Fachkräftemangel grosses Problem für Arbeitsmarkt

GiNN-BerlinKontor.—Der Vorstoß der Bundesminister Rainer BRÜDERLE (Wirtschaft) und Anette Schavan (Bildung) ausländische Facharbeiter nach Deutschland zu locken, ist von dem Chef der Bundesagentur (BA), Frank-Jürgen WEISE, kritisiert worden. Die deutschen Unternehmen solten vielmehr zunächst selbst attraktive Konzepte  zur Ausbildung qualifizierter Arbeitskräfte vorlegen.  „Das vorhandene Potenzial im Land sollte erst einmal genutzt werden“, so Weise in der Financial Times Deutschland.  Man könne nicht zulassen, dass  Menschen in Arbeitslosigkeit sind, nur weil ihre Talente nicht genutzt würden.  Die Unternehmen stünden hier  in erster Linie selbst in der Verantwortung. Die Anwerbung von  ausländischen Fachkräften könne nur zweiter Schritt sein.

Weise: „Wer qualifizierte Kräfte haben und halten will, muss etwas bieten  und das können die Unternehmen selbst gestalten, da braucht man nicht nach dem Gesetz zu rufen“,  Dies gelte vor allem bei der Kinderbetreuung, die viele qualifizierte Frauen daran hindere zu arbeiten: “Das Kinderbetreuungsangebot reicht nicht aus, und die Kommunen haben in der Krise keinen Spielraum. Es ist auch Sache von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, das so zu organisieren, dass Familie und Beruf vereinbar sind”, sagte Weise.

Der BA-Chef empfahl zudem, auf praktische Kenntnisse von Bewerbern und nicht nur auf Zeugnisse zu schauen: “Man sollte es bei der Qualifizierung auch nicht übertreiben und nur auf zertifizierte Schulabschlüsse setzen.”

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hatte zuvor erklärt, der Fachkräftemangel werde in den nächsten Jahren zum Schlüsselproblem für den deutschen Arbeitsmarkt. Je länger der Aufschwung anhalte, desto größer werde das Problem. Deshalb müsse man mehr ausländische Fachkräfte nach Deutschland holen.

Auch Dieter HUNDT, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, sagte im Deutschlandfunk-Interview: “Wir müssen uns auch um entsprechende Regelungen bemühen, die die Zuwanderung von qualifizierten ausländischen Arbeitskräften erleichtert beziehungsweise ermöglicht.”

Im Handelsblatt hatte Minister Brüderle eine Art Begrüßungsgeld vorgeschlagen:  “Es ist denkbar, dass einige Unternehmen, die es sich leisten können und dringenden Bedarf haben, ausländischen Facharbeitern eine Lockprämie zahlen… Das Thema, wie Deutschland für ausländische Facharbeiter endlich attraktiv wird, steht ganz oben auf meiner Agenda.”

Ein Begrüßungsgeld für ausländische Facharbeiter sei kein Mittel gegen den Fachkräftemangel, erklärte dagegen Koalitionspartner und CSU-Chef Horst SEEHOFER im “ARD- Bericht aus Berlin” (01.08.). Dem Mangel solle man vielmehr begegnen, indem “wir das hier lebende Arbeitskräftepotential ausnutzen”. Dabei denke er an die über drei Millionen Arbeitslose.

Zudem müsse man die im Mai 2011 kommende Arbeitnehmer-Freizügigkeit bedenken. “Das heißt, man kann dann in Europa nicht nur den Wohnsitz frei wählen, sondern alle Länder, auch den Arbeitsplatz”, erinnerte der Bayerische Ministerpräsident Seehofer.  Man könne übrigens bereits heute schon Fachkräfte ins Land holen. Diese “sollten ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können”.

Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wurden im Juli 35 800 Ingenieure gesucht, arbeitslos gemeldet waren weniger als 26 000.  Derzeit suchen 3,19 Millionen Deutsche einen  Arbeitsplatz. Das ist der niedrigste Wert in einem Juli seit 1992. (DW)

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