Guttenbergs Doktorväter rechtfertigen sich

GiNN-BerlinKontor.–-Zum Promotionsverfahren der Universität Bayreuth (2002-2006) beim Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor FREIHERR ZU GUTTENBERG (CSU) haben die für seine Dissertation verantwortlichen Doktorväter – die Jura-Professoren Peter Häberle und  Rudolf Streinz  (als Zweitprüfer) -  am 7.März 2011 eine  “Rechtfertigungserklärung” abgegeben. Wir dokumentieren diese Stellungnahme, in der die Prüfungsprofessoren Guttenbergs bedauern, dass im Internet damals die “Plagiat-Software keineswegs so weit entwickelt war wie heute”.  Zur Zeit ihrer wissenschaftlichen Zuständigkeit sei eine “Überprüfung von Dissertationen mit technischen Mitteln 2006  (noch) nicht üblich gewesen.”

Die Guttenberg-Benoter erklären fast fünf Jahre nach der Promotion des CSU-Poilitikers: „Bei allen über einen langen Zeitraum sich erstreckenden Promotionsverfahren entwickelt sich beidseitig aufgrund des damit einhergehenden Diskurses zwischen Doktorvater und Doktoranden ein intensives Vertrauensverhältnis. Daher gehen der Doktorvater (hier: Prof. Häberle) und andere an dem Promotionsverfahren Beteiligte – wie insbesondere der Zweitgutachter (hier: Prof. Streinz) – von der Beachtung der Regeln wissenschaftlichen Arbeitens durch den für seine Arbeit insoweit allein verantwortlichen Doktoranden aus.

Dies galt auch und insbesondere im Fall der hier betroffenen Arbeit über „Verfassung und Verfassungsvertrag – Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“, da Herr zu Guttenberg nicht nur bereits im Vorfeld des Promotionsverfahren bei Prof. Häberle ein Seminar besuchte hatte, sondern – wie es üblich ist – die Fortschritte der Arbeit regelmäßig und intensiv mit seinem Doktorvater diskutierte und diskutieren konnte.

Ohne Kenntnis der vorgeworfenen Plagiate zeichnete sich die Arbeit (Red: Guttenbergs) aus durch einen hohen Grad der Durchdringung des Themas in allen seinen Facetten, nicht nur rein rechtlich, sondern wie oft in von Prof. Häberle betreuten Arbeiten durch die Einbeziehung kultureller Hintergründe der rechtlichen Entwicklungen.

Das Kapitel über den Gottesbezug etwa griff eine damals aktuelle Diskussion des Verfassungsvertrags der EU auf. Anzumerken ist hierbei, dass der Doktorand auch in der mündlichen Prüfung (Rigorosum) auf intensive Fragen zu Methodik und Inhalt der Arbeit souverän antwortete und sich jeglicher Diskussion stellen konnte.

In der Diskussion über die Arbeit sollte man sich stets vor Augen halten, dass die Überprüfung von Dissertationen mit technischen Mitteln 2006 nicht üblich war und bis heute verbreitet nicht üblich ist. Zudem war die Erkennung von Plagiaten 2006 mit den seinerzeit vorhandenen technischen Mitteln kaum möglich. Plagiat-Software sowie auch andere Methoden waren damals keineswegs so weit entwickelt wie heute.

Selbst Google wies noch nicht die fein justierte Suchmethode wie heute auf. Speziell juristische Arbeiten einbeziehende Programme bedürfen noch heute der Weiterentwicklung. Im Interesse aller Beteiligten dürften künftig entsprechende technische Vorprüfungen auch bei Dissertationen vorzuschalten sein.

Zur Aufgabe des Zweitgutachters ist anzumerken, dass er – ohne Diskurs mit dem Doktoranden – die bereits fertig erstellte Arbeit zu prüfen hat. Das hierzu ebenso vorliegende Erstgutachten des Doktorvaters (Prof. Häberle) zeigt dabei auf, was vom Doktoranden erwartet wurde und inwieweit er diese speziellen Erwartungen erfüllte. Vorliegend würdigte Prof. Streinz dem Profil eines Zweitgutachters entsprechend die Arbeit im Ganzen und befasste sich insbesondere mit den spezifisch europarechtlichen Aspekten der Arbeit.

Dies vorangestellt ging die Bewertung der Dissertation mit summa cum laude seinerzeit von einer Leistung aus, bei der die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens beachtet sind. Verstöße dagegen führen – wie erfolgt – hier zur „Disqualifikation“ mit der Folge, dass der Doktortitel entzogen werden musste.” (Quelle: Uni Bayreuth)


BerlinKontor hatte gemeldet: Wie in Berlin verlautet, könnte die reichlich verspätete, aber deutlich negative Stellungnahme seines Doktorvaters  Minister Guttenberg endgültig bewogen haben, vom Amt des Minister zurückzutreten.  Der inzwischen emiritierte, international hoch angesehene Professor Dr. Dr. hc. mult. Peter HÄBERLE (77), der von 2002 bis 2006  Guttenbergs Dissertation  Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU  von Anfang an ‘betreute’,  war/ist  dann wohl mitverantwortlich dafür, dass  die Guttenberg-Arbeit durch die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität  Bayreuth angenommen und 2006 mit der Bestnote summa cum laude  (lat.: mit höchstem Lob, hervorragende Leistung also: exzellent) bewertet wurde.  Auch die mündliche Prüfung unter Leitung Häberles hatte “candidus” Guttenberg mit der Höchstbewertung  1 + absolviert.

Als laut SZ das “Plagiat feststand” und die Uni Bayreuth Guttenberg auf dessen Antrag den Doktortitel wieder entzog, war das für Professor Häberle  “eine Katastrophe – eine persönliche Demütigung, eine Beleidigung, ja Verwüstung seines Lebenswerkes”, stöhnte die Süddeutsche Zeitung.

Der Suchmaschinen-unkundige Häberle beeilte sich, von seinem Ex-Doktoranden abzurücken. ”Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel. Sie widersprechen dem, was ich als gute wissenschaftliche Praxis seit Jahrzehnten vorzuleben und auch gegenüber meinen Doktoranden zu vermitteln bemüht war”, so Häberle in einer Presseerklärung.

Zuvor hatte Häberle noch apodiktisch erklärt:Der Vorwurf ist absurd, die Dr.-Arbeit (Red.:Gutenbergs) ist kein Plagiat. Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert. Herr zu Guttenberg war einer meiner besten Seminaristen und Doktoranden.” (BILD)

Als der Professor des Öffentliches Rechts schließlich erheblich verspätet “mit großem Bedauern” erkannt hatte, dass auch der “Ruf der Universität Bayreuth in Misskredit” geraten sei, sprach er von einer  „ersten spontanen und letztlich zu vorschnellen Reaktion“, deren Ausmaß er  “ohne Detailkenntnis zunächst nicht habe absehen können”. (n. Die Welt)

Nun wissen wir: Ohne Google-Plagiat-Check ist eine Promotion an deutschen Hochschulen vermutlich nicht mehr möglich. Promotionskandidaten und bereits “summa-magna-cum laude-rite-be(ver-)urteilte Doctores aller Bundesländer – zieht Euch warm an! Nicht “die Wissenschaft”, sondern das Internet  “promoviert” Euch künftig – oder auch nicht!?

Ein Gedanke zu “Guttenbergs Doktorväter rechtfertigen sich

  1. Alle Doktorarbeiten,der letzten 15Jahre neu bewerten, aber bitte mit derselben Sorgfalt wie bei Herrn Dr.Freiherr zu Guttenberg. Mir kommt es vor ,dass die Prüfung mit der Küchenwaage beurteilt wurde,viel Papier=viel Gewicht =Prüfung bestanden gez.?. .Häberle u.Streinz..Wer ist der Schuldige?????? gez.A.Gr.

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