Peres:”Einzigartige Freudschaft” Israel -Deutschland

GiNN-BerlinKontor.—Israels Staatspräsident Shimon PERES (86) hat im Deutschen Bundestag am 27.01. zum Gedenktag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Ausschwitz  vor 65 Jahren der jüdischen Opfern des Nationalsozialismus gedacht.  Er wandte sich an die jetzige und kommenden Generationen und sprach die Hoffnung  auf eine  “Welt ohne Kriege und Antisemitismus” aus. „Die Jugend muss sich erinnern, darf nicht vergessen und muss wissen, was geschehen ist“, mahnte Peres, der  Deutschland und die Welt aufgeforderte, die noch lebenden  NS-Verbrecher vor Gericht zu stellen. „Ich bitte Sie, tun sie alles, um diesen Verbrechern ihre gerechte Strafe zu erteilen.“

Überall auf der Welt gebe es immer weniger Überlebende des von den Nazis organisierten Mordes an den Juden, sagte Peres. „Ihre Zahl nimmt täglich ab. Und gleichzeitig leben auf deutschem Boden, in Europa und anderswo auf der Welt noch immer Menschen, die damals dieses schrecklichste Ziel verfolgten: den Völkermord “, so Peres vor dem deutschen Parlament in Berlin.

Peres erinnerte die Menschheit: “Die Juden Europas haben die Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft, Literatur und Kunst dieses Kontinents ungemein bereichert, da sie nach der Vertreibung aus verschiedenen europäischen Ländern zu einem belesenen Nomadenvolk von Handwerkern und mehrsprachigen Kaufleuten wurden. Ein Volk von Ärzten, Schriftstellern, Wissenschaftlern und Künstlern. Ein Volk, das mit Persönlichkeiten gesegnet war, welche die deutsche Kultur, und die Welt im Allgemeinen, bereicherten.”

Weiter führte Peres aus: “Der  Hass der Nazis lässt sich durch reinen  ‘Antisemitismus’  nicht erklären.  Der Antisemitismus ist ein abgedroschener Begriff und keine Erklärung für die mörderische, bestialische Begeisterung, die zwanghafte Entschlossenheit des Nazi-Regimes, die Judenheit auszurotten.   Der eigentliche Zweck des Krieges war doch die Erlangung der Macht über Europa und nicht die Begleichung einer historischen Rechnung mit den Juden.   Und wenn wir Juden in den Augen des Hitler-Regimes eine so bedrohliche Gefahr waren, dann handelte es sich doch bestimmt um keine militärische, sondern eine moralische Bedrohung.  Dabei wurde auch der Glaube geleugnet, dass jeder Mensch im Antlitz Gottes erschaffen ist; dass jeder Mensch vor Gott gleich ist, dass alle Menschen ebenbürtig sind.”

Der israelische Präsident hatte seine Rede auf hebräisch mit einem Gebet  für die sechs Millionen ermordeten Juden begonnen, “die zu Asche wurden”.  Peres sagte, der 27. Januar 1945, der Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, sei zu spät gekommen. “Dieser Tag steht auch für die Tragödie des Versäumnisses.” Die Welt sei so abgelenkt gewesen, dass die Mordmaschine noch Jahre lang habe weiterarbeiten können in den Wirren des Krieges.

Peres unterstrich seine Hoffnung auf ein  “Leben in Frieden auch mit den Nachbarstaaten Israels”.  Er rief die Palästinenser auf, einen  “eigene Staat zu errichten, einen unabhängigen, gedeihenden und friedliebenden Staat.” Israel sei bereit, dafür auf Gebiete zu verzichten.

An die deutsche Regierungschefin richtete Peres die anerkennenden Worte: ” Sie, Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel, haben die Herzen unseres Volkes mit Ihrer Aufrichtigkeit und Wärme erobert.  Sie erklärten vor den beiden Kammern des US-amerikanischen Kongresses: ‘Ein Angriff auf Israel kommt einem Angriff auf Deutschland gleich’.  Diese bewegenden Worte unverbrüchlicher Unterstützung werden wir niemals vergessen.”

Zu den Anfängen nach dem Krieg sagte der israelische Staatschef: “Wir erinnern uns noch gut, wie uns damals, als unsere Wunden noch bluteten, von unerwarteter Seite Hilfe angeboten wurde – nämlich vom neuen Deutschland.  Zwei historische Persönlichkeiten reichten sich über dem Abgrund die Hand: Kanzler Konrad Adenauer, der Vater der demokratischen Bundesrepublik, und David Ben-Gurion, Gründer und erster Ministerpräsident des Staates Israel.”

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte: „Wir Deutschen tragen eine Mitverantwortung für den Staat Israel.“  Wo sein Existenzrecht und seine Sicherheit bedroht sei, „gibt es für uns Deutsche keine Neutralität“.  Mit Blick auf den Iran sagte er, ein atomar bewaffneter Staat in Israels Nachbarschaft, „geführt von einem offen antisemitisch organisierten Regime“ sei nicht nur für Israel unerträglich.  Die Weltgemeinschaft dürfe und wird  “eine solche Bedrohung nicht dulden”.

Lammert sagte weiter, die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel seien “in der Tat keine normalen Beziehungen”, weil das Verhältnis beider Staaten nie normal war und werde.  Doch inzwischen sei eine Freundschaft entstanden, die sich niemand ernsthaft zu erhoffen gewagt habe.  “Für die Demokratie gehört Auseinandersetzung mit dem Holocaust gewissermaßen zu unserer Verfassung.  Zum Existenzrecht Israels  sagte Lammers, vieles sei “verhandelbar, dies nicht”.

Auch Peres hatte in seiner bewegenden Rede erklärt:  “Zwischen Deutschland und Israel hat sich eine einzigartige Freundschaft entwickelt.”

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