Graumann:”Jeder Tag ist ein Holocaust-Gedenktag”

GiNN-BerlinKontor.---Am 27.01.1945 – vor 66 Jahren – wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit. Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus.  Das  “KZ Auschwitz“ wurde zum Symbol für den Holocaust. Von mehr als 5,6 Millionen von den Nazis Ermordeten wurden 1,1 Millionen Menschen – darunter eine Million Juden – in Birkenau getötet. Bundespräsident Christian WULFF nahm gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Bronislaw KOMOROWSKI an einer Gedenkverstaltung in Auswitz teil.  “Jede Generation muss sich den Fragen erneut stellen, die Auschwitz aufwirft. Wie konnte es zu einem solchen Zivilisationsbruch kommen? Wie können wir verhindern, dass sich solche Verbrechen wiederholen?”, sagte Wulff vor seiner Abreise nach Polen.

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages in der Bundesrepublik Deutschland erklärte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Dieter GRAUMANN in der ARD-Tagesschau: “Wir sind aufgewachsen mit den Geschichten aus dem Holocaust. All das, was unsere Eltern erlebt und erlitten haben, all die Traumata – das ist in unser Fleisch und Blut übergegangen. Es liegt daher nun an uns, die Erinnerung weiter zu tragen. Aber wir brauchen Menschen, die das interessiert, die zuhören wollen, damit man das überhaupt verstehen kann.”

Graumann betonte, die Juden wollten sich jedoch  “nicht nur in der Opferrolle sehen, sondern ich wünsche mir ein frisches, putzmunteres Judentum, das sich auf seine Stärken besinnt, auf die Ansammlung von positiven Werten und Traditionen. Ich wünsche mir ein lebendiges Judentum inmitten einer freiheitlichen Gesellschaft, die sich gründet auf gemeinsam akzeptierte Regeln von Toleranz, Respekt und Freiheit.”

Man werde sich – so Graumann -  “natürlich immer an die Shoah erinnern. Wir Juden haben ein gutes Gedächtnis, wir erinnern uns heute noch an Ereignisse, die 3000 Jahre zurückliegen. Da werden wir nicht vergessen, dass erst vor einigen Jahrzehnten sechs Millionen jüdische Menschen ermordet wurden. So gesehen, und ohne jede Schuldzuweisung an die Menschen im Deutschland von heute: Für uns ist jeder Tag im Jahr Holocaust-Gedenktag.”

Mit Blick auf die rechtsradikale NPD forderte der Vorsitzende des Zentralrates der Juden erenut ein Verbot dieser anti.semitischen Partei. Unsere Demokratie – so Graumann – solle soll das nicht aushalten müssen. “Wir sollten entschlossen an einem erneuten NPD-Verbotsverfahren arbeiten. Es ist nicht hinnehmbar, dass die NPD Steuermittel, Parlamente sowie den Anschein der Legalität nutzt und dabei missbraucht. Damit können sich vielleicht andere abfinden, ich kann es nicht.”

Graumann sagte weiter in dem ARD-Interview: “Ein ordentlicher Faschist muss Juden hassen, und zwar alle auf einmal, sonst ist er einfach nicht glücklich. Das ist die Seele des Faschismus. Bei anderen Gruppen muss man differenzieren. Natürlich ist es legitim, die konkrete Politik der israelischen Regierung zu kritisieren. Das geschieht in Israel auch ständig. Dort wird sehr leidenschaftlich diskutiert. Auch wer in Deutschland israelische Politik leidenschaftlich ablehnt, ist damit noch längst nicht Antisemit. Es gibt aber einen Unterschied zwischen konkreter Kritik und einer Feindschaft, die sich dadurch zeigt, dass man Israel die Existenzberechtigung abspricht. Oder dadurch, dass man alle Juden auf der Welt gleich in Generalhaftung nimmt für alles, was einem an Israel nicht gefällt, von geschmacklosen Nazi-Vergleichen ganz abgesehen. Wer sich derart äußert, der hat die Schwelle zum Antisemitismus überschritten.”

Grauman kritisierte scharf das “islamo-faschistische System in Teheran”, das den Holocaust bis heute noch laut leugne und den jüdischen Staat auslöschen wolle. “Darüber werden wir leidenschaftlich reden. Aber wir müssen auch ein modernes Bild vom Judentum transportieren.”

Der Deutsche Bundestag gedachte der Opfer des Nationalsozialismus und legte ein besonderes Augenmerk auf die Verfolgung der Sinti und Roma in Hitler-Deutschland.  In welch schrecklichem Ausmaß auch Angehörige dieses Volkes verfolgt worden seien, sei lange Zeit außerhalb des öffentlichen Bewusstseins geblieben, sagte Bundestagspräsident Norbert LAMMERT (CDU).”Umso wichtiger ist es, dass wir uns an sie erinnern.”

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