Niedergang einer christlichen Partei

GiNN-BerlinnKontor.-–(Kommentar).-–In Nordrhen-Westfalen hat die UNION am 13. Mai ihre 11. Wahl verloren. Hunderttausende ehemalige CDU-Wähler haben sich “verflüchtigt” – sie haben ihre jahrelange Parteitreue aufgekündigt und ihre politische Heimat verlassen. Es gab und gibt jedoch nach wie vor ein großes “bürgerliches”, NICHT-rot-grünes Wählerpotential in Deutschland, das sich aber in den immer größer werdenden Trotzbunker der Wahlverweigerer abgesetzt hat.  40,4 % der wahlberechtigten Bürger gehören dieser nun schon seit Jahren machtvollen, politischen “Partei der NICHT-Wähler” an – sehr viele aus dem so genannten konservativen Lager. Für diese Ex-CDU-Dauerwähler hat “ihre” Union offensichtlich ihre Grundsätze verraten, ihre Glaubwürdigkeit  und  ihre politische wie menschliche Standfestigkeit verloren.

Für diese frühere Wählerklientel mutierte die CDU ganz einfach viel zu sehr nach links. Die UNION wurde – so die Wahrnehmung und Meinung — regelrecht “sozialdemokratisiert”. Zu beobachten war eine  ”Selbsttorpedierung der Partei ” und – für alle sichtbar – ein  ungeschicktes, geradezu dilettantisches Taktieren im Regierungsgeschäft. Gleich zu Beginn der CDU/CSU/FDP-Regierung sah man eine stümperhaft agierende Führungsmanschaft – in Regierung wie in den Fraktionen. Von Koalitionspartnern  FDP und CSU kamen jahrelang rechthaberische  Querschläger – manche notierten folglich eine  nahezu satanische “Lust am Untergang”.

Nach ersten Analysen zur Wählerwanderung flüchteten bei der Landtagswahl in NRW am 13.05.2012 aber auch über 270.000 Ex-CDU-Wähler zur SPD. Das mögliche Motiv für den Sinneswandel: Wenn schon “sozialdemokratisierte Politik”, dann doch gleich das Original wählen, könnten sich viele Bisher-Unionswähler gedacht haben. Laut ARD-DeutschlandTrend gingen über 160 000 Nicht-Wähler zur SPD.

CDU-Wähler hatten – von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl – ihrer Union die Treue gehalten – bis sich Entwicklungen zementierten, die eine nachhaltige Politikerverdrossenheit auslöste. Der weit verbreitete Eindruck: die UNION hat sich in vielen Politiken von dem Linksblock im Deutschen Bundestag SPD-GRÜNE und LINKE – regelrecht  ”vorführen” lassen. Von der absoluten Regierungsmehrheit war kaum etwas zu spüren. Die Öffentlichkeitsarbeit  - bei der CDU schon immer ein Stiefkind – versagte von Anfang an auf ganzer Linie.

Der panikhafte, leichtsinnige Kurswechsel in der Energiepolitik – für CDU-Wähler eine “Kapitulation vor RotGrün” – der von den FDP-Linken immer wieder angestachelte Dissenz um die Vorratsdatenspeicherung im Kampf gegen den Terrorismus und auch die mega-ungeschickte PR-Arbeit im Zusammenhang mit dieser unseligen  ”Herdprämie”  ridikülierten die Regierungsparteien nachhaltig.

Trotzig verkünden dennoch die CDU/FDP-Granden, dass es “nach wie vor ein starkes, bürgerliches Wählerpotential in deutschen Landen” gebe, das es nun gelte,  ”im Schlafzimnmer der Nation wieder aufzuwecken”- möglichst mit neuen Gesichtern und zuverlässigen, überzeugenden , glaubhaften Politikastern. Die Liberalen – sie sehen sich als “Anwälte der vergessenen Mitte” – FDP scheint unter Führung von Christian LINDNER damit begonnen zu haben.

Christian Lindner sagt: auch  Ex-CDU-Wähler sehnen sich nach einer “bürgerlichen FDP” – dann aber doch wohl ohne diese linksliberalen Dauermeckerer im Merkel-Kabinett (“Wir sind der Geist der stets verneint.”).  Nun wollen sie  nochmal versuchen,  das so genannte bürgerliche Wählerpotential zu  mobilisieren. – auch im protestantischen, mehrheitlich heidnischen Osten der wieder vereinten Republik.

Auch diese Ost-und Nord-Gruppe hat die UNION leichtfertig vernachlässigt. Man wollte zwar “unter dem gemeinsamen Kreuz”  ihre Wählerstimmen einheimsen, aber ihre spezifischen Politikmerkmale nicht sehen oder gar anerkennen. Hier  zeigte sich ein erschreckender Mangel an politischer Sensibilität. Denn: dieser protestantische, ehemals “deutsch-nationale, bäuerlich geprägte, monarcho-preußisch orientierte Glaubensstamm” – wollte nicht einfach in die rechtsradikale Ecke gestellt werden. Auch hier gingen viele Stimmen verloren.

Viele “Flüchtlinge” aus dem Osten, die nach dem Ausbruch der Wiedervereinigung in den Westen “auswanderten” – so heißt es – kritisierten zunehmend die “katholische “Dominanz” in den Unionsparteien. Evangelische Unionswähler stellten schon unter CDU-Kanzler Konrad Adenauer fest, dass der Partei ein “allein seligmachendes, katholische Etikett” aufgeprägt wurde. Schon 1999 schrieb Nicco von Mynden: “Nicht so sehr die katholische Dominanz, sondern die Politisierung des christlichen Glaubens, treibt CDU/CSU in ein folgenschweres Dilemma.” Hinzu kam: der “anmaßende Alleinvertretungsanspruch” des Vatikans: “Die römisch-katholische Kirche ist die einzige Kirche Christi!” (aus der Erklärung “Dominus Jesus”). Unverschämte  Aussagen hoher römisch-katholischer Würdenträger wie: “Die evangelische Kirche ist eigentlich keine ‘richtige’ Kirche”  verärgerten nicht-katholische Unions-Wähler zutiefst. Sie fühlten sich – mit Recht – zurück- und abgestossen.

Mich erinnert dies an den “Stoßseufzer” des Erich KÄSTNER: “Da hilft kein Zorn – da hilft kein Spott. Da hilft kein Weinen und kein Beten. Die Nachricht stimmt: Der liebe Gott ist aus der Kirche ausgetreten.”

Aus der CDU ausgetreten sind viel zu viele Wähler, muss die protestantische Parteivorsitzende Angela MERKEL nach dem Niedergang ihrer christlichen Partei in NRW zur Kenntnis nehmen. Ihre Wähler scheinen längst nicht mehr auf der Flucht zu sein, sie sind weg.

Das aber haben Parteienforscher auch schon mal über die SPD vorausgesagt, die angeblich an die Linkspartei “für immer” 10-15 % ihrer Wählerstimmen verloren hatten. Nun scheinen  die Linke-Wähler wieder auf dem Rückweg zur SPD zu sein. Die Genossen der Linkspartei wurden iin NRW vom Wähler wieder aus dem Landtag hinauskatapultiert.
-Ps

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