IfW-Prognose: Hochkonjunktur

GiNN-BerlinKontor.—-Nach der Frühjahrsprognose des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel “lebt Deutschland derzeit auf der Sonnenseite der Konjunktur”, so Prof. Dr. Stefan KOOTHS, Leiter des IfW-Prognosezentrums. Demnach nimmt die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,8 %t zu; im nächsten Jahr dürfte die Expansion mit 2 % noch etwas stärker sein.

Laut IfW wird die Konjunktur in der ersten Hälfte des Prognosezeitraums maßgeblich durch Konsumausgaben und Wohnungsbauinvestitionen der privaten Haushalte stimuliert. Weiter heißt es: Anders als zuweilen diskutiert, sind die niedrigen Inflationsraten kein Hemmschuh, sondern ihrerseits ein Treiber der privaten Konsumausgaben. Sie erhöhen das real verfügbare Einkommen und tragen neben der robusten Arbeitsmarktlage und den deutlich höheren Sozialleistungen dazu bei, dass die privaten Konsumausgaben mit einer Rate von 2,% so kräftig steigen dürften wie seit 1992 nicht mehr. Im nächsten Jahr dürften die Unternehmensinvestitionen zur zweiten Säule des Aufschwungs erstarkt sein.

Die Erwerbstätigkeit steigt weiter, die Arbeitslosigkeit ist derzeit so niedrig wie noch nie im vereinten Deutschland und wie sonst nirgends in der Europäischen Union (EU). „Die Arbeitslosigkeit dürfte im Prognosezeitraum spürbar sinken, wir erwarten für die Quote der registrierten Arbeitslosen Werte von 6,4 % (2015) und 6,1 % (2016)”, so Kooths.

Die öffentlichen Haushalte dürften in beiden Jahren des Prognosezeitraums mit Überschüssen abschließen. Trotz des kräftigen konjunkturellen Aufwindes werden diese aber nicht größer, sondern dürften in beiden Jahren bei 0,3 % der Wirtschaftsleistung verharren (gegenüber 0,6 % im Vorjahr). Das ist insbesondere vor dem Hintergrund extrem niedriger Zinsen kein Ausweis ehrgeiziger Finanzpolitik.

Weil das nominale Bruttoinlandsprodukt kräftig expandiert und auch weil die Portfolien der „Bad Banks” weiter reduziert werden, dürfte die Schuldenrelation im nächsten Jahr mit 67 % in die Nähe des Maastricht-Kriteriums rücken (im Jahr 2014 betrug sie noch 74%).

Das IfW weiter: Im nächsten Jahr gerät die deutsche Wirtschaft mehr und mehr an die Schwelle zur merklichen Überdehnung ihrer Kapazitäten. „Eine solche Überdehnung, die mittelfristig in die Überhitzung führen kann, stellt eine stabilisierungspolitische Zielverfehlung dar, der man idealerweise nicht erst begegnen sollte, wenn sie bereits eingetreten ist”, so Stefan Kooths.

Jeder Boom ist seiner Natur nach nicht nachhaltig und muss früher oder später durch eine Anpassungsrezession korrigiert werden – im Durchschnitt aus Boom und Anpassungsrezession stellt sich eine Volkswirtschaft schlechter als bei einer stetigeren Entwicklung. Das mit einem Boom einhergehende Risiko ist für Deutschland derzeit besonders ausgeprägt, da das anhaltende Niedrigzinsumfeld die Fehlverwendung von Kapital besonders wahrscheinlich macht. So sind an den Immobilienmärkten bereits mancherorts Übertreibungen zu erkennen.

Die Konjunktur auch im EURO-Raum hat sich weiter gefestigt. Das Tempo des Aufschwungs wird allerdings vorerst moderat bleiben. Im Jahr 2015 dürfte der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts 1,3 %. Im Jahr 2016 wird die gesamtwirtschaftliche Produktion voraussichtlich um 1,7 % zulegen.

Die Inflationsrate wird nach 0,4 % im vergangenen Jahr 2015 wohl nur stagnieren, 2016 mit 1,1 % etwas kräftiger zulegen. Der Anstieg der Beschäftigung hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres beschleunigt. Die Erholung wird sich im Prognosezeitraum weiter fortsetzen. Die Arbeitslosenquote wird im Durchschnitt des Jahres 2015 wohl auf 11,1 % sinken. Im Durchschnitt des Jahres 2016 erwarten wir, dass 10,5 %t der Erwerbspersonen ohne Arbeit sein werden.

Die Konsolidierung der Staatsfinanzen ist im Jahr 2014 zu einem vorläufigen Ende gekommen. Im Prognosezeitraum wird die Verbesserung des Defizits wohl im Wesentlichen auf die allmähliche Belebung der Konjunktur sowie niedrigere Zinsausgaben zurückzuführen sein. Im Euroraum dürfte das zusammengefasste Budgetdefizit im Jahr 2015 von 2,5 % auf 2,3 % in Relation zum Bruttoinlandsprodukt zurückgehen. (Quelle: ifw-kiel.de)

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