IfW: Einheitliches EU-Regelwerk

GiNN-BerlinKontor.—Die Krise des EURO-Mitgliedslandes Zypern zeigt nach Ansicht von Professor Dennis SNOWER, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, dass Europa dringend ein einheitliches Regelwerk zur Krisenbewältigung und -prävention braucht. Zugleich müsse die Europäische Zentralbank (EZB) endlich einheitliche Kriterien für die Solvenz eines Landes definieren.

„Es muss klar geregelt sein, welche Maßnahmen im Fall einer Insolvenz eines Landes greifen. Es darf keine Teilbereiche und individuellen Regelungen für einzelne Euro-Mitglieder mehr geben“, fordert Snower. „Nur wenn es Regeln gibt, die für alle gelten, kann Vertrauen entstehen. Und Vertrauen ist essentiell, um die finanzielle Ansteckungsgefahr zu mindern.“

Zuallererst müsse eine Rückbesinnung auf die etablierte Hierarchie der Sicherheiten stattfinden: „Bankeinlagen müssen am sichersten sein und bis zu einer bestimmten Summe garantiert werden“, so der Ökonom. Dann folgen Anleihen und schließlich Aktien. „Allein der Versuch der Europäischen Union, diese Hierarchie umzukehren, Aktionäre und Anleihengläubiger weitgehend unbehelligt zu lassen und stattdessen die Bankkunden zu belasten, hat riesige Unsicherheit erzeugt“, kritisiert Snower. „Glücklicherweise haben sich die Zyprer diesem EU-Diktat nicht unterworfen und lassen Bankguthaben bis zu einer Summe von 100.000 Euro nun unangetastet.“

Um Krisen wie auf Zypern künftig zu vermeiden, sollten systemrelevante Finanzinstitutionen in der gesamten Euro-Zone Schulden nur noch in Form so genannter „Contingent Convertibles“ (Coco-Bonds) aufnehmen dürfen, fordert der IfW-Präsident. Derartige Pflichtwandelanleihen würden automatisch in Aktien umgewandelt, sobald die betroffenen Finanzinstitute die in den Basel-III-Kriterien definierten Eigenkapitalanforderungen nicht mehr erfüllen. Auf diese Weise werden die Risikokosten von den Eigentümern – also den Aktionären – getragen. Denn die Umwandlung der Anleihen in Aktien würde natürlich eine Verwässerung des Wertes der schon vorhandenen Aktien nach sich ziehen.

Einerseits wäre so gewährleistet, dass große Finanzinstitute, deren Pleite gesamtwirtschaftliche Probleme erzeugen und damit eine Gefahr für die staatliche Solvenz bedeuten würde, nicht mehr scheitern können. Außerdem hätten auch die Institutionen selbst einen starken Anreiz, exzessive Schulden zu vermeiden – denn die Aktionäre würden Druck auf das Management ausüben, eine Verwässerung des Aktienkurses unter allen Umständen zu vermeiden. Snower: „Hätten die zyprischen Banken ihre Schulden in Form von Coco-Bonds aufgenommen, wären sie gar nicht erst in die jetzige Schieflage geraten.“ (Quelle: ifw-kiel.de)

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