Hochqualifizierte Ausländer meiden Deutschland

GiNN-BerlinKontor.—Nach einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat Deutschland an Anziehungskraft  für hochqualifizierte Einwanderer verloren. Im  “Wettbewerb um die besten Köpfe in Europa”  war die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren nicht in der Lage, die Auswanderung hochqualifizierter Erwerbstätiger in andere EU-Staaten durch die Einwanderung ähnlich qualifizierter Personen aus anderen EU-Staaten zu kompensieren. Es sei ungewiss, ob die Öffnung des Arbeitsmarkts für die osteuropäischen EU-12-Länder in 2011 die Situation in Deutschland grundlegend verändern werde. Der in der Studie erstmals belegte negative Wanderungssaldo für hochqualifizierte Erwerbstätige im europäischen Vergleich unterstreiche die Notwendigkeit einer neuen Einwanderungspolitik in Deutschland.

“Wir brauchen einen Perspektivwechsel bei der Zuwanderung”, betonte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung  Günter THIELEN. Deutschland müsse “attraktiver werden für Hochqualifizierte. Wir können uns dabei an erfolgreichen Einwanderungsgesellschaften orientieren und das Beste aus den unterschiedlichen Systemen der Zuwanderungssteuerung übernehmen”, so Thielen  Die Bertelsmann Stiftung werde hierzu Vorschläge erarbeiten. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssten ein großes Interesse daran haben, die besten Köpfe aus aller Welt anzuziehen und ihnen interessante Perspektiven zu bieten. Empfohlen wird  eine Kombination der zum Beipsiel in Kanada oder Großbritannien praktizierten Modelle, die vor allem auf die Qualifikation der Zuwanderer setzen, mit Modellen wie in Schweden, die sich enger am Arbeitsmarkt orientieren.

Im Zeitraum zwischen 2005 und 2009 wanderten im jährlichen Durchschnitt etwa 40.000 Führungskräfte und Wissenschaftler aus Deutschland in die EU-15-Staaten aus, während mit 38.500 Einwanderern dieser Berufsqualifikation eine etwas niedrigere Einwanderung zu verzeichnen war. Durchschnittlich verließen im Jahr also 1.500 hochqualifizierte Erwerbstätige mehr das Land als Personen mit diesem Profil einwanderten. Damit steht Deutschland – früher ein Magnet für Einwanderung in Europa -  im Mittelfeld des europäischen Wettbewerbs um die besten Köpfe. Inzwischen sind Schweden, Spanien, Österreich, Großbritannien und Belgien vorbeigezogen. Die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass sich  “Deutschland, wenige Jahre nachdem es sich offiziell erstmals als Einwanderungsland bekannt hat, faktisch vom Einwanderungsland verabschiedet. Die Möglichkeiten, der zunehmenden internationalen Migration deutscher Hochqualifizierter im Kontext einer sich globalisierenden Weltwirtschaft und eines sich weiter internationalisierenden Arbeitsmarkts und Bildungssystems entgegenzuwirken, sind begrenzt.”

In Deutschland leben derzeit rund 15 Millionen Menschen aus anderen Ländern – beziehungsweise deren hier geborene Nachkommen. Fast 20 % aller Einwohner haben also einen so genannten Migrationshintergrund. Die größte Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund sind die fast 4 Millionen Aussiedler aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Die Türkischstämmigen bilden mit fast 3 Millionen Menschen  die zweitgrößte Gruppe.  Sie machen Deutschland zur europäischen Nation mit den meisten Migranten, so eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung . Weil die Kinderzahlen unter Migranten höher sind als die der einheimischen Deutschen, wächst der Anteil dieser Gruppen – selbst, wenn es  keine weitere Zuwanderung gäbe.

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