GiNN-BerlinKontor.—Die britische Labour-Regierung stützt das wankende Bankensystem mit mindestens 200 Milliarden Pfund Sterling (€ 250 Mrd.) The Bank of England soll weitere € 200 Milliarden in ein Securtiy Liquidity Scheme pumpen. Es handelt sich um die größte Verstaatlichung in der Geschichte Großbritanniens. Die großen Banken des Landes verloren in den letzten Tagen die Hälfte ihres Börsenwertes.
Die Bankinstitute Abbey, Barclays, HBOS, HSBC Bank plc, Lloyds TSB, Nationwide Building Society, Royal Bank of Scotland (RBS) and Standard Chartered hatten die Regierung um Hilfe gebeten. Finanzminister Alistair DARLING verfügte eine sofortige Finanzspritze von 50 Mrd Pfund Sterling.
Der Entscheidung war eine Krisensitzung in Downingstreet 10 vorausgegagngen, an der auch The Bank of England-Gouverneurr Mervyn KING und der Vorsitzende der Financial Services Authority chairman Lord TURNER teilnahmen. Premierminister Gordon BROWN informierte die EU-Kommission; sie muss staatlichen Hilfsprogrammen zustimmen.
Der Handel an den Börsen wurde nach steilen Kursabstürzen in Russland und Frankreich gestoppt. Die Moskauer Hauptbörse setzte nach dramatischen Einbrüchen bis zum 10.10. den Handel aus (Aktienindex MICEX). In Paris sank der Index der 40 wichtigsten französischen Unternehmen (CAC 40) um 8,18 %. Wegen des hohen Verkaufsvolumens wurde daraufhin die Kursberechnung automatisch für 15 Minuten gestoppt, um die Aufträge zu prüfen.
US-Präsident George W. BUSH rief die europäischen Staatsmännern zu einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit bei der Lösung der globalen Finanzkrise auf: “Wir leben in einer globalisierten Welt, wir müssen sicher stellen, dass das, was wir tun, auch eine Wirkung zeigt”, so der amerikanische Präsident, der Ende des Jahres aus dem Amt scheidet.
Den Finanzwerten in USA droht neuer Gegenwind: die US-Börsenaufsicht SEC will das Verbot von Leerverkäufen aufheben.
Der Deutsche Aktienindex DAX gab am 08.10. zunächst mehr als 8 % nach und fiel auf 4870 Punkte. Das war der tiefste Stand seit drei Jahren. Es kam zu “panikartigen Verkäufen”. Die Tokio-Börse erlebte ihren schlimmsten “Crash” seit 1987. Der Nikkei-Index brach zwischenzeitlich um 9,4 % ein.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet weltweit mit US-$ 1,4 Billionen (!) Verlusten durch Kreditgeschäfte und Anlagen, die aus den USA stammen. Im April 2008 hatte der IWF die Verluste als Folge der Finanzkrise auf “nur” US-$ 945 Milliarden Dollar geschätzt. Der Höhepunkt der Kreditausfälle stehe noch bevor.
Der Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems erinnert an den “Black Thursday” vom 24. Oktober 1929, als die amerikanischen Börse zusammenbrach und die Große Depression auslöste. “Wir befinden uns in der schlimmsten Finnzkrise seit 1929″, so der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack OBAMA. Gelder, die in den Jahren davor in andere Volkswirtschaften investiert worden waren, wurden damals überstürzt abgezogen. In vielen europäischen Staaten und in anderen Staaten der Welt löste dieser Kreditabzug schwerste wirtschaftliche Krisenerscheinungen aus.
Der größte Crash der Nachkriegszeit fand jedoch vor 21 Jahren – am Freitag, den 19. Oktober 1987 – statt. An der amerikanischen Börse in New York stürzte der Dow-Jones-Index an diesem Tag um 22,6 % ab. Der deutsche verlor mehr als 9 %. Der Crash war fast doppelt so stark wie der am 28. Oktober 1929. Der Tag ging als “Schwarzer Freitag” in die Geschichte ein.
In Deutschland wurde der Börsenkrach 1929 Mit-Ursache und Beginn des National-Sozialismus und des “staatlichen Antisemitismus”, weil man die “jüdische Hochfinanz” für den Zerfall der Systeme verantwortlich machte.
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