Friedensnobelpreis an Lui verliehen

GiNN-BerlinKontor.–In Oslo ist der diesjährige Friedensnobelpreis am 10.12.2010 an den chinesischen Bürgerrechtler LIU Xiaobo verliehen worden.  Liu erhielt von der chinesischen Regierung keine Ausreiseerlaubnis. Er war von den kommunistischen Machthabern wegen “Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt” vor einem Jahr zu 11 Jahren Haft verurteilt worden.  Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Horbjorn JAGLAND, legte die Verleihungsurkunde auf den leeren Stuhl des Preisträgers, der bei der Feier in Anwesenheit von Norwegens König Harald V. erstmals seit 1936 leer blieb. China zeige  “Schwäche, wenn es Menschen ins Gefängnis stecke, nur weil sie ihre Meinung frei äußern wollten”, so Jagland.  Er innerte daran, dass es vor 74 Jahren dem deutschen Publizisten Carl VON OSSIETKY*) von Hitler verboten wurde, nach Oslo zu reisen, um den ihm verliehenden Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Liu Xiaobo (54) widmete in einer Erklärung aus dem Gefängnis die hohe Auszeichnung den Opfern der 1989 niedergeschlagenen Studentenproteste auf dem Tiananmen-Platz in Peking/Beijing. US-Präsident Barack OBAMA sagte in Washington D.C.,  Liu habe den Preis “mehr verdient als ich”.

Die “Volksrepublik” China blockierte die Live-Übertragung des Osloer-Festaktes. Die TV-Bildschirme blieben schwarz. Auch die Meldungen und Übertragungen des US-amerikanischen Nachrichtensenders CNN und die der britischen BBC wurden unterbrochen. Die Website des norwegischen Nobelkomitees fiel ebenfalls der Totalzensur der chinesischen Regierung zum Opfer. Nach Meinung des kommunistischen Regimes in Peking ist Liu  “ein Werkzeug des Westens, vom Westen bezahlt, um China zu verleumden”. Liu Xiaobos “Charta 08″ umzusetzen würde „nicht nur bedeuten, dass China ein Vasall des Westens würde, sondern dass auch der Fortschritt und der Wohlstand der chinesischen Gesellschaft zerstört würde.”  Frage: Was sagt WikiLeaks dazu? “We are dedicated to bringing important news and information to the public”.

Die Christlich-Demokratische Partei Deutschlands liess durch CDU-Generalsekretär Hermann GRÖHE in Berlin erklären: “Die CDU Deutschlands gratuliert Liu Xiaobo herzlich zur Ehrung mit dem Friedensnobelpreis. Der Dissident und Menschenrechtler wird überaus verdient für seinen beeindruckenden, gewaltlosen Kampf für Demokratie und Menschenrechte ausgezeichnet. Zugleich verurteilen wir entschieden, dass die chinesische Regierung die Ausreise zur persönlichen Entgegennahme des Preises verweigert hat. Dies ist eine Unterdrückung des Freiheitsgedankens und unterstreicht einmal mehr, wie dringlich die Forderungen Liu Xiaobos sind.

Nicht zuletzt die unsäglichen Entgleisungen Pekings gegenüber den Mitgliedern des Nobelkomitees haben deutlich gemacht, dass die chinesische Regierung – trotz großer Fortschritte in anderen Bereichen – die Meinungs- und Pressefreiheit immer noch massiv einschränkt. Umso mehr war es richtig, dass die Mehrheit der eingeladenen Staaten dem Druck Chinas getrotzt und an der Zeremonie in Oslo teilgenommen hat. Damit haben sie, gerade am heutigen Tag der Menschenrechte, ein klares und ermutigendes Signal der Solidarität mit allen inhaftierten Dissidenten in China ausgesendet.

Die CDU steht fest an der Seite der Unterzeichner der Charta 08. Wir unterstützen ausdrücklich das Anliegen der mehr als 5000 Bürgerrechtsaktivisten, die das Manifest unterzeichnet haben und zu politischen Reformen und zur Demokratisierung Chinas aufrufen. Im April 2009 hat Peking einen ‘Nationalen Aktionsplan’ vorgestellt, der konkrete Schritte zum Schutz der Menschenrechte vorsieht – diesen Weg muss China mit aller Kraft konsequent und transparent umsetzen.”

Was ist der Friedensnobelpreis?  Stifter des Preises war der schwedischer Chemiker und Fabrikant Alfred Bernhard NOBEL, geboren am 21. Oktober 1833 in Stockholm, gestorben am 10. Dezember 1896 in San Remo. Es wurden ihm insgesamt 355 Patente zugesprochen. Nobel gilt als Entdecker des Sprengstoffs „Dynamit“.

Alfred Nobel wollte, daß die öffentlichen Auszeichnungen für besondere Verdienste auf den Gebieten der Friedenshaltung, der Wissenschaften und der Kultur multinational vergeben würden: “Es ist mein ausdrücklicher Wunsch, daß bei der Preisverteilung keine Rücksicht auf die Zugehörigkeit irgendeiner Nation genommen wird, sobald der würdigste den Preis erhält – ob er nun Skandinavier ist oder nicht.”

Es war der deutsche Diktator Adolf Hitler, der die Auszeichnung des deutschen Journalisten von *)Carl von Ossietzky mit dem Friedensnobelpreis im Jahr 1936 als  “unerhörte Provokation”  bezeichnete, weil Ossietzky unter anderem als Chefredakteur der polit-satirischen WELTBÜHNE über geheime Rüstungsaufträge der Reichswehr berichtet hatte.   Er wurde deswegen 1931 zu 18 Monaten Gefängnis im KZ Papenburg verurteilt. Carl von Ossietzky starb 1938 an den  gesundheitlichen Folgen der KZ-Haft.

Hitler hatte damals in Oslo durch seinen Außenminister Konstantin von Neurath gegen die Verleihung des Friedens-Nobel-Preises an Carl von Ossietzky  “scharfen Protest” eingelegt.  Dies sei – so Hitler – “eine bewußte und beleidigende Herausforderung Deutschlands.” Am 31. Januar 1937 erließ die deutsche Reichsregierung in Berlin eine Verordnung, die – als  “Konkurrenzunternehmen”  zu dem Nobel-Preis – eine “Stiftung Deutscher Nationalpreis” einführte.  Hitlers Begründung: “…Um für alle Zukunft beschämenden Vorgängen vorzubeugen”. Die Annahme eines Nobel-Preises wurde – “für alle Zukunft Deutschen untersagt.”

Nach der Auszeichnung von Ossietzky 1936 erhielt Hitler sogar Schützenhilfe von den Nachkommen Nobels. In Stockholm ließen Hajlmar Nobel, Ludwig, Nobel und Ingeborg Rodderstobbe-Nobel mitteilen:  “Wir mißbilligen nach unserer Einstellung die Zuteilung des Friedens-Nobel-Preises an den von deutschen Gerichten wegen Landesverrates rechtskräftig verurteilten Carl von Ossietzky auf das Schärfste und sind der Auffassung, daß diese Zuteilung sich mit den Absichten des Stifters, einen Preis für Männer (!) auszusetzen, die sich um den Frieden in der Welt verdient gemacht haben, nicht vereinbaren läßt. 29.11.1936 zu Stockholm.”

Diese Reaktion zeigt, wie sehr die Menschen in den dreißiger Jahren – selbst im neutralen Schweden – vom Ungeist der Nazis intoxikiert waren.  Richtig ist jedoch, dass die Friedens-Nobel-Preise wohl nicht immer an Frauen und Männer  “im Sinne des Stifters Nobel” verliehen wurden.

Nobels “dynamisches, gigantisches Zinskapital” sollte übrigens erst dann zur Verteilung kommen, wenn sein Tod  “unwiderruflich”  festgestellt sei. Nobel in seinem Testament: “Ich ordne als meinen ausdrücklichen Wunsch und Willen an, daß mir nach meinem Tode die Pulsadern geöffnet werden und daß – nachdem dies geschehen und von kompetenten Ärzten deutliche Anzeichen des Todes festgestellt worden sind – meine Leiche in einem sogenannten Krematorium verbrannt wird”.

Detlef R. Peters

2 Gedanken zu “Friedensnobelpreis an Lui verliehen

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