Guttenberg und sein Doktorgrad

GiNN-BerlinKontor.—-Die Doktorarbeit des Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor FREIHERR ZU GUTTENBERG mit dem Titel  “Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU” ist ins Fadenkreuz geraten. Die Regierungsparteien sind überzeugt, dass das “Department for Dirty Tricks der Vereinigten Linken” den populären, bundesweit hoch angesehenen CSU-Politikers gezielt desavouieren will. Professor Andreas FISCHER-LESCANO (38),  der an der Universität Bremen Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht lehrt, hatte bei einer “Routineprüfung” der Doktor-Arbeit des fränkischen Barons mit dem Franz-Josef Strauß-Parteibuch festgestellt, dass Guttenbergs Dissertationsschrift  “ein dreistes Plagiat” und “eine Täuschung” ist, sagte der Professor der Süddeutschen Zeitung.

Der Bremer Professor der Rechtswissenschaften ist angeblich  “Vertrauensdozent” der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung und soll auch für die Linkspartei gearbeitet haben. Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian SCHMIDT (CSU),  sprach von einer “Kampagne” und nannte die Plagiatsvorwürfe  “ungehörig”. Er verwies darauf, dass Fischer-Lescano  “dem linken Spektrum”  zuzuordnen sei. Der Bremer Jurist sitze im Kuratorium der linken Denkfabrik  “Institut Solidarische Moderne e.V. (ISM), dem unter anderen die stellvertretende Linke-Chefin Katja KIPPING und die hessische SPD-Landtagsabgeordnete Andrea YPSILANTI angehörten. Schmidt sprach von der “kommunistischen Ypsilanti-Initiative”. Für die ISM ist  “Turbokapitalismus und Postdemokratie  Konturen des real existierenden Neoliberalismus”.

CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter FRIEDRICH  sagte vor der Presse in Berlin,  dem Staatsverständnis des italienischen Kommunistenführers Antonio GRAMSCI habe Fischer-Lescano ein ganzes Buch gewidmet und für DIE LINKE  im Deutschen Bundestag ein “Rechtsgutachten” geschrieben, wie eine militärische Nutzung von Flughäfen gerichtlich unterbunden werden könne. Friedrich: “Dieser Angriff  (auf Guttenberg) aus der linken Szene ist nichts weiter als eine politische Sauerei.”

Zu Guttenberg erklärte: “Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus. Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen. Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung.”

Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth, wo Guttenberg 2009 promoviert wurde, forderte den CSU-Minister auf, binnen 14 Tage zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und zu erklären, wieso  Passagen seiner Dissertation ohne Quellenangabe veröffentlicht wurden. Guttenberg selbst will zunächst auf sein Doktorat verzichten. Guttenbergs “Doktorvater”, der inzwischen emeritierte , Professor Peter HÄBERLE,  sagte in BILD: “Der Vorwurf ist absurd, die Arbeit ist kein Plagiat. Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert. Herr zu Guttenberg war einer meiner besten Seminaristen und Doktoranden.”

Deutsche Universitäten verleihen den akademischen Grad eines “Doktor der…”, wenn der Kandidat oder oder die Kandidatin die  “Fähigkeit zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten schriftlich und mündlich nachgewiesen hat.” In der Promotionsurkunde heißt es dann zum Beispiel: “Die Fakultät der Universität ….verleiht unter dem Rektorat  des Ordentlichen Professors der……und durch ihren Dekan … dem Kandidaten der …..(Name)  nachdem er/sie in einem ordnungsmäßigen Promotionsverfahren durch die Disssertation “……” und durch eine mündliche Prüfung seine wissenschaftliche Befähigung erwiesen hat TITEL – RECHTE und WÜRDE eines Doktors der…..”.  Fachhochschulen besitzen übrigens kein Promotionsrecht. Die “Professoren” einer FH führen in der Regel nur den Titel “Prof”. Viele Politker und Politikerinnen haben sie ihn “erdient”.
Der verliehene, vollakademische Doktorgrad kann gemäß den Promotionsordnungen vieler Fakultäten entzogen werden, wenn der Titelträger  “straffällig” geworden ist oder sich aus sonstigen Gründen als der Führung des Doktorgrades unwürdig erwiesen hat. Dazu ist im Regelfall ein qualifizierter Mehrheitsbeschluss des zuständigen Promotionsausschusses erforderlich. Dies kann geschehen auch bei  “eklatantem, wissenschaftlichen Fehlverhalten“ (Fälschung, Plagiat), wobei nicht vollständig geklärt ist, wann dies zutrifft.

Das deutsche Strafgesetzbuch regelt in § 132a Missbrauch von Titeln oder Berufsbezeichnungen. Wer zum Beispiel unbefugt akademische Grade oder Titel  führt, kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden.

Der Doktorgrad ist kein Bestandteil des bürgerlich-rechtlichen Namens wie etwa  Adelstitel oder Adelsbezeichnungen. Der „Doktor“ ist also ein akademischer Grad, kein „Titel“, heißt es bei Wikipedia.  Der Doktorgrad kann als einziger akademischer Grad in einen deutschen Pass oder Personalausweis eingetragen werden. Das deutsche Personalausweisgesetz sowie das Passgesetz (§ 1 und § 4) behandeln den Doktorgrad aber ebenfalls nicht als Namenszusatz, da in diesem Fall eine spezifische Regelung nicht notwendig gewesen wäre. Zu beachten ist, dass der Doktorgrad nach Vorlage der Promotionsurkunde nur in der fachunbezogenen Bezeichnung DR (ohne Punkt) eingetragen wird.

Um diese beiden Buchstaben vor seinen Namen zu setzen, entwickelte sich in den letzten 30 Jahren ein schwungvoller Titel-Handel. Auch Bundestagsabgeordnete “besorgten” sich einen “phony” akademischen Titel bei dubiosen Universitäten in der Schweiz, in Osteuropa oder in Asien, obwohl sie nie eine Universität von innen gesehen haben.  Solche “Grade” dürfen nicht in den Ausweis eingetragen werden. Einige legten sich in ihren Lebensläufen im “Kürschner”, dem “Volkshandbuch” der MdBs, ein “Abitur” zu oder zumindest ein Leutnant-”Patent”. Wer sich übrigens mit einem falschen Doktorgrad für eine Stelle bewirbt, gilt als “Betrüger”.

Der Soziologe und Elitenforscher Professor Michael HARTMANN  meint, das „Sozialprestige eines Doktortitels“  sei  immer noch relativ hoch. Der Doktortitel sei zwar nicht mehr unbedingt zwingend, um zu einer Elite zu gehören, doch er runde das „vermeintlich makellose Gesamtbild ab“ und helfe durchaus bei der persönlichen Karriere. Insbesondere „in Berufen, in denen man auch repräsentieren muss, bringt es durchaus etwas, sich promovieren zu lassen“.

Debora WEBER-WULFF (“Plagiate und gute Wissenschaftliche Praxis”), Professorin für Internationale Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin  fordert, den Doktortitel nicht mehr als Namensbestandteil zuzulassen. Fast ein Drittel der bei ihr eingereichten Dissertationen und Diplomarbeiten seien zumindest in Teilen „abgekupfert” worden  – nach dem Muster “copy and paste”, so die gebürtige Amerikanerin.

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gab vor der Presse in Berlin am 18.02. folgende Erklärung ab:
“Für diese Stellungnahme bedurfte es keiner Aufforderung und sie gab es auch nicht. Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. Sie ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevoller Kleinstarbeit entstanden und sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.

Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht. Sollte sich jemand hierdurch oder durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1300 Fußnoten und 475 Seiten verletzt fühlen, so tut mir das aufrichtig leid. Die eingehende Prüfung und Gewichtung dieser Fehler obliegt jetzt der Universität Bayreuth.

Ich werde selbstverständlich aktiv mithelfen festzustellen, inwiefern darin ein wissenschaftliches, ich betone ein wissenschaftliches Fehlverhalten liegen könnte. Und ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten, allerdings nur bis dahin, anschließend würde ich ihn wieder führen.

Ich werde mir keine anderen Maßstäbe anlegen, als ich bei anderen angesetzt hätte. Jede weitere Kommunikation über das Thema werde ich von nun an ausschließlich mit der Universität Bayreuth führen. Die Menschen in diesem Land erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere und das kann ich auch. Wir stehen vor einer historischen Bundeswehrreform. Und ich trage die Verantwortung für die Soldaten im Einsatz, wie ein Ereignis an dem heutigen Tag einmal mehr auf bittere Weise zeigt.” (BMVtg)

Der CSU-Vorsitzende Horst SEEHOFER erklärt: „Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit seiner heutigen Erklärung eine sehr respektable Haltung gezeigt. Es muss jetzt Schluss sein mit den öffentlichen Anwürfen gegen den Bundesverteidigungsminister. Wer jetzt noch weiter Vorverurteilung betreibt, dem geht es nicht um eine Sache, sondern schlicht um eine Kampagne. Der tragische Tod eines deutschen Soldaten in Afghanistan sollte für alle auch der Anlass sein, die Gewichtung innerhalb der politischen Diskussion wieder zurecht zu rücken. Karl-Theodor zu Guttenberg hat die volle Solidarität und Unterstützung seiner Partei und seines Parteivorsitzenden.”  (CDU-Pressedienst)

Die SPD forderte den Rücktrittt des Verteidigungsministers zu Guttenber. (SPD-BT-Fraktion).

Ein Gedanke zu “Guttenberg und sein Doktorgrad

  1. “Department for Dirty Tricks der Vereinigten Linken”, “Vertrauensdozent der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung”, “für die Linkspartei gearbeitet”, “Kampagne”, “ungehörig”, “kommunistischen Ypsilanti-Initiative”, “dem Staatsverständnis des italienischen Kommunistenführers Antonio GRAMSCI habe Fischer-Lescano ein ganzes Buch gewidmet” usw.

    Ich fasse mal zusammen: Dem Kritiker Fischer-Lescano kann man in der Sache keinen Fehler nachweisen. Wäre auch schwierig, sind doch bei http://de.guttenplag.wikia.com/ bereits mehr als 100 (!!) nicht ausgeweisenen Zitate in G.s Arbeit gefunden worden.
    Aber der Kritiker ist ein Linker, und in der Verzweiflung kann man noch ein paar Antilinke Vorwürfe krachen lassen. Das interessiert angesichts der dramatischen Glaubwürdigkeitskrise niemanden so recht und macht den offenbaren Betrug auch nicht wett. Aber versuchen kann man es ja mal.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>