EU-Kommissar kritisiert “jüdische Lobby” in USA

GiNN-BerlinKontor.—Karel DE GUCHT, belgischer EU-Kommissar für Handel und Ex-Außenminister in Belgien, ist mit Äußerungen über angeblich  “rechthaberische Juden und eine best-organisierte jüdische Lobby in Washington D.C.” ins Fasenkreuz der Kritik geraten. Im flämischen Rundfunksender VRT hatte  De Gucht mit Blick auf den Nahost-Konflikt erklärt, die Friedensschancen dort seien gering, denn:  “Es gibt bei den meisten Juden einen Glauben – ich kann es nicht anders umschreiben -  dass sie recht haben.”  Auch “freisinnige Juden” außerhalb Israels teilten diesen Glauben. Deswegen sei es  “nicht einfach, selbst mit einem gemäßigten Juden ein rationales Gespräch über das zu führen, was sich im Nahen Osten abspielt”, so de Gucht im Vlaamse Radio- en Televisieomroep. Der EU-Handelskommissar fügte hinzu, der politische Einfluss, den diese Lobby auf die US-amerikanische Politik ausübe – sowohl bei den Republikaner wie bei den Demokraten -  “dürfe nicht unterschätzt werden”.

Nach Protesten in Brüssel und in Washington D.C. erklärte de Gucht, er  bedaure, dass seine  “Kommentare in einem Sinne gedeutet wurden, den ich nicht beabsichtigt hatte.” Er habe die Jüdische Gemeinschaft nicht  “stigmatisieren” wollen. Antisemitismus verstoße “fundamental gegen unsere europäischen Werte”. (“I want to make clear that anti-Semitism has no place in today’s world and is fundamentally against our European values.”)

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan KRAMER, sagte dem Handelsblatt online: “Ich würde mir wünschen, dass Israels Freunde in den USA und in anderen Ländern möglichst viel Gehör finden”. Die USA versuchten schließlich, einem von Antisemiten mit der physischen Vernichtung bedrohten Staat zu helfen.

Karel De Gucht war 2006 Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Mit Wirkung ab dem 17. Juli 2009 berief ihn die EU-Kommission zum Nachfolger von Louis Michel als EU-Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe. Seit Februar 2010 ist er Kommissar für Handel.

 

PHOENIX (ARD und ZDF) sendete am 05.09. einen Betrag mit dem Titel “Die jüdische Lobby”. Darin heißt es unter anderem:
“Die jüdische Lobby beherrscht die Wall Street. Sie kontrolliert die Filmindustrie Hollywoods, die internationalen Medien, und – am wichtigsten – sie zieht die Fäden der amerikanischen Weltpolitik. Über kaum etwas werden rund um den Globus mehr Mythen und Legenden gesponnen als über den Einfluss des Judentums. Der deutsch-israelische Journalist und Filmautor Uri SCHNEIDER zeigt, dass es sie wirklich gibt – die jüdische Lobby.”   Schneider sagt,  in Washington D.C. seien die Lobbygruppen eine Industrie, die  US-$ 6 Milliarden im Jahr umsetze und einen der größten Wirtschaftsfaktoren der Region darstelle. Bei seiner Suche nach dem “jüdischen Einfluss auf die amerikanische Politik” räumt Schneider jedoch gleichzeitig mit Vorurteilen auf.  Schneider: “Die Juden Amerikas sprechen längst nicht mehr nur mit einer Stimme. Galt die jüdische Lobby bislang als eine konservative Gruppe, die sich bedingungslos hinter Israel und dessen Politik stellt, hat sich dieses Bild zwischenzeitlich stark geändert. Hauptgrund dafür ist der Einzug Barak Obamas ins Weiße Haus. Während seine Vorgänger nämlich meist ohne lange Debatten die Politik Israels unterstützten, verfolgt Präsident Obama eine politische Linie, die Israel eine Mitverantwortung für die scheinbar ausweglose Lage in Nahost zuweist. Obamas neue Linie gab auch neuen Kräften unter den Juden Amerikas unverhofften Auftrieb: So bekam eine junge Gruppe friedensbewegter jüdischer Lobbyisten namens ‘J Street’ mit Obama einen Rückenwind, von dem sie vor einem Jahr nur träumen konnte. Die Stimmen von Amerikas Juden in der Politik sind damit differenzierter geworden, die Suche nach einem Ausweg aus der Sackgasse im Nahen Osten hat an Intensität gewonnen.”

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>