IfW:Vollkaskoversicherung zur EURO-Rettung

GiNN-BerlinKontor.—Das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW) empfiehlt eine  “Vollkaskoversicherung zur EURO-Rettung für problematische Staatsanleihen”.Die Schuldenkrise im EURO-Raum habe  sich in den vergangenen Wochen nochmals deutlich zugespitzt. Bei Andauern dieser Lage drohe ein “Kollaps des Anleihemarktes” für einige Länder, der zu schwersten Turbulenzen auf den Finanzmärkten führen könnte. Um die Krise zu stoppen, würden derzeit zwei Alternativen diskutiert: die Einführung von EURO-Bonds und der Anleiheaufkauf durch die Europäische Zentralbank (EZB) in großem Umfang. Der IfW-Haushaltsexperte Jens BOYSEN-HOGREFE schlägt eine “überlegene Alternative” vor: Eine verbindliche Versicherung für Staatsanleihen im Euroraum, die im Ernstfall auf die Liquidität der EZB zurückgreifen kann.

“Bei einer solchen Versicherung würden die Schuldensünder mittelfristig ihre Bail-Outs selbst finanzieren. Die so kritische Verzahnung zwischen Staats- und Bankenpleiten würde aufgebrochen werden, so der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Weltwirtschaft.

Der Vorschlag in Stichworten
•     Schaffung einer obligatorischen öffentlichen Versicherung für Staatsanleihen im Euroraum.
•     Alle Neuemissionen werden ab sofort versichert.
•     Die Versicherung ist nicht getrennt von der Staatsanleihe handelbar.
•     Banken und andere Finanzinstitute müssen, sofern sie diese Staatsanleihen halten, die Versicherung nachweisen.
•     Die Versicherung ist eine Institution der EU.
•     Die EZB soll, sofern das Kapital der Versicherung aufgezehrt ist, Einlagen bei der Versicherung halten.
•     Das Kapital der Versicherung wird weitestgehend bei der EZB eingelegt.
•     Mittel, die für den ESM bereitgestellt werden sollen, können in das Kapital der Versicherung einfließen.
•     Versicherungsprämien variieren zwischen 0,25 und 3,5 % je nach Annäherung an die Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspakts.
•     Neben Bruttoschuldenstand und Defizit werden bei der Ermittlung der Prämien Aspekte wie die Existenz nationaler Schuldenregeln und die Verlässlichkeit des Schuldendienstes berücksichtigt.
•     Den Basistarif erhalten nur Länder, die die Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspakts exakt erfüllen, eine Schuldenregel in der Verfassung haben und alle Altschulden bedienen.
•     Prämien werden basierend auf Daten eines Durchschnitts aus drei Vorjahren berechnet, was einer Prozyklizität der Prämien vorbeugen soll.
•     Bei wiederholtem Verstoß gegen Vorgaben der Europäischen Kommission zur Haushaltssanierung kann zusätzlich der Wegfall des Versicherungsschutzes eintreten.
•     Ratings für Staatsanleihen der teilnehmenden Länder werden unnötig.
•     Versicherte Staatsanleihen müssen von Banken und anderen Finanzinstituten nicht mit Eigenkapital hinterlegt werden. Diese Marktakteure sollten dann zu den ersten gehören, die den Käuferstreik durchbrechen.
•     Neben der neu zu schaffenden Versicherungsanstalt sollte zeitgleich ein europäischer Bankenrettungsfonds geschaffen werden, der unabhängig von den Nationalstaaten auf Weisung der Europäischen Finanzaufsicht Banken zwangsrekapitalisieren kann. Dieser ist im Zusammenhang mit Staatsanleihen vorübergehend notwendig, um den Fall abzusichern, dass ein Land den Versicherungsschutz verliert, aber noch viele unbesicherte Altschulden in den Büchern der Banken liegen.” (Quelle: Kiel Institute for the World Economy)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>