsitzender der CDU-Grundsatzkommission. Diese erarbeitete das erste Grundsatzprogramm „Freiheit, Solidarität, Gerechtigkeit“, welches auf dem Bundesparteitag 1978 in Ludwigshafen verabschiedet wurde. Wir Christdemokraten werden dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren.” (Quellen: bundespraesident.de/cdu.de/

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