Merkel kritisiert Drohungen der Atomindustrie

GiNN-BerlinKontor.—Drohungen der Atomkonzerne  Eon, RWE, EnBW und Vattenfall,  Kraftwerke wegen der Brennelementesteuer notfalls kurzfristig stillzulegen, hat Bundeskanzlerin Angela MERKEL (CDU) durch ihren neuen Sprecher Steffen SEIBERT in Berlin kritisiert. “Wenn Gespräche laufen, ist es nicht hilfreich, wenn irgendwelche Drohgebärden nach außen dringen”.  Die Atomindustrie hat der Regierung angeboten, die Hälfte der möglichen Milliarden-Zusatzgewinne aus längeren Laufzeiten an den Staat abzutreten. Jürgen GROSSMANN, Vorstandschef der RWE, sagte der BILD: “Auf alle Gewinne werden natürlich Steuern gezahlt und zwar nicht zu knapp. Wir schlagen vor, dass wir von den zusätzlichen Gewinnen aus einer Langszeitverlängerung durch die Kernkraftwerke die Hälfte an den Staat abgegeben. Was dann damit geschieht, ist Sache des Staates.”

EON-Chef Johannes TEYSSEN sekundierte: “Eine Brennelementensteuer ist eindeutig nicht der richtige Weg. Das lehnen wir entschieden ab.” Durch eine Laufzeitverlängerung – so EON-Chef Teyssen – erhielten die Unternehmen mehr Geld, das sie in Erneuerbare Energien und andere notwendigen Investitionen stecken könnten.  “Bei einem schnelle Kernkraft-Ausstieg gäbe es  nur Verlierer. Wir sollten eine Entscheidung treffen, die den Standort Deutschland nachhaltig stärkt”, so der E.ON-Vorstandsvorsitzende Teyssen.

Hans-Peter VILLIS (EnBW) erinnerte daran, dass Deutschland ein “Industrieland von Weltrang” sei, das “wettbewerbsfähige Strompreise braucht, um dem internationalen Wettbewerb standhalten zu können”. An der Industrie würden schließlich über  900 000 Arbeitsplätze hängen. Wenn Unternehmen wegen der Energiepreise abwandern müssten,  “sind Jobs und Wohlstand in Gefahr.” Auch Tuomo HATAKKA, Chef von Vattenfall, warnte in BILD, sich das Stromangebot durch einen Kernkraft-Ausstieg “deutlich verknappen und die Preise deutlich nach oben gehen”.

Die Regierung betonte, es gebe noch keine Festlegung bei den AKW-Laufzeiten. Darüber werde im Rahmen des Energiekonzeptes entschieden. Der Merkel-Sprecher sagte in Berlin, Drohgebärden, Ankündigungen und Säbelrasseln brächten die Gespräche nicht voran: “Das dient nicht.”  Seibert wies den Vorwurf zurück, die Bundesregierung lasse sich längere Laufzeiten von den Atombetreibern abkaufen.

Nach Einschätzung der Konzerne sind die deutschen Atommeiler sicher. In vielen Ländern liefen baugleiche Kernkraftwerke 60 Jahre, in Deutschland aber nur 32. “Wir fordern eine satte zweistellige Zahl zusätzlicher Jahre, mindestens aber 15 Jahre”, sagte E.ON-Boss Teyssen.

Bundeskanzlerin Merkel wird sich ab 18. August auf einer Energie-Inforeise  “persönliche Eindrücke” verschaffen. Sie besucht unter anderem  den Bürgerwindpark Ravensberg/ Krempin im Landkreis Bad Doberan, die Nordex Energy GmbH in Rostock, die Strombörse  European Energy Exchange AG in Leipzig und das Atomkraftwerk Emsland in Lingen/Niedersachsen.

2 Gedanken zu “Merkel kritisiert Drohungen der Atomindustrie

  1. Pingback: Hasen Chat Nachrichten Blog » Blog Archive » Bundesregierung trotzt Drohgebärden im Atomstreit – Reuters Deutschland

  2. Pingback: ABC der Infos » Blog Archiv » Welt: A-B-C: … / Technik: ABC …

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>