Luftverkehr-Sicherheit bleibt vorrangig

GiNN-BerlinKontor.—Die Sperrung der deutschen Flughäfen ist wegen der Vulkanasche aus Island erneut bis zum 20.April 2 Uhr  verlängert worden. Bis dahin sind weiterhin keine Starts und Landungen erlaubt. Lufthansa liess jedoch 50 Langstreckenmaschinen starten. Auch Air Berlin nahm den Flugbetrieb teilweise wieder auf. In anderen Ländern Europas kam der Flugverkehr zögerlich wieder in Gang. Der Vulkan unter dem isländischen Eyjafjalla-Gletscher soll an Kraft eingebüsst haben. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schätzt den Gesamtschaden allein für die deutsche Wirtschaft auf mehr als eine Milliarde Euro – pro Tag.

In Berlin hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in enger Absprache mit der Deutschen  Flugsicherung GmbH und dem Deutschen Wetterdienst  entschieden, wegen der Vulkan-Aschewolke in einem großen Teil des deutschen Luftraums den Verkehr auf null zu steuern. Diese Entscheidung war von mehreren Fluggesellschaften kritisiert worden.  Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Sicherheit im Luftverkehr  “für alle Beteiligten an erster Stelle steht”.  Die Entscheidung, in den Lufträumen der 16 internationalen Flughäfen sowie der Regionalflughäfen derzeit keine kontrollierten Flüge stattfinden zu lassen, diene der Sicherheit aller Passagiere. Eine Freigabe des Luftraums könne erst dann erfolgen, wenn gesicherte Informationen vorliegen, dass von der Vulkanasche keine Gefahr mehr für den Luftverkehr ausgeht.

Die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation ICAO hat ein weltweites Netzwerk von insgesamt neun Beratungszentren ins Leben gerufen, die im Falle eines Vulkanausbruchs die Bewegung der Aschewolken verfolgen. Sie werden von einzelnen dafür benannten nationalen Wetterdiensten betrieben. In Europa gibt es zwei solcher Zentren: eines in Toulouse, ein zweites in London. Zuständig im aktuellen Fall ist das “Vulcanic Ash Advisory Centre” in London, das vom britischen Wetterdienst Met Office betrieben wird. Es ist nach ICAO-Vorgabe verpflichtet, alle sechs Stunden seine Prognose zu aktualisieren und an die nationalen Wetterdienste weiterzuleiten. In Deutschland ist dies der Deutsche Wetterdienst, der daraus Flugwetterwarnungen (SIGMETS) aufbereitet. Die Vorhersagen dienen den Piloten zur Vorbereitung der Flüge und den Flugsicherungen zur Entscheidung zur Freigabe von Flügen. Solche Freigaben kann die DFS auf Grundlage der vorliegenden Informationen bis auf weiteres nicht erteilen.

Weiter heißt es in der Stellungnahme des Bundesverkehrsministeriums: Weil ein Vulkanausbruch in dieser Dimension in Europa ein sehr seltenes Ereignis ist, gibt es europaweit kein Messnetz zur Bestimmung der Aschekonzentration für die Luftfahrt. Die Ausbreitungsprognosen der Vulkanasche beruhen auf einem Computermodell, das zahlreiche Faktoren wie die Aktivität des Vulkans oder die Windgeschwindigkeit berücksichtigt. Die Modellberechnungen werden mit zusätzlichen Informationen, z.B. aus Satellitenaufnahmen, abgeglichen und ergänzt. Derzeit sind Messflüge des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Vorbereitung.

Die Sichtflüge, die einzelne Fluggesellschaften seit dem Wochenende absolviert haben, liefern jetzt zusätzliche Informationen zur Aschekonzentration in der Luft. Allerdings sei die Aussagekraft dieser Flüge begrenzt, da die Flugzeuge nur sehr kurz in der Luft waren und nicht über entsprechende Messinstrumente verfügen.  “Wenn an diesen Flugzeugen keine Schäden beobachtet worden sind, lässt dies keinesfalls den Rückschluss zu, die Aschekonzentration im deutschen Luftraum sei für den Luftverkehr ungefährlich”, so das Ministerium in Berlin.

Wegen der außergewöhnlichen Lage in Europa sind Krisenstäbe im Einsatz.  Derzeit ist noch nicht absehbar, wie lange die Verkehrsbeschränkungen in Deutschland noch aufrechterhalten werden müssen. Der isländische Vulkan ist nach wie vor aktiv. Zudem herrscht derzeit eine ungünstige Wetterlage, die den Transport der Aschewolken nach Zentraleuropa wahrscheinlich macht. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Beeinträchtigungen des Luftverkehrs andauern werden. Vorübergehende Verbesserungen oder Verschlechterungen der Lage sind dabei nicht auszuschließen, befürchtet das Bundesverkehrsministerium.

Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Rainer BRÜDERLE (FDP)  erklärte in Hannover:  “Die Aschewolke, die der Vulkan in Island verursacht, beeinträchtigt Wirtschaftsabläufe in erheblichem Ausmaß. Wenn in der globalisierten Wirtschaft Wertschöpfungsketten über einen längeren Zeitraum unterbrochen werden, kommen wir in eine ernste Lage, denn viele unserer Industriezweige hängen vom Transport mit Flugzeugen ab.”

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