“Meutejournalismus” und “Affäre Wulff”

GiNN-BerlinKontor.—Bundespräsident Christian WULFF habe den BILD-Artikel  über den Privatkredit für sein Haus in Niedersachsen Mitte Dezember 2011 nicht verhindern, sondern lediglich verschieben wollen, betonte nun auch der Medienanwalt des Bundespräsidenten, Gernot LEHR,  im Deutschlandfunk (09.01.).  Wulffs Motiv für den Anruf beim BILD-Chefredakteur sei auch der “Schutz der Privatsphäre seiner Kreditgeberin” gewesen.

Die SPD setzte inzwischen die Hatz auf den Bundespräsidenten fort und begann bereits das “Fell des Bären zu verteilen, bevor er erlegt ist”. SPD-Vorsitzender Sigmar GABRIEL sagte der FRANKFURTER RUNDSCHAU,  Christian Wulff  habe den “Wert” der Verfassungsinstitution Bundespräsident  “inzwischen in einem Maße  beschädigt, das wir nicht akzeptieren wollen und können.” Bundeskanzlerin Angela MERKEL (CDU) dürfe  dem nicht länger “tatenlos zusehen.”  Gabriel: “Wir brauchen einen Neuanfang”.

Der Kultur- und Medienwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, Norbert BOLZ , brachte es im DLF auf den Punkt.  Er verwies auf die  “Medien in unserer Wirklichkeit, in unserer Welt”, die eine sehr viel größere Rolle spielten als noch vor 20 oder 30 Jahren.  Die Fokussierung der Medien auf  Sensationen und  Skandale sei dem Kampf um Auflage und Quoten geschuldet, so Bolz. Dafür hätten Journalisten  “alle eine sehr genaue Witterung – das lernen sie.”  Man sei loft diesem “Mechanismen schutzlos ausgeliefert” – so auch der Bundespräsident. Christian  Wulff habe es den Journalisten aber auch durch sein “tollpatschiges” Verhalten einfach gemacht, “Jagd auf ihn zu machen”, meint Bolz.

Über “Skandalreporter” urteilt Professor Bolz so: “Statt zu analysieren, statt zu differenzieren, setzt man auf Gefühle, man zeigt Gesichter, man zeigt, wenn man so will, auch die Verzweiflung in den Gesichtern, und das tritt an die Stelle der Argumente und Informationen.”

Mit Blick auf die ARD/ZDF-Interview-”Technik” beim Gespräch mit dem Bundespräsidenten sagt Bolz: “Man hat immer nur wenige Sekunden Zeit – so wie wir in unserem Interview -, und es soll doch ein Bild von der Welt gegeben werden. Das geht nur durch holzschnittartige Verkürzungen, durch Dramatisierungen, und der Skandal ist die Spitzenform dieser Technik.” Es gehe gar nicht anders, als “die Wirklichkeit verzerrt darzustellen”.

Zur Frage, ob es zum Beispiel auch  parteinahen Journalisten zuvorderst um die Wahrheit gehe, unterstrich der Medienwissenschaftler,  wichtiger als die Wahrheit sei immer der “Informationswert”. Natürlich gehe es Journalisten um die Recherche, “wie war es wirklich”, aber vor allen Dingen darum: “was interessiert, was fasziniert die Leser, die Hörer, die Fernsehzuschauer.” Daraus entstehe eine Art ‘Meutejournalismus‘. Bolz: “Es sieht wirklich nach einer Meute aus.”

Auf das “copy & paste”-Verhalten auch von Journalisten meinte Bolz: “Journalisten beobachten andere Journalisten, sie lesen die Zeitungen der anderen, sie schauen sich die Sendungen der anderen an, und das nennt man im Jargon der Wissenschaftler die Ko-Orientierung der Journalisten.” Das heisse, mehr als auf die Welt, in andere Zeitungen und in andere Fernsehsendungen schauen. Das führe zu einer gewissen “autistischen Verblendung in manchen Fällen.” (Quelle: DLF)

Joachim GAUCK: “Die gestörte Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft lähmt die schöpferischen Potenzen unserer Gesellschaft und behindert die Lösung der anstehenden lokalen und globalen Aufgaben. Wir verzetteln uns in übelgelaunter Passivität und hätten doch Wichtigeres zu tun für unser Leben, unser Land und die Menschheit.”

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