Frankreich will “Renaissance der Atom-Energie”

GiNN-BerlinKontor.—Frankreichs Staatspräsdent Nicolas SARKOZY hat auf der OECD-Konferenz in Paris eine weltweite “Renaissance der Atomenergie” gefordert und die internationale Gemeinschaft aufgefordert, “Hindernisse für den Bau von Atomkraftwerken in Schwellenländern zu beseitigen”.  An der Konferenz der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die ihren Sitz in Paris hat, nahm auch derChef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Yukiya AMANO teil, der erklärte, die Stromerzeugung aus Kernkraft könne einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten und “den Klimawandel abschwächen”.

Der französische Präsident  erklärte, die Franzosen seien bereit, ihre nuklearen Erfahrungen mit anderen Ländern zu teilen. Um den Klimawandel einzudämmen, brauche man  sowohl die zivile Nutzung der Atomkraft wie die Erneuerbaren Energien.  Sarkozy: “Wir brauchen beides.“  Die Atomenergie könne „zum Kitt einer neuen internationalen Solidarität“ werden. Frankreich deckt 80 % seines Strombedarfs mit Atomkraftwerken ab.

Frankreich will ein “Internationales Instituts für Kernenergie“ gründen, um hier “führende Nuklearforscher zu versammeln, die ihre Forschungsergebnisse und Expertisen an Ingenieure und Techniker aus dem In- und Ausland weitergeben.”

Entwicklungsländer dürften nicht ausgeschlossen werden, forderte Sarkozy und kritisierte die „egoistische“ Auffassung der Industriestaaten, wonach arme Länder kein Recht auf Atomtechnologie hätten, weil sie nicht die Sicherheit gewährleisten könnten. Damit schließe man ärmere Staaten vom Fortschritt und einem besseren Leben aus, beklagte Sarkozy.  Bei der Finanzierung von Atomprojekten sollten die internationalen Finanzinstitutionen eine zentrale Rolle spielen, forderte der französische Staatspräsident. Er bedauerte, dass die Weltbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) die Unterstützung beim Bau von Atomkraftwerken “geächtet” habe. Die Entwicklungsbanken müssten sich “entschlossen bei der Finanzierung engagieren”.

Frankreich wolle mit allen Ländern kooperieren, die zivile Nukleartechnik nutzen, unterstrich Sarkozy auf der OECD-Konferenz, an der nach französischen Angaben 65 Staaten und internationalen Organisationen teilnahmen. Vertreter aus dem Iran und Nordkorea wurden nicht eingeladen – wohl aber Syrien, das im letzten IAEA-Bericht wegen fehlender Kooperationsbereitschaft kritisiert worden war.

Auch IAEA-Chef Amano betonte in Paris, der Zugang zur Atomkraft dürfe nicht “exklusives Privileg der reichen Länder” bleiben. Die Internationale Atomenergiebehörde erwarte, dass “10 bis 25 neue Länder bis 2015 ihr erstes Atomkraftwerk in Betrieb nehmen”.

Die World Nuklear Association (WNA), der über 180 Staaten angehören, gab die “Erlaubnis”, bis 2010 weltweit 450 neue Atomreaktoren zu bauen. Der Marktwert wird auf € 100 Milliarden geschätzt. Frankreich, wo drei Viertel des Stroms aus Kernenergie stammen, strebt beim internationalen Handel mit AKWs den Ausbau seiner Spitzenstellung an.

EU-Kommissionspräsident José Manuel BARROSO warnte, nicht nur Europa müsse Sicherheitsvorkehrungen treffen, um die  Weitergabe von nuklearen Produkten zu verhindenn. Entsprechende “Sicherheitsvorgaben” müssten bei der Weitergabe von Atomtechnik international “angehoben” würden.

Die Sprecherin von Sortir du Nucléaire erklärte in France 24: “Wir sind darüber beunruhigt, dass Atomkraftwerke überhaupt nicht dafür ausgelegt sind, mit unterschiedlichen Intensitäten umzugehen. Das kann zu Kontrollschwierigkeiten und gar zu einem Kontrollverlust führen, einem Unfall des Typs, wie er in Tschernobyl passiert ist. Das ist eine wahre Bombe, das ist sehr explosiv.”

Hans-Josef FELL, energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, erklärte in Berlin, ein Ausbau der Atomenergie sei mit Blick auf den wachsenden Internationalen Terrorismus  z.B. mit Hilfe eines entführten Verkehrsflugzeugs,  oder der Gefahr von neuartigen Waffensystemen  “mehr als verantwortungslos”. Sarkozys Pläne seien “nicht nur ein Hochsicherheitsrisiko, sondern fördert auch die  Energieabhängigkeiten einiger Länder drastisch, obwohl beide Probleme mit heimischen Erneuerbaren Energien gelöst werden könnten.”  Besonders abenteuerlich sei, dass nun auch “ausgerechnet Israel mit dem Bau von Atomreaktoren im eigenen und Nachbarländern seine Verwundbarkeit drastisch verschärfen will.”

Fell vermisst eine “offensive Regierungsinitiative für die deutsche Solar- und Windenergiebranche”. Die Bundesregierung riskiere “mit den drastischen Vergütungskürzungen die technologische Vorreiterrolle Deutschlands  in der Solarwirtschaft zu verlieren.” Damit werde nicht nur ein große Chance für die exportorientierte Branche der Erneuerbaren Energien verpasst, “sondern eben auch für eine sicherere Welt.”

Das Bundeskabinett hatte am 03.03. die Formulierungshilfe für den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beschlossen. Ziel des Gesetzes ist es, einen dynamischen Ausbau der Solarenergie bei gleichzeitig sinkenden Vergütungen und damit Kosten sicherzustellen. Die Formulierungshilfe wird nun von den Regierungsfraktionen in das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren eingebracht.

Bundeskanzlerin Angela MERKEL (CDU) empfing m 10.03. den französischen Premierminister François FILLON zu einem Gespräch im Berliner Bundeskanzleramt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>