DIHK: Keine Spielräume für höhere Löhne

GiNN-BerlinKontor.-–Martin WANSLEBEN , Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit  auf 3.4 % sinken wird. “Dort kommen wir der Vollbeschäftigung schon sehr nahe.” Wansleben spricht zwar auch von einer „glücklichen Entwicklung für die deutsche Wirtschaft“, dämpft jedoch die euphorische Reaktion der Bundesregierung auf den wirtschaftlichen Aufschwung und die Forderung nach höheren Tarifabschlüssen. “Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Hinter uns liegen Jahre, in denen viel zu wenig investiert wurde. Jetzt müssen Investitionen nachgeholt werden, für die während der Wirtschaftskrise Spielräume und Liquidität gefehlt haben. Das hat jetzt Priorität und nicht höhere Löhne. Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben. Die Unternehmen sind als Folge der Krise finanziell noch ausgeblutet. Wenn jetzt wieder investiert und neu eingestellt wird, sehe ich keine Möglichkeit für deutlich höhere Löhne”, sagte der DIHK-HGF der Passauer Neuen Presse (22.10.).

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker KAUDER appellierte dagegen an die Arbeitgeber, in den anstehenden Tarifrunden die Löhne und Gehälter deutlich zu erhöhen. “Die Arbeitnehmer in Deutschland sollten vom Aufschwung profitieren. Bei den Löhnen muss sich etwas tun”, so Kauder. Viele Arbeitnehmer hätten durch Lohnzurückhaltung ihren Beitrag geleistet, um ihre Unternehmen in der Krise zu stabilisieren. Das sollte nun “mit einem ordentlichen Lohnplus honoriert werden”.

Kauder sagte im SPIEGEL Online, der  Konsolidierungskurs der CDU/CSU/FDP-Regierung werde dazu beitragen, dass die Wirtschaft weiter wachse. Dann werde es “auch wieder Spielräume für Steuersenkungen geben”.  Steuersenkungen seien zwar noch kein Thema für 2011, aber die Regierung werde sich damit in dieser Legislaturperiode noch einmal befassen, so Kauder. “Die Hartz-IV-Sätze werden erhöht. Wir müssen aber auch zeigen, dass sich Arbeit lohnt”. Dafür müsse die kalte Progression im Steuerrecht korrigiert werden, die viele Lohnzuwächse in der Vergangenheit “schlicht aufgefressen” habe, betonte Kauder.

Für 2011 erwartet auch der DIHK 2,4 % Wachstum. Das sei doppelt so viel wie der durchschnittliche jährliche Zuwachs in den zurückliegenden 20 Jahren. Die wirtschaftliche Erholung habe beim Export begonnen. “Wir sind sehr froh, dass sich dies jetzt beim Konsum, bei den Investitionen und bei Neueinstellungen fortsetzt. Das gibt dem Aufschwung ein stabiles Fundament”, sagte  Wansleben. Für nächste Jahr rechnet der DIHK mit zusätzlichen  300 000 Arbeitsstellen. Daran hätte man  vor einem Jahr nicht im Traum gedacht.”

Wansleben verwies auch auf die Risiken. “Wir schauen zwar noch sehr genau darauf, wie sich die Nachfrage entwickelt. Doch die Unternehmen sehen fehlende Inlandsnachfrage nicht mehr als das größte Risiko an. Da macht sich Optimismus breit. Am meisten besorgt uns die Entwicklung der Rohstoffpreise. Zwei von drei Industriebetrieben halten steigende Rohstoffpreise inzwischen für das größte Risiko. Auch dürfen wir nicht zulassen, dass sich der Fachkräftemangel weiter zur Wachstumsbremse entwickelt. Wir benötigen hier kluge Rezepte, um mehr qualifizierten Fachkräften den Zuzug nach Deutschland zu ermöglichen. Da muss die Bundesregierung liefern”, sagte der DIHK der PNP.

Mit Blick auf die geschätzten zusätzlichen Steuereinnahmen sagte Wansleben, man müsse am Kurs der Konsolidierung festzuhalten. Die gute Konjunkturentwicklung sei jedoch auch eine Chance. “Sie muss Rückenwind für Reformen sein. Dazu gehört auch ein schneller Einstieg in eine wirkliche Steuerreform. Die schrittweise Beseitigung des sogenannten Mittelstandsbauches bei der Einkommensteuer und eine wirkliche Gemeindefinanzreform – das muss jetzt angepackt werden”, betonte Wansleben.

„Der Konjunkturmotor läuft stabil und rund“, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner SINN bei der Vorstellung des Geschäftsklimaindex, der von 106,8 Punkten im Vormonat auf 107,6 Punkte stieg. Der monatliche Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Befragt werden rund 7000 Unternehmen aus Industrie, Einzel- und Großhandel sowie aus der Bauwirtschaft.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>