Friedensnobelpreis geht in ein Gefängnis in China

GiNN-BerlinKontor.—-Der Friedensnobelpreis 2010 geht an den in der Volksrepublik China inhaftierten Literaturprofessor, Bürgerrechtsaktivisten und Freiheitskämpfer LIU Xiaobo. Das norwegische Nobel-Komitee sprach dem “Dissidenten” Liu  in Oslo am 08.10. den Preis zu, weil er einen “langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte in China führt”. Das Aussenministerium in Peking/Beijing hatte zuvor gewarnt, die Verleihung würde die  Beziehungen zwischen China und Norwegen belasten. Liu sei “ein Krimineller”.

Der 54-jährige Liu, der Präsident des unabhängigen chinesischen PEN-Clubs war,  war im Dezember 2009 zunächst zu einer 11jährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er in einem Verfassungsmanifest  “Charta 08″  freie Wahlen und Redefreiheit im kommunistisch regierten Cina gefordert hatte.  Ein solcher Vorschlag bedeutet in China  “Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt”.  Liu war bereits wegen seiner Teilnahme an den Studentenprotesten auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking im Jahr 1989 zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Viele demokratische Regierungen hatten sich mehrmals für seine Freilassung eingesetzt – auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela MERKEL.  “Die Bundesregierung wünscht sich, dass Liu aus der Haft freikommt und den Preis selber in Empfang nehmen kann”, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Auszeichnung wird am 10. Dezember im norwegischen Oslo verliehen.

Was ist der Friedensnobelpreis?  Stifter der Preise war der schwedischer Chemiker und Fabrikant Alfred Bernhard NOBEL, geboren am 21. Oktober 1833 in Stockholm, gestorben am 10. Dezember 1896 in San Remo. Es wurden ihm insgesamt 355 Patente zugesprochen. Nobel gilt als Entdecker des Sprengstoffs „Dynamit“.

Alfred Nobel wollte, daß die öffentlichen Auszeichnungen für besondere Verdienste auf den Gebieten der Friedenshaltung, der Wissenschaften und der Kultur multinational vergeben würden: “Es ist mein ausdrücklicher Wunsch, daß bei der Preisverteilung keine Rücksicht auf die Zugehörigkeit irgendeiner Nation genommen wird, sobald der würdigste den Preis erhält – ob er nun Skandinavier ist oder nicht.”

Es war der deutsche Diktator Adolf Hitler, der die Auszeichnung des deutschen Journalisten von Carl von Ossietzky mit dem Friedensnobelpreis im Jahr 1936 als  “unerhörte Provokation”  bezeichnete, weil Ossietzky unter anderem als Chefredakteur der polit-satirischen WELTBÜHNE über geheime Rüstungsaufträge der Reichswehr berichtet hatte.   Er wurde deswegen 1931 zu 18 Monaten Gefängnis im KZ Papenburg verurteilt. Carl von Ossietzky starb 1938 an den  gesundheitlichen Folgen der Haft.

Hitler hatte damals in Oslo durch seinen Außenminister Konstantin von Neurath gegen die Verleihung des Friedens-Nobel-Preises an Carl von Ossietzky  “scharfen Protest” eingelegt.  Dies sei – so Hitler – “eine bewußte und beleidigende Herausforderung Deutschlands.” Am 31. Januar 1937 erließ die deutsche Reichsregierung in Berlin eine Verordnung, die – als  “Konkurrenzunternehmen”  zu dem Nobel-Preis – eine “Stiftung Deutscher Nationalpreis” einführte.  Hitlers Begründung: “…Um für alle Zukunft beschämenden Vorgängen vorzubeugen”. Die Annahme eines Nobel-Preises wurde – “für alle Zukunft Deutschen untersagt.”

Nach der Auszeichnung von Ossietzky 1936 erhielt Hitler sogar Schützenhilfe von den Nachkommen Nobels. In Stockholm ließen Hajlmar Nobel, Ludwig, Nobel und Ingeborg Rodderstobbe-Nobel mitteilen:  “Wir mißbilligen nach unserer Einstellung die Zuteilung des Friedens-Nobel-Preises an den von deutschen Gerichten wegen Landesverrates rechtskräftig verurteilten Carl von Ossietzky auf das Schärfste und sind der Auffassung, daß diese Zuteilung sich mit den Absichten des Stifters, einen Preis für Männer (!) auszusetzen, die sich um den Frieden in der Welt verdient gemacht haben, nicht vereinbaren läßt. 29.11.1936 zu Stockholm.”

Diese Reaktion zeigt, wie sehr die Menschen in den dreißiger Jahren – selbst im neutralen Schweden – vom Ungeist der Nazis intoxikiert waren.  Richtig ist jedoch, dass die Friedens-Nobel-Preise wohl nicht immer an Frauen und Männer  “im Sinne des Stifters Nobel” verliehen wurden.

Nobels “dynamisches, gigantisches Zinskapital” sollte übrigens erst dann zur Verteilung kommen, wenn sein Tod  “unwiderruflich”  festgestellt sei. Nobel in seinem Testament: “Ich ordne als meinen ausdrücklichen Wunsch und Willen an, daß mir nach meinem Tode die Pulsadern geöffnet werden und daß – nachdem dies geschehen und von kompetenten Ärzten deutliche Anzeichen des Todes festgestellt worden sind – meine Leiche in einem sogenannten Krematorium verbrannt wird”.

2 Gedanken zu “Friedensnobelpreis geht in ein Gefängnis in China

  1. Ich finde es großartig, dass Liu Xiaobo für seine unermüdliche Arbeit für die Menschenrechte in China mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Seine Freilassung kann hoffentlich bald erwirkt werden. Die westlichen Mächte sollten doch etwas tun können. Wie wäre es mit der Androhung der Einstellung aller wirtschaftlichen Beziehungen?!

  2. Pingback: » Weihnachten und Sylvester mal anders – last minute nach China - Gute Reisen

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