NATO erhöht Bereitschaft

GiNN-BerlinKontor.—NATO-General Hans-Lothar Domröse hat auf der Handelsblatt- Konferenz „Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie“ am 15. Oktober in Berlin die Maßnahmen der Allianz vor dem Hintergrund der Krise in der Ukraine vorgestellt. Ein Schwerpunkt sei die Verbesserung der Reaktionsfähigkeiten, erklärte der Befehlshaber des NATO-Hauptquartiers im niederländischen Brunssum, Hans -Lothar DOMRÖSE. Der deutsche Vier-Sterne-General hatte im Dezember 2012 den Oberbefehl über das Allied Joint Force Command Brunssum  (COM JFCBS ) übernommen.

Mit der Annexion der Krim durch Russland habe sich die sicherheitspolitische Lage komplett geändert, machte Domröse zu Beginn seines Vortrags deutlich: „40 Jahre ging es aufwärts in der Zusammenarbeit mit Russland und das ist über Nacht weg.“ Jetzt würden vor allem die drei baltischen NATO-Staaten Estland, Lettland und Litauen mit großer Sorge die Situation in der Ukraine beobachten. Die militärische Beistandspflicht und die kollektive Selbstverteidigung stehen wieder im Fokus: „28 für 28, einer für alle – alle für einen“, betonte Domröse.

Mit Rückversicherungsmaßnahmen hat die NATO reagiert. Dazu gehört – neben intensiveren Manövern und Truppenpräsenz nach einem Rotationsprinzip von Luft-, Land-, und Seestreitkräften im östlichen Teil des Bündnisses – das verstärkte Air Policing Baltikum. Auch Deutschland beteiligt sich: Seit Ende August schützen Eurofighter der Luftwaffe gemeinsam mit Kräften aus Portugal, Kanada und den Niederlanden für vier Monate den Luftraum über den baltischen Staaten.

Außerdem haben die Verteidigungsminister Deutschlands, Dänemarks und Polens am 4. September 2014 auf dem NATO-Gipfel in Wales Anfang September eine gemeinsame Erklärung zur Erhöhung des Bereitschaftsgrades des Hauptquartiers des Multinationalen Korps Nordost im polnischen Stettin unterzeichnet. Der Korpsstab wird in die Lage versetzt, Operationen und Übungen noch schneller zu planen. Es soll ein Hauptquartier von Kräften mit hoher Einsatzbereitschaft werden. Die Vorwarnzeit soll sich künftig auf ein bis drei Monate verringern.

Eine weitere Reaktion der NATO auf die Situation in der Ukraine war die Verabschiedung eines Readiness Action Plans durch die Staats- und Regierungschefs des Bündnisses auf dem Gipfeltreffen. Teil dieses Aktionsplans ist die Steigerung der Reaktionsfähigkeit der NATO-Eingreifkräfte. Eine streitkräftegemeinsame NRF-Einheit soll in höchster Bereitschaft aufgestellt werden und innerhalb weniger Tage disloziert werden können, um auf Herausforderungen – insbesondere an der Peripherie der NATO – reagieren zu können.

Diese Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) soll aus einem Landstreitkräftekontingent bestehen, dem auch Luftstreit-, Seestreit- und Spezialkräften zur Verfügung stehen. Für Domröse ist die VJTF „der Porsche unter den Porsches, so schnell und so gut“. Die Truppenstärke werde zwischen 5.000 und 8.000 liegen und „die werden auch kämpfen können“. Die Planungen laufen schon. Domröse erwartet, dass die NATO-Verteidigungsminister beim Frühjahrstreffen im nächsten Jahr die Vorbereitungen diskutieren, vielleicht sogar schon entscheiden können.

Am 31. Dezember endet der ISAF-Einsatz in Afghanistan. „Wir werden völlig verschwinden aus der Fläche“, stellte Domröse klar. Derzeit sind noch rund 40.000 ISAF-Soldaten in Afghanistan stationiert. Für die ISAF-Folgemission Resolute Support ist ein Truppenumfang von insgesamt rund 12.000 Soldatinnen und Soldaten vorgesehen. „Wir sind gut aufgestellt“, sagte Domröse zu den Planungen der NATO-geführten Beratungs- und Unterstützungsmission Resolute Support.

Die NATO ist bestrebt, die Erfahrungen und die guten Kontakte zu den truppenstellenden Nationen aus dem ISAF-Einsatz aufrechtzuerhalten. Gemeinsam mit ihren Partnern „ist die NATO mehr als die NATO“, sagte Domröse. Zeitweise waren rund 50 Nationen an der Mission am Hindukusch beteiligt. „Wir haben eine hohe Interoperabilität geschaffen, wir können gut zusammenarbeiten“, unterstrich der General.

In Wales haben die Verteidigungsminister eine Interoperabilitätsplattform begründet und sind mit 24 Partnern zusammengekommen, die ihr Engagement für eine Stärkung ihrer Interoperabilität mit der NATO bewiesen haben. „Wir haben zusammen gekämpft. Jetzt werden wir uns auf gemeinsame Vorbereitung und Ausbildung konzentrieren“, heißt es in der Gipfelerklärung von Wales.(Quelle:bmvg)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>