Hochtief wehrt sich – Takeovers Panel angerufen

GiNN-BerlinKontor.—Die HOCHTIEF AG – Deutschlands größter Baukonzern – wehrt sich nach wie vor gegen die Übernahme durch den spanischen Großaktionär Actividades de Construcción y Servicios S.A. (ACS). Hochtief will ACS dazu zwingen, ein eigenes Kaufangebot für die australische Tochter Leighton Holding Ltd. vorzulegen.  Die Leighton Holdings Ltd hat die australischen Behörden im Hinblick auf das unerwünschte Übernahmeangebot für ihren Mehrheitseigner Hochtief durch den spanischen Baukonzern ASC gebeten, die Rechte ihrer Minderheitsaktionäre zu schützen. Hochtief ist mit rund 55% an Leighton beteiligt. Sollte ACS eine Offerte für den Minderheitsanteil vorlegen, solle es sich um ein vollfinanziertes Barangebot inklusive Aufschlag handeln müssen.  Der deutsche Baukonzern will nun den Takeovers Panel in Australien anrufen.

Das Takeovers Panel ist das maßgebliche Gremium in Australien bei Entscheidungen im Zusammenhang mit Übernahmeangeboten. Es setzt sich aus insgesamt 54 Mitgliedern aus Anwaltskanzleien. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Banken und Unternehmen zusammen. Von diesen werden drei Personen ausgewählt, um über den Antrag von HOCHTIEF zu entscheiden.

Dazu erklärte HOCHTIEF, mit der Entscheidung der australischen Wertpapieraufsicht (Australian Securities and Investments Commission, ASIC), die Verpflichtung des spanischen Bauunternehmens ACS (Actividades de Construcción y Servicios) zu einem Übernahmeangebot für Leighton Holdings Ltd. nicht selbst auszusprechen, könne dies nunmehr durch das australische Takeovers Panel erfolgen.

Hochtief-Vorstandsvorsitzender Herbert LÜTKESTRATÖTTER  war am 16. September 2010 von dem ACS-Übernahmeangebot für das gesamte Aktienkapital von HOCHTIEF  “überrascht” worden. Vonseiten der ACS  habe Hochtief bisher “stets gegenteilige Aussagen erhalten”.

Lütkestratkötter versicherte den Kunden und Aktionären, Hochtief sei  “ein äußerst erfolgreicher Konzern mit einer wertorientierten Strategie. Wir sind solide aufgestellt, langfristig finanziert und in den wichtigsten Wachstumsregionen der Welt vertreten. Unser Auftragsbestand liegt auf Rekordhöhe und sichert uns rechnerisch eine Auftragsreichweite von 24 Monaten. Und wir liefern kontinuierlich Erfolge: Wir haben unseren Gewinn in den vergangenen Jahren stetig gesteigert. Wir haben gerade erst die Prognose erneut angehoben. Mittelfristig peilen wir ein Ergebnis vor Steuern von einer Milliarde €uro an.”

Michael KNIPPER,  Hauptgeschäftsführer vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB). erklärte in Berlin, sollte Hochtief tatsächlich an den spanischen Baukonzern ACS gehen, gebe es mit Bilfinger Berger nur noch einen von Deutschland aus geführten Baukonzern von internationalem Format. “Und das ist eindeutig zu wenig für eine Wirtschaftsmacht wie die Bundesrepublik.”

In DIE WELT (27.09.) sagte Knipper, der Markt in Spanien  sei “alles andere als offen”.  Deutsche Unternehmen, die dort Fuß fassen wolten, seien “immer wieder rausgedrängt worden. Die Märkte dort seien  “regelrecht abgeschottet, auch der Baumarkt”, so Knipper.  Der über EU-Mittel massiv finanzierte Infrastrukturausbau in Spanien habe einige Großkonzerne entstehen lassen, die in den vergangenen 10 bis 15 Jahren enorme Gewinne erwirtschaftet hätten. Die aber seien nicht auf eine besondere Wettbewerbsfähigkeit, Qualität oder Innovationskraft zurückzuführen, sondern allein auf ein  “enges Zusammenspiel mit der Politik”. Jetzt nutze man  “diese fragwürdig erworbene Größe und Finanzkraft aus, um weltweit einzukaufen.”

Während sich die großen Anbieter aus Ländern wie Spanien und Frankreich auf starke Inlandsgeschäfte stützen könnten, fehle den deutschen Unternehmen eine solche Basis und damit eine stetige Grundauslastung. Die Politik müsse endlich begreifen, dass “eine starke Bauwirtschaft auch regelmäßige Großprojekte braucht”. Aber statt dringend notwendige Bauinvestitionen zu tätigen, würden Projekte sogar eher noch gestrichen, sagte Knipper der WELT. Nahezu jedes große Projekt werde trotz erteilter Genehmigung nochmals in Frage gestellt und  “mit Bürgerbewegungen oder politischen Machtspielen bekämpft”.

Mit Blick auf den derzeit heftig umkämpfte Bahnhofsbau “Stuttgart 21″ sagte Knipper,  Bundeskanzler Gerhard Schröder(SPD) und  Verkehrs – und Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hätten  das Projekt Stuttgart 21 über Jahre hinweg vorangetrieben. “Und jetzt stellt sich SPD-Chef Sigmar GABRIEL  hin und wettert aus purem Populismus dagegen”, kritisierte Knipper. Es sei eine “fatale Entwicklung, wenn man sich hierzulande nicht mal mehr auf das Baurecht verlassen kann”.

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