Mundell: EZB sollte US-Dollar-Bestände abbauen – Wechselkurs-System “verkommen”

GiNN/BerlinKontor.–Nobelpreisträger Robert MUNDELL erklärte in eiem SPIEGEL Online-Interview, niemand glaube, “dass die europäische Volkswirtschaft stark ist.” Es gebe folglich “keinen guten Grund”, warum der EURO (€) nicht nur gegenüber dem US-Dollar ($), sondern auch zum Yen, dem chinesischen Yuan und dem koreanischen Won steigen sollte.

“Das alles trägt irrationale Züge”, sagte der kanadische Ökonom Mundell, der 1999 den Nobelpreis erhielt. Es zeige, “wie verkommen unser Wechselkurs-System ist”, so Mundell.

“Gerüchte und einige große Player” könnten die Kurse hin und zurück bewegen. Für die Europäer sei der Dollar-Euro-Wechselkurs der wichtigste Preis überhaupt – und der ist reichlich willkürlich.”

Mundell hat wiederholt eine einheitliche “Weltwährung” gefordert – oder zumindest feste Wechselkurse von Yen, Euro und Dollar. Das System der freien Kurse hält er für unberechenbar und schädlich.

Die Europäer sollten sehr wohl besorgt sein, sagte Mundell weiter. Er glaube, dass ein Euro-Kurs von 1,20 Dollar oder weniger wäre viel besser. Die deutsche Autobranche sei schon beeinträchtigt worden.

Mundell: “Wenn der Euro-Kurs so bleibt, wird auch die nächste Touristensaison in Europa schlecht. Es gibt deflationären Druck auf die Preise bestimmter Güter. Obendrein könnte sich der Zustand der Banken verschlechtern, bis hin zu möglichen Konkursen. Bisher sehen wir davon nichts – aber so etwas passiert typischerweise, wenn eine Währung erstarkt. Firmen geraten in Schwierigkeiten und das schadet den Banken.”

Zur Europäischen Zentralbank sagte Mundell, das europäische Zentralbank-System verfüge insgesamt über 400 bis 500 Milliarden US-Dollar Währungs-Reserven. “Die Linie der EZB ist, dass sie diese Reserven nie aktiv einsetzt. Warum hat man sie dann? Jetzt wäre für die EZB ein günstiger Zeitpunkt, um Dollar-Bestände aufzubauen”, so Mundell im SPIEGEL Online-Interview.

EZB-Präsident Jean-Claude TRICHET deutete im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel an, dass die EZB den Leitzins derzeit nicht ändern will – eine Zinserhöhung aber “weiter auf der Tagesordnung” stehe.

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