John F. Kerry in Berlin

Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von US-Außenminister John F. KERRY auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter STEINMEIER an der Mauer-Gedenkstätte in Berlin am 22. Oktober 2014. Quelle: US-Botschaft-Amerika-Dienst

“Vielen Dank, mein Freund. Vielen herzlichen Dank, Frank. Es ist mir eine große Ehre, hier zu sein. Ich bin sehr dankbar für deine Partnerschaft, deine persönliche Freundschaft, die Führungsstärke Deutschlands und insbesondere für die Initiative, die du als Außenminister in einer ganzen Reihe von Bereichen ergriffen hast. Wir in den Vereinigten Staaten wissen die bedeutende Rolle, die Deutschland in diesen Zeiten übernimmt, sehr zu schätzen.

Die Vereinigten Staaten und Deutschland haben eine lange Geschichte der Zusammenarbeit beim Kampf um Freiheit, Frieden und Wohlstand. Ich freue mich sehr, heute hier zu sein und mein Engagement für unsere Beziehungen mit Deutschland zu bekräftigen. Wir freuen uns, weiter auf unserer langen Geschichte aufzubauen.

Außerdem möchte ich Ihnen sagen, wie bewegend es für mich ist, hier vor dieser Mauer zu stehen, in dieser Stadt, in diesem Augenblick. Es ist nicht nur etwas ganz Besonderes, 25 Jahre nach dem Mauerfall und was er symbolisierte, hier zu sein. Diese Stadt hat, wie Frank schon in seiner Einführung erwähnte, auch eine persönliche Bedeutung für mich. Die Zeit, die ich als Kind hier verbracht habe, als mein Vater im auswärtigen Dienst war, hat mich sehr geprägt. Als ich hier wohnte, war ein vereinigtes Deutschland noch Jahrzehnte entfernt. Ich war damals 12 Jahre alt und sehr neugierig auf Ostberlin, daher habe ich die Privilegien meines Diplomatenpasses eines Tages ausgenutzt und bin mit dem Fahrrad über den Checkpoint nach Ostberlin gefahren.

Obwohl ich noch ein Kind war, habe ich den Unterschied bemerkt. Ich habe ihn gespürt. Ich konnte ihn erkennen. Es hat mir so viel Angst gemacht, dass ich relativ schnell umkehrte und zurück in den amerikanischen Sektor fuhr. Es war der Unterschied zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Licht und Dunkelheit. Man erkannte ihn daran, wie wenig Menschen auf der Straße waren, an der Farbe der Kleidung, an der Atmosphäre. Und natürlich war es der Unterschied zwischen Freiheit und Unterdrückung, zwischen Menschen, die die Chance hatten, etwas aus ihrem Leben zu machen, und Menschen, denen diese Chance verweigert wurde.Ich hatte eben die Gelegenheit, durch die Mauergedenkstätte und ins Niemandsland zu gehen, wo Menschen ihr Leben ließen eine Kluft, die wesentlich größer war als die Distanz in Fuß, Yards oder Metern.

Einige der jungen Menschen, mit denen ich heute die Mauergedenkstätte besucht habe, waren ungefähr im gleichen Alter wie ich, als ich damals, als ich hier lebte, aber sie wurden alle in eine Welt nach dem Kalten Krieg geboren. Sie hatten also alle die Chance, in einem vereinten, friedlichen und wohlhabenden Deutschland aufzuwachsen. Für mich war dies die perfekte Art und Weise, den 25. Jahrestag des Mauerfalls, wenn auch ein wenig frühzeitig, zu begehen.

Ich hatte eben die Gelegenheit, durch die Mauergedenkstätte und ins Niemandsland zu gehen, wo Menschen ihr Leben ließen eine Kluft, die wesentlich größer war als die Distanz in Fuß, Yards oder Metern. Einige der jungen Menschen, mit denen ich heute die Mauergedenkstätte besucht habe, waren ungefähr im gleichen Alter wie ich, als ich damals, als ich hier lebte, aber sie wurden alle in eine Welt nach dem Kalten Krieg geboren. Sie hatten also alle die Chance, in einem vereinten, friedlichen und wohlhabenden Deutschland aufzuwachsen. Für mich war dies die perfekte Art und Weise, den 25. Jahrestag des Mauerfalls, wenn auch ein wenig frühzeitig, zu begehen.

Heute stehen Teile der Mauer in jedem Teil der Erde, und auch in einigen Städten in den Vereinigten Staaten. Sie stehen in Südkorea. Sie stehen in Argentinien, Spanien, Luxemburg, Bulgarien, Südafrika, Italien, Kanada, Australien. Wirklich, Teile der Mauer und alles, wofür sie und ihr Fall stehen, finden sich in Ländern auf der ganzen Welt und

Sie steht also auch hier, um uns an den Kampf zu erinnern, der hier vor 25 Jahren stattfand, und um uns daran zu erinnern, dass die Freiheiten, die die Menschen in Ländern wie Deutschland und den Vereinigten Staaten heute genießen – ihre politische Führung frei zu wählen, abweichende Meinungen zu äußern, zu kritisieren, zu sagen, was sie möchten, alle Chancen zu nutzen, die sie nutzen wollen – in zu vielen Teilen der Welt noch in Gefahr sind. Sogar hier in Europa.

Die Aggressionen Russlands gegenüber der Ukraine müssen aufhören. Deshalb haben wir eng mit Deutschland zusammengearbeitet: mit der Kanzlerin, deren Führungsstärke wir sehr schätzen, mit Außenminister Steinmeier, der eine diplomatische Initiative nach der anderen ergriffen hat, um eine friedliche Lösung zu finden. Wir sind dankbar für ihre Führungsstärke und ihre Partnerschaft. Wie gesagt, wir hoffen, dass Russland, mit dem wir keinen Konflikt wollen und viel lieber zusammenarbeiten würden, um die Probleme dieser Welt zu lösen — wir hoffen, dass Russland begreifen wird, wie ernst die Welt es nimmt, wenn die Souveränität und Unabhängigkeit einer Nation angegriffen wird.

Zugleich sind die Vereinigten Staaten auch sehr dankbar für die deutschen Bemühungen um eine diplomatische Lösung, für die Treffen mit Präsident Putin und mit Präsident Poroschenko in Mailand. Gemeinsam arbeiten die Vereinigten Staaten, Deutschland und ihre Partner daran, sicherzustellen, dass das Protokoll von Minsk vollständig umgesetzt wird.

Auch für die Anstrengungen der NATO, ein geeintes, freies und friedliches Europa zu schaffen, war Deutschlands Führungsstärke wichtig. Tatsächlich reicht die deutsch-amerikanische Kooperation über die Grenzen Europas hinaus, und wir schätzen Deutschlands Unterstützung bei den globalen Bestrebungen, die IS-Terrormiliz zu bekämpfen und schließlich zu besiegen. Deutschland hat hierfür maßgebliche militärische und humanitäre Unterstützung geleistet. Auch in den andauernden Verhandlungen mit Iran schätzen wir die Unterstützung Deutschlands. Wir beraten uns regelmäßig dazu und Deutschland ist ein wichtiges Mitglied der P5+1-Gruppe. Natürlich sind wir Ihnen auch für Ihre Unterstützung im Kampf gegen Ebola und für ein besseres Weltgesundheitssystem dankbar. Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, alle Anstrengungen im Kampf gegen Ebola zu intensivieren, und wir fordern unsere internationalen Partner auf, dasselbe zu tun. Wir danken Deutschland besonders sowohl für die bisher geleisteten finanziellen Beiträge als auch für eigene Pläne, medizinische Evakuierungsfähigkeiten aufzubauen.

Ich denke, man kann mit Sicherheit sagen, dass Berlin in vielerlei Hinsicht Symbol der transatlantischen Beziehungen geworden ist. Was hier vor 25 Jahren und im Laufe vieler weiterer Jahre geschah, — und ich freue mich über Franks Dankbarkeit gegenüber den Amerikanern, denn wir sind stolz darauf, mit freiheitsliebenden Menschen zusammengestanden zu haben— all das erinnert uns daran, was wir gemeinsam schaffen können. Wie die jungen Leute, die eben bei uns waren, sagten, erinnert es uns auch daran, was Menschen schaffen können, nicht die Regierung, sondern was Menschen mit Mut und Entschlossenheit erreichen können.

Also lassen Sie mich noch einmal Außenminister Steinmeier, Kanzlerin Merkel und Deutschland für die lang anhaltende Freundschaft und Partnerschaft danken. Wir freuen uns auf viele weitere Jahre der Zusammenarbeit. Vielen Dank.” (Quelle: AD)

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