Ein lebensfroher, intelligenter Formulierungskünstler von beeindruckender Schlagfertigkeit

BERLIN – Detlef Peters, Journalist aus Überzeugung, Protokoll-versierter Diplomat & Staatsdiener, Künstler und stetiger Kommentator internationaler und deutscher Politik, ist am Freitag, den 22. August 2018, im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben. Mit ihm verliert Deutschland einen Patrioten alten Schlages, dem es ein Herzensanliegen war mitzuerleben, wie Deutschland sich als ebenbürtiger Partner der USA auf der politischen Weltbühne etablieren konnte. Für Peters war die Presse schon immer die kritische „vierte Gewalt“ neben der Legislative, Exekutive und Judikative und Hüterin der Veritas – eine Aufgabe, die in Zeiten postfaktischer Politik und Fake News kaum an Relevanz einbüßt.

Schon zu Schulzeiten fühlte er sich sowohl zur bildenden als auch zur darstellerischen Kunst hingezogen und entschied sich, von 1957 bis 1959 Kunst und Theaterwissenschaften an der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und an der Ludwig-Maximilian-Universität in München zu studieren.

Von Minden über München nach Washington DC und Berlin

Der Bau der Mauer 1961 erschütterte ihn und weckte sein Interesse an Politik, Publizistik und Propaganda – es folgte der Wechsel zum Studium der Politologie und Publizistik an der Freien Universität Berlin, wo er im Jahre 1964 mit der Dissertation promovierte:  

Das “US Committee on Public Information”: Ein Beitrag zur Organisation und Methodik der geistigen Kriegsführung in den USA im Ersten Weltkrieg.

Seine Liebe für die USA wurde durch zwei wichtige Erfahrungen ausgelöst, die er als Kind und später als Student sammelte. So erlebte er als Kind die Alliierten als Befreier seiner Geburtsstadt Minden. Jahre später prägten ihn seine Erlebnisse als Fulbright Stipendiat und angehender Doktorand an der Georgetown University in Washington DC, wo er während der Regentschaft der Kennedys das amerikanische Lebensgefühl in sich aufsaugte (und sogar Robert Kennedy persönlich kennenlernen durfte). Hätte man ihm die US Staatsbürgerschaft angeboten, er hätte sie ehrfürchtig und dankbar angenommen.

Während seiner Zeit in den USA legte er das Fundament für sein späteres Metier, zwischen Deutscher und US-Politik zu vermitteln und dabei die deutsche Sprache als scharfsinniges publizistisches Werkzeug einzusetzen. Er war kein Freund umschweifender Worte – er sagte immer: „Subjekt – Prädikat – Objekt“ genügen als Elemente effizienter Vermittlung von Fakten. Menschen, die die Feinheiten der Rhetorik nicht beherrschten, verachtete er zutiefst – vor allem, wenn sie in prominenten Rollen tätig waren und ihre fehlende Qualifikation mit inhaltlosen Aussagen der sich immer mehr fremdschämenden Öffentlichkeit aufdrängten.

Ein Westfale in New York

Nachdem er sich beim Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und am Bundeskanzleramt in Presseangelegenheiten bewiesen hat, begann seine unkonventionelle Karriere im Auswärtigen Amt an – er sah es als eine Art Zweck-Ehe, die für ihn ein Vehikel war, um mit seiner Familie in den USA leben zu können – seiner „zweiten Heimat“. Aber diese Zeit ermöglichte es ihm, einige hochrangige deutsche Politiker in seiner Wohnung zu empfangen – Helmut Schmidt und Graf Lambsdorff, um nur zwei zu nennen.

Das New York der frühen 70er inspirierte ihn zur Malerei – er liebte abstrakte Kunst geprägt von russischen Avantgardisten wie Kandinsky, während manche in seiner Leidenschaft für geometrische Formen und starke Farben auch Spuren von Mondrian erkennen wollten. Er wollte aber nie als „der malende Diplomat“ gesehen werden und kreierte seinen „Künstlernamen“: Detlev Peters.

Immerhin fand ein Kunstkritiker in New York, dass seine Werke voller einzigartiger emotionaler und ästhetischer Integrität seien und somit tiefgründige Gefühlskraft zum Ausdruck brächten. Seine Gemälde fanden Ihren Weg in die Vereinten Nationen, in eine ständige Ausstellung im Glaspalast Augsburg, aber auch in die Wohnungen und Büros diverser Vertreter aus Politik, Presse und Wirtschaft, mit denen sich seine Wege kreuzten.

Ein „Preiß“ im Dienste des Freistaates?

Dass aber ein in Minden in Westfalen geborener Diplomat beim damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß in Gnaden war (sie lernten sich bei einem USA Besuch des Politikers kennen), und ab 1981 als Pressereferent der Landesvertretung Bayern in Bonn dienen durfte, war für viele überraschend. Diese ungewöhnliche Konstellation ist ein weiteres Indiz für seine Kompetenz in Fragen der Sicherheits- und Außenpolitik sowie der Pressearbeit und des Protokolls.  In dieser Zeit war Detlef Peters auch am stärksten aktiv in der CDU/CSU Bundestagsfraktion – wobei seine Aktivität auch feucht-fröhliche Abende im Presseclub oder Ossi’s Bar im Bundeshaus einschloss. Seine konservative Gesinnung wurde später im Jahre 1992 durch die Führungsebene des US National Republican Congressional Committee mit einem „Certificate of Merit“ offiziell bestätigt. Aber Kompetenz war ihm immer wichtiger als politische Gesinnung.

Es war unter anderem dem sanften Einwirken von Dr. Edmund Stoiber auf Franz Josef Strauß und auf Helmut Kohl zu verdanken, dass er 1987 den Hattrick schaffte und ein drittes Mal in New York dienen durfte – diesmal als Leiter des Referates „Presse und Öffentlichkeitsarbeit“ am Generalkonsulat New York.

Nach der Rückkehr aus den USA war er zuerst wieder bei der Bayerischen Landesvertretung in Bonn und leitete später das Referat Außenpolitik, Sicherheits- und Entwicklungspolitik in Berlin, wohin das Referat und die Bayerischen Landesvertretung verlegt wurden. Sogar eine interne Beurteilung attestierte ihm, er sei ein „hervorragender Kenner der parlamentarischen Arbeit sowie der Regierungstätigkeit“. Über das persönliche Anschreiben von Horst Seehofer zu seinem 80. Geburtstag hat sich Detlef Peters gewiss sehr gefreut …

Ein erfülltes Leben endet

Manche mögen mit einem Schmunzeln an diese Zeit denken, in der Menschen noch aus einem anderen Holz geschnitzt waren und Integrität und Pflichtgefühl, eine umfassende Bildung und Anstand im intellektuellem, Diskurs hochgehalten wurden. Damals wurden Meinungen noch respektvoll ausgetauscht und Fakten wurden als solche akzeptiert.

Sein letzter Beitrag auf seiner Online Plattform vom 20. August handelte von den Krisengebieten Ukraine, Syrien, Iran und der Gasversorgung Europas und den Gesprächen hierzu zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf Schloss Meseberg in Berlin. Ein Spiegelbild seines beruflichen Lebens, das er maßgeblich der deutschen Außenpolitik widmete.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dieser Mann war „all work – no play“, aber das allerwichtigste für ihn war & bleibt seine Familie, die er über Alles liebte, auf die er so unglaublich stolz war:  seine geliebte Ehefrau, seine Kinder und seine Enkelkinder, die sein Vermächtnis & Gedenken in Ehre weiter in die Zukunft tragen werden.

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Dr. Detlef Robert Peters

* 5.2.1936                                 22.8.2018

 

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