“Enthüllungsjournalismus” – quo vadis?

GiNN-BerlinKontor.—-Verbum peto.—Die so genannte Enthüllungsplattform namens Wikileaks hat wieder zugeschlagen. Dieses obskure Organ macht ihre “Geschäfte”  offensichtlich vorzugsweise mit geklauten Geheimberichten  aus Politik und Diplomatie.  Damit wäre normalerweise wohl der  “Tatbstand des Hochverrates” erfüllt, wenn es sich nicht um “zweckdienlichen Enthüllungsjournalimus” handeln würde.  Davon ist nicht nur das jüngste Opfer, das US-State Department in Washington D.C., überzeugt. Sicherlich handelt es sich um ein “Unternehmensdelikt”,  das bestraft werden sollte. Aber war oder ist es wirklich “Verrat” oder gar “Spionage”?  Sicher scheint zu sein, dass es im Washingtoner Außenamt eine undichte Stelle gibt – vielleicht ein bei der Beförderung mehrmals übergangener Heimatdiplomat, der Zugang zu dechiffrierten Auskünften  der US-amerikanischen Auslandsvertretungen in aller Welt hatte. Für solche “Einbrüche” und “Diebstähle” wird viel Geld bezahlt – vor allem von d e n  Medien, die von der Sensationslust, Schadenfreude und dem Voyeurismus ihrer Konsumenten leben.

Der eigentliche Skandal ist , dass sich als “seriös” deklarierte Medienprodukte wie  The New York Times  (“All the news that’s fit to print”) oder der Londoner “Guardian“, der Pariser “Monde” oder das Madrider “País” auf diese Art von “Enthüllungsjournalimus” geradezu stürzen.  Die NYT, berühmt-berüchtigt geworden für Reportagen über den “Missbrauch von Regierungsvollmachten”,  gewann 104 Mal den “Pulitzer Prize” – für herausragenden “investigative journalism”.  Auch die zwei “Watergate”-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein , die durch ihre Berichte den US-Präsidenten Richard NIXON stürzten, erhielten den Pulitzer Prize -  nicht, weil sie jahrelang gründlich recherchiert hatten, sondern weil sie “geklautes Material” veröffentlichten. Für diesen “watchdog journalism”, “muck-raking”  oder dieses  “accountability reporting” wurden sie ausgezeichnet und weltberühmt.

Ähnliches versucht nun die Internet-Plattform “Wikileaks, die sich selbst  als “unzensierbar”  einstuft.  Sie veröffentlichen vorzugsweise “anonyme Dokumente”, bei denen “ein öffentliches Interesse vermutet” wird.  Sie geben vor, “unethisches Verhalten” anprangern zu wollen und loben selbst  ihr “System”, dass geschaffen wurde „für die massenweise und nicht auf den Absender zurückzuführende Veröffentlichung von geheimen Informationen und Analysen“. In ihrem Solde stehen nach eigenen Angaben hunderte von “Gelegenheitsbeiträger”.

Ins Fadenkreuz geraten ist nun auch der US-amerikanische Botschafter in Berlin, Philip MUPHY.  Der Mann, der die USA in Deutschland vertritt, ist ein enger Freund des US-Präsidenten Barack OBAMA, des Ex-Präsidenten Bill CLINTON – und des US-Rockstars Jon Bon JOVI.  Auch Murphy ist – wie fast alle amerikainschen Missionschefs – kein  Karrierediplomat, sondern “moneyman”. Er finanzierte und koordinierte als  “Schatzmeister” der Demokratischen Partei den Wahlkampf Obamas und spendete auch viel privates Geld für die Wahl seines Freundes. Für den Posten  in Deutschland “qualifiziert” hatte sich P.M. zudem als jahrelanger  Manager der US-Investmentbank Goldman-Sachs in Frankfurt am Main.
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Nun hat der US-Botschafter und Fußballfan von Hertha BSC  seinen Vorgesetzten in Washingtoin D.C. pflichtgemäß  “Wetterberichte” über die politischen Führer im Gastland übermittelt. Dies gehört zum normalen Geschäft, zum Ritual eines jeden Chefdiplomaten. Die Informationen – meistens verpackt als “Top- secret”-Erkenntnisse und Hintergrundinfos – werden in der Regel  mit Hilfe der inländischen Presseberichte komponiert.  Quellenlieferanten sind nicht nur Berliner und Bonner Spitzenbeamte, sondern die Mitglieder der Bundespressekonferenz e.V.  Vor allem die Kommentare und Leitartikel der Hauptstadt-Korrespondenten  werden gerne als  eigene “Weisheiten” und “vertrauliche Informationen” deklariert und semantisch aufgemotzt.  Es ist der Presseattachè, der in den meisten Botschaften und Generalkonsulaten morgens als erstes zum Rapport über das “Medienbild” zum Missionschef gerufen wird.

Die jetzt “enthüllte”  Tatsache, dass ein Botschafter gerne mit dem für das Diplomatische Corps zuständigen Beamten im Bundeskanzleramt spricht, ist auch wirklich nichts Neues. Das Auswärtige Amt, dass über 190 diplomatische und konsularische Vertretungen “betreuen und bedienen” muss,  bestellt den Botschafter ein, wenn ein Staatsbesuch und eine Auslandsreise anstehen -  oder ein Krieg droht, wie am 22.11., als der nordkoreanische Botschafter  ins AA einberufen wurde.

Auch unser Botschafter in Washington D.C. berichtet viel lieber über seine Gespräche im Weißen Haus (National Security Advisor) als mit dem für Berlin zuständigen Referenten im State Department (German Desk).  So ist es überhaupt keine  “Entthüllung”, dass der US-Botschafter vorzugsweise mit dem “außenpolitischen Berater”  der Kanzlerin spricht, der übrigens vom Auswärtigen Amt zur Kanzlerin abgeordnet wurde.   Und auch ein Botschafter weiss doch, dass die  “Richtlinien der Polilit” nun mal die Kanzkerin bestimmt.

Es ist und bleibt jedoch empörend, dass vertrauliche Protokolle, also geheime oder streng geheime Verschlusssachen, über Diebstahl in die Öffentlichkeit gelangen – und das  “zu einer Zeit, in dem wir uns alle in einem internationaler Krieg gegen den Terrorismus  befinden”, wie uns das US State Department erinnert.   Genau so abscheulich es ist, wenn so genannte gute Freunde in unseren privaten Briefen und Notizen schnüffeln oder persönliche Telefongespräche  mit-  oder abhören, bleibt der Diebstahl von vertraulichen Aufzeichnungnen und deren Veröffentlichung hinterlistig und daher verwerflich. So ewas geschieht mit dem Vorsatz, aus Sensationslust und Wichtigtuerei international großen Schaden anzurichten und zwischenstaatliches Vertrauen zu zerstören.  Konrad Adenauer würde wohl sagen:  „Wir haben einen Abgrund von Landesverrat im Lande“.

Erinnert wird man an ein Karl Theodor Körner-Gedicht, in dem es heißt:
“Pfui über dich Buben hinter dem Ofen
Unter den Schranzen und unter den Zofen
Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht”.

Detlef R. Peters

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