Geldpolitik der USA zu expansiv

GiNN-BerlinKontor.—Die Geldpolitik der US-Notenbank der Federal Reserve (FED) ist  “deutlich zu expan­siv”.  Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der bei­den Konjunkturforscher Nils Jannsen und Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Ihre Einschätzung begründen die Wissenschaftler damit, dass die sogenannte Produktionslücke – das Verhältnis zwischen Produktionspotential und realisiertem Bruttoinlandsprodukt – kleiner ist als von den geldpolitischen Institutionen in den USA unterstellt. Die Folge: Aufgrund der expansiven Geldpolitik nehmen die Risiken für die Preisstabilität zu. Auch werden Übertreibungen an anderen Märkten, z.B. bei Aktien und bei Rohstoffen, befördert.
Jannsen und Scheide stützen sich in ihrer Analyse auf ein bewährtes Instrument zur Beurtei­lung der Geldpolitik einer Zentralbank, die sogenannte Taylor-Regel. Diese beschreibt das angemessene Niveau des Leitzinses einer Zentralbank unter anderem anhand der Produk­tionslücke. Nur wenn man unterstellt, dass die amerikanische Wirtschaft immer noch extrem unterausgelastet ist, lässt sich ein Leitzins von nahe Null rechtfertigen. Nimmt man hingegen realistischere Potentialschätzungen als Maßstab, so wäre derzeit ein Leitzins zwischen 1,5 und 2 % angemessen. Es spricht also vieles dafür, dass die FED möglichst bald auf einen weniger expansiven Kurs einschwenkt.

„Es wäre ratsam gewesen, die zuletzt ergriffenen zusätzlichen Maßnah­men zur quantitativen Lockerung zu unterlassen und die zinspolitischen Zügel etwas anzuziehen“, so IfW-Forscher Nils Jannsen. Es sei zwar nicht ratsam, die einmal getroffenen Ankündigungen zurückzuneh­men, darunter leide die Glaubwürdigkeit. „Allerdings sollte die FED kommunizieren, dass sie sich ab Herbst vorbehält, die Geldpolitik bei Bedarf zu straffen“, so Jannsen. (Quelle: Kiel Policy Brief Nr. 26).

Das Kiel Institute for the World Economy erinnert daran: “Die Federal Reserve (Fed) hat auf die Immobilien- und Finanzkrise in den Vereinigten Staaten mit einer extrem expansiv ausgerichteten Geldpolitik reagiert. Dazu hat sie, beginnend im September 2007, nicht nur den Leitzins innerhalb von eineinhalb Jahren von 5,25 % auf nahe Null gesenkt, sondern die Finanz- und Immobilienmärkte auch durch direkte Eingriffe massiv gestützt. Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit wurden diese Maßnahmen der sogenannten quantitativen Lockerung mit der Ankündigung im vergangenen Jahr, amerikanische Staatsanleihen in einem Volumen von US-$ 600 Milliarden aufzukaufen, sogar noch einmal erweitert.” (IfW)

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