Kommandant der “Gorch Fock” abgelöst

GiNN-BerlinKontor.—Der Kommandant des Segelschulschiffs “Gorch Fock”, Norbert Schatz, ist seines Postens enthoben worden. Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel SCHIMPF, teilte Schatz  seine Entlassung telefonisch mit, meldet die ARD. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor FREIHERR ZU GUTTENBERG (CDU) hatte zuvor den Inspekteur der Marine aufgefordert, dem Kommandanten der “Gorch FOCK” seine Ablösung mitzuteilen.

Das Ausbildungsschiff der deutschen Marine kehrt unter Führung des vorherigen Kommandanten, Kapitän zur See Michael BRÜHN,   erst im Februar nach Deutschland zurück. Es liegt derzeit noch im Hafen von Ushuaia (Argentinien). Von Montevideo/Uruguay aus hatte das Schiff am 14.01. noch das Kap Horn umsegelt -  bei Windstärke 11.   Die “Gorch Fock” nahm als “Botschafter in Blau” an den 200-Jahr-Feierlichkeiten der Unabhängigkeit Argentiniens und Uruguays von Spanien teil. Eine Untersuchungskommisssion soll nun vorort die Vorfälle an Bord  der “Gorch Fock”- vor allem die so genannte Meuterei – von einigen Marinesoldaten untersuchen.

Verteidigungsminister zu Guttenberg sagte der Bild am Sonntag (23.01.) ,  die “Gorch Fock” werde vorerst nicht mehr eingesetzt. Es werde zudem geprüft,  inwieweit  das Schiff  der Bundesmarine  als “Ausbildungsschiff und Botschafterin Deutschlands auf den Weltmeeren Zukunft hat”, so Guttenberg in der BamS.

Wie gemeldet, sollen es nach dem tödlichen Unfall der Offiziersanwärterin im November einige Kadetten an Bord abgelehnt haben,  in die Takelage zu steigen. Sie sollen sich angeblich dem Befehl des Kommandanten widersetzt haben. Der Wehrbeauftragten Hellmut KÖNIGSHAUS (FDP) hatte die “Meuterei ” an Bord des Schulschiffes öffentlich gemacht.  In einem Schreiben an Königshaus sollen zudem Vorfälle wie   “sexuelle Belästigung, psychischem Druck und Drohungen gegen Offiziersanwärter”  geschildert worden sein. Die Marine  geht nun einem Verdacht der “Aufhetzung der Mannschaft gegen die Schiffsführung” nach.

Der Pressestabsoffizier Achim WINKLER dementierte, es habe an Bord des Schiffes  k e i n e  “Meuterei”  gegeben habe.  Winkler, der sich an Bord der “Gorch Fock” befand, sagte, der Begriff “Meuterei” sei  “völlig falsch und überzogen“, so der Fregattenkapitän gegenüber dpa. “Meuterei” bedeute, dass  “die ganze Besatzung auf die Barrikaden gehe”. Dies sei jedoch nach dem tödlichen Unfall an Bord nicht der Fall gewesen.

Nach dem deutschen Wehrstrafgesetz ist  “Meuterei”  beim Militär, wenn sich Soldaten  “zusammenrotten” und eine gemeinschaftlich begangene Gehorsamsverweigerung , eine Bedrohung, Nötigung  oder einen tätlichen Angriff gegen einen Vorgesetzten durchführen. Auch der Versuch und die Verabredung  zur “Meuterei” ist strafbar. Das Strafmass liegt zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, bei schweren Fällen (Gefahr für die Sicherheit, die Schlagkraft der Truppe, Leib oder Leben) ist eine Freiheitsstrafe zwischen einem und 10 Jahren möglich. Österreichs Militärstrafgesetz bedroht Meuterei sogar mit 5-10 Jahren Gefängnis.

Im ARD-Mittagsmagazin erhob die Mutter der verunglückten Offiziersanwärterin schwere Vorwürfe gegen den Kommandanten der “Gorch Fock” und gegen die Führung der Bundesmarine. Über die Umstände des Todes ihrer Tochter sei sie nicht informiert worden, behauptete sie: “Ich weiß nichts und ich klage jetzt an”, sagte sie auch der Deister- und Weserzeitung.  Sie sei den Kameraden  an Bord der “Gorch Fock” ihrer Tochter “dankbar, dass sie den Mut gehabt hätten,  “sich aufzulehnen gegen das, was da auf dem Schiff alles passiert ist”. Sie forderte die Marine auf,  dass “der Kommandant Schatz seinen Hut nimmt und die ‘Gorch Fock’ eingemottet wird”, sagte die Mutter der verunglückten Kadettin.

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen ist die Matrosin nicht  “unter Druck” gesetzt worden. Der Kieler Oberstaatsanwalt Bernd WUNTERFELDT sagte im ZDF, die junge Frau sei eine “hochmotivierte Offiziersanwärterin und eine erfahrene Marinesoldatin” gewesen. Sie habe bereits eine Unteroffizierskarriere bei der Marine hinter sich gehabt und sei auf einer Fregatte der Bundesmarine stationiert gewesen. Der zuständigen Staatsanwaltschaft in Kiel läge kein Hinweis auf eine  “strafrechtliche Nötigungshandlung”  vor. Nach bisherigem Stand der Ermittlungen habe die Soldatin “beim Runterklettern vom Grossmast den Halt verloren”.

Der Wehrbeauftragte Königshaus liess unterdessen 60 Offiziersanwärter in Flensburg befragen, die von  “enormen Spannungen an Bord”  des Schiffes nach dem tödlichen Sturz der Kadettin sprachen. Nachdem Vorfall hätten sich einige Offiziersanwärter geweigert, dem Befehl, in die Masten zu klettern, zu folgen.   Eine Verpflichtung dazu gibt es angeblich jedoch nicht. “Wegen Aufhetzung der Mannschaft gegen die Schiffsführung” soll danach vier Offiziersanwärtern geraten worden sein, ihren Dienst bei der Marine zu quittieren.

An Bord der “Gorck Fock” war es bereits zu mehreren Unfällen gekommen:  Am 17. September 1998 verunglückte ein Offizieranwärter auf See nordwestlich von Skagen durch einen Sturz von der Groß-Obermars.tödlich. Im Mai 2002 starb ein Kadett auf See südöstlich von Island nach einem Sturz vom Großmast. Am 4. September 2008 ging eine Offiziersanwärterin nahe der Insel Norderney über Bord und ertrank. Ihre Leiche wurde 11 Tage später  vor Helgoland geborgen Während eines Hafenaufenthalts in Salvador da Bahia (Brasilien) starb schließlich am 7. November 2010 eine Offiziersanwärterin nach einem Sturz vom Großmast aus 27 m Höhe.

Die “Gorch Fock” hat nach Mitteilung der Marine bisher 741.106 Seemeilen zurückgelegt, 439 Häfen wurden angelaufen und über 60 Länder  besucht. Sie  wurde am 17. Dezember 1958  in Dienst gestellt. Das Schulschiff untersteht der Marineschule Mürwik.  Heimathafen ist Kiel.

Ein Gedanke zu “Kommandant der “Gorch Fock” abgelöst

  1. Wie im Spiegel zu lesen ist, fordert die Mutter der Soldatin, die auf der Gorch Fock auf das Deck fiel den Rücktritt des Kapitäns. So traurig das alles ist und der Schmerz sicher nachvollziehbar ist, soll man doch nicht vergessen, dass die Soldatin nicht den Beruf einer Altenpflegerin gewählt hat, sondern den einer Soldatin. Also der Tot schon von berufswegen allgegenwärtig ist. In den vergangenen zwölf Jahren habe es auf dem Schiff immerhin sechs Tote gegeben. Also war das kein Einzelfall gewesen. Aber der Minister ist wohl auch ein Getriebener, öffentlichkeitswirksam hat der jetzt den Kapitän abgesetzt. Da hat sich jemand sehr schnell ein Urteil gebildet.

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