Kabul:Militäroperationen nur noch mit Afghanen

GiNN-BerlinKontor.—Alle militärischen Operationen und Aufklärungsmaßnahmen der Streitkräfte in Afghanistan werden ab sofort nur noch gemeinsam mit afghanischen Sicherheitskräften durchgeführt. Der Oberkommandierende in Afghanistan, US-General David  H. PETRAEUS,  übergab diese neue “taktische Direktive”  an alle Truppenkommandeure der NATO-geführten Internationalen Afghanistan-Unterstützungskräfte (ISAF).  Afghanische Offiziere und Truppenteile sollen künftig in  a l l e  militärischen Planungen und Durchführung von Operationen einbezogen werden. Der General begründete seinen Befehl damit, dass die einheimischen Afghanen in der Armee und bei der Polizei die Kultur, ihre Sitten und Geflogenheiten beim Umgang mit ihren Landleute  – auch die der “war lords” – weitaus besser einschätzen und beurteilten könnten, als die Koalitionsstreitkräfte. Mit dieser Maßnahme hofft die US-amerikanische Militärführung auch die Opfer unter der Zivilbevölkerung zu “minimieren”. Afghanische Soldaten und Truppenführer würden mit mehr Verständnis und Sensibilität auf die “örtlichen Umstände und Usansen” reagieren, sagte Petraeus.

Viele Zivilopfer – so das US-Verteidigungsminsterium -  seien vor allem wegen offensichtlicher “Mißverständnisse und Fehleinschätzungen vorort” zu beklagen. General Petraeus glaubt zudem, dass durch diesen “partnerschaftlichen Akt” die Afghanen  “schneller und besser” auf selbstständige Verteidigungsbereitschaft und  eigene Kampffähigkeit vorbereitet und eingestellt werden könnten.

Der Befehl “Nur noch mit Afghanen”  findet nicht bei allen ISAF-Kommandeuren Zustimmung.  In Kabul heißt es, viele von ihnen vermuteten “Doppelagenten”  und  “under cover Taliban” in den Reihen der Kabuler Militär- und Polizeispitze könnten/würden militärische Vorhaben wie strategische Offensivplanungen und Einatzbefehle vorzeitig an die Taliban verraten.

Zur Erinnerung: Der UNO-Sicherheitsrat hatte am 12.09.2001 die radikal-islamischen Angriffe auf die USA in seiner Resolution 1368 als „Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit“ manifestiert. Zudem wurde auf das „naturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung, das in der Charta der Vereinten Nationen anerkannt wird“  verwiesen. Die Anschläge des 11. September  wurden als  “bewaffneter Angriff im Sinne von Art. 39,51 UN-Charta”  bezeichnet.

Den Vereinigten Staaten von Amerika  wurde also durch die Weltorganisation UNO das Recht auf Selbstverteidigung implizit zugesprochen. Nach Auffassung der USA und anderer Regierungen – auch die der Bundesrepublik Deutschland -  wurde mit dieser Formulierung und dem direkten Verweis auf das in Artikel 51 der UN0-Charta festgeschriebene Recht auf Selbstverteidigung die “Operation Enduring Freedom” durch den Weltsicherheitsrat als ein  “Akt der Selbstverteidigung der USA”  gegen den von Afghanistan aus geplanten Angriff gewertet und damit völkerrechtlich legitimiert.

In Afghanistan fielen nach Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums (“Pentagon”) bisher 1 109 Amerikaner, 895 werden vermisst. Im Irak-Krieg verloren die USA bisher 4 404 Soldaten, 3.480 GIs werden vermisst. (Stand 04.08.2010)

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