Gabriel verärgert die grünen Wunschkoalitionäre

GiNN-BerlinKontor.—Ad Rem.—Die Angst vor der  “grünen Gefahr” – die neue “Volkspartei” im Nacken – treibt den SPD-Vorsitzenden Sigmar GABRIEL zu verwirrenden Politkapriolen. Getreu seinem Beliebigkeits-Strickmuster  “Zwei rechts – zwei links” – häkelt sich der eine von drei SPD-Kanzlerkandidaten durch eine merkwürdige Standortanalyse. Wo steht die SPD? Was will die SPD? Mit wem will und kann die SPD?  Sozialdemokraten wissen doch: ohne den grünen Mehrheitsbeschaffer  geht überhaupt nichts. Die panische Vorstellung,  die  Grünen könnten stärker als die Sozis aus den kommenden Wahlen hervorgehen und entscheiden, wer die von der Opposition angestrebte neue Linksregierung führen soll, treibt die Sozialdemokraten immer wieder zu opportunistischen Purzelbäumen.

Gabriel schleimt zunächst mit der Behauptung, die Grünen seien die  “neue liberale Partei in Deutschland”. Das sei die FDP schon “lange nicht mehr”.  Die Republik – so der SPD-Chef – brauche jedoch eine liberale Partei. Die soll sich nun unter der grünen Tarnbezeichnung  “liberal” ein- und ausgerichtet haben, behauptet Gabriel zum Entsetzen der Grünen, die sich doch gerade erst als “wertkonservative Partei” geoutet haben. Der Chef-Sozi überschlägt sich in der BILD am SONNTAG (21.11.) in einer dekrouvierenden Lobduselei:  Nicht nur die Grünen – “auch Sozialdemokraten dürfen sich über den (Umfrage-) Höhenflug der Grünen freuen”, jubelt der SPD-Vorsitzende. Ach -  wie schön ist das!  “Bei allen Unterschieden zwischen SPD und Grünen”  – hat Gabriel entdeckt  “eint uns doch auch viel.”

Gleichzeitig feuert der SPD-Chef jedoch “friendly fire” in die grünen Weichteile. Die Grünen – die wollen doch nur “bei jedem Konflikt dabei sein, aber keinen Konflikt entscheiden”, hat auch Gabriel von den Hochsitzen der Republik aus beobachtet und festgestellt: So wie die Grünen sich öffentlich aufführen, ja so  “kann man vielleicht Wahlkämpfe führen, aber keine Regierung anführen”, ruft der rote Sigmar Gabriel die linken Grünen zur Ordnung.  “Regieren lebt vom Entscheiden”  sagt er der BamS. Das hat er schließlich in der rotgrünen Bundesregierung gelernt.  Und beim Entscheiden kann man es eben “nicht jedem Recht machen”, erinnert der SPD-Chef die Umfragelandesmeister.

Sigmar Gabriel, der nach eigenem Bekunden auch mal  “Wut im Bauch hat”, sprach den Bündnis90/Die Grünen  schon mehrfach die Regierungsfähigkeit ab.  So will er partout nicht, dass  “ein grüner Ministerpräsident die Richtlinien der Politik bestimmt“ – oder eine Grüne wie Renate KÜNAST Berlin regiert.  Den Grünen warf der SPD-Chef vor,  “technische Innovationen abzulehnen”.   Mit Blick auf die weit über  20%igen grünen Umfragewerte, nach denen die SPD als linker front runner abgelöst werden könnte,  schrieb  Gabriel grünen Politiker wie Cem Ödzemir, Renate Künast, und Winfried Kretschmann ins Stammbuch,  sie könnten  n i c h t   “die  Konflikte eines 82-Millionen-Volkes – einer Großstadt wie Berlin oder eines Industrielandes wie Baden-Württemberg -   mit der Reduktion auf einige wenige Themen aus dem grünen Kanon der Politikangebote beantworten.“

Die Grünen blieben unbeeindruckt. Auf ihrem Parteitag in Freiburg bekräftigten sie ihren  “Anspruch auf Wahlsiege” in Baden-Württemberg und in Berlin. Claudia ROTH: “Wir können es schaffen, dass das nächste Jahr das erfolgreichste unserer Parteigeschichte wird.” Und Cem Özdemir warb sogar für die Öffnung der Grünen über die SPD hinweg: “Wir müssen unsere Arme weit aufmachen”.

Wie sagte doch Gabriel über Gabriel: “Ich habe ein aufgeklärtes und modernes Weltbild.und hoffe immer auf die Einsicht von Menschen.”  Nicht nur von “grünen” Menschen kommt wohl erstmal nur Mitleid.

2 Gedanken zu “Gabriel verärgert die grünen Wunschkoalitionäre

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  2. Dieses Verhaltensmuster kennen wir nur allzugut von der SPD: Selbst orientierungslos und zwischen den Parteiflügeln zerrissen, sind Positionen und Haltungen der Sozialdemokraten schon seit Jahren kaum noch vorhersehbar. Die Parteispitze beisst in alle Richtungen, die ihr gerade bedrohlich erscheinen.

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