Die Toten der “Techno-Love-Parade” mahnen uns

GiNN-BerlinKontor.—Die Katastrophe von Duisburg wirft zwingend die Schuldfrage auf.  Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.  Die tragische Bilanz:  21 Tote und mehr als 500 Verletzte auf der “Techno-Love-Parade” am 24.Juli 2010.  Alle Todesopfer starben an schweren Brustquetschungen.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer WENDT, erklärte, es gebe Hinweise, nach denen die Veranstalter und die Stadt Duisburg  “auf Kosten der Sicherheit” bei der Massenveranstaltung  “sparten”.  Unter den identfizierten Toten sind auch Deutschland-Besucher aus Australien, China, Italien, Spanien  und den Niederlanden. “Die größte  Tanzveranstaltung der Welt” – loben sich die Veranstalter selbst -  war und ist vor allem ein Riesengeschäft.  Die erste Loveparade fand am 1. Juli 1989  unter dem Motto  “Friede, Freude, Eierkuchen” in Berlin statt und wurde – damals noch mit Unterstützung der GRÜNEN – als  “p o l i t i s c h e  Demonstration” angemeldet.

Von 1989 bis 2006 fand die “Loveparade”  jedes Jahr in der deutschen Hauptstadt  statt.  2007 zog sie in Ruhrgebiet – in den Jahren 2007 bis 2010 an wechselnden Orten in NRW.
Die  “Wirtschaftsförderungsgesellschaft metropoleruhr GmbH” teilte 2006 voller Stolz mit, dass die “Loveparade” nunmehr im “Ruhrpott” vorgeführt wird.  Am 25. August 2007 rockten und rappten  etwa 1,2 Millionen Besucher in Essen, am 19. Juli 2008  über 1,6 Millionen  in Dortmund und am 24. Juli 2010 wurde sie zur “Todesparade in  Duisburg  – dieses Mal nach Polizeiangaben mit ca. 1,4 Millionen Besuchern. Nun soll sie abgeschafft werden, aber dafür mussten erstmal Menschen sterben.

Am 24. Juli 2010 in Duisburg versetzten sich die Massen selbst  – angeblich intoxikiert durch Musik und Gesang – in eine dynamische Eskalation der Begeisterung.  Es wurde deutlich wie nahe inmitten einer Panik Massenroheit, Massendummheit , Massenrücksichtlosigkeit und Massenhaß  beieinander liegen. Dieser grauenvolle, beänstigende Ausbruch muß uns alle in Angst versetzen.   Duisburg zeigt, wie sehr man einer “manifestanten Masse” mißtrauen – ja, sie fürchten muß.

Der Regierende Bürgerneister Klaus WOWEREIT hatte sich an die Spitze der Loveparade gestellt und  sie wurde hochstilisiert als “kulturelle Institution”. Der Berliner Senat lobte den  “nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor für die Stadt”.  Schon damals registrierten die Sicherheitsbehörden in der rotroten Hauptstadt  “zahlreiche Delikte wie  offener Drogenhandel”, Kreislaufzusammenbrüche wegen Drogenkonsums  sowie Müllprobleme und “Verunreigungen durch Fäkalien der Millionen von Teilnehmern”.

Es kam zu Abspaltungen -  die unter Namen  wie “Fuck-Parade”  oder “Hateparade” -  deutlichere Hinweise auf den wahren Charakter dieser  “politischen” Veranstaltung gaben.  Die “Loveparade”,  die nun vorzugsweise als “Techno-Show” firmierte,  wuchs immer stärker zu einer schwer kontrollierbaren  Massenveranstaltung mit bis zu 1,5 Millionen Besuchern an.   Nachzulesen ist: “Die Menschenmassen brachten selbst Berlin mit seiner gut ausgebauten Infrastruktur und dem Naherholungsgebiet im Berliner Tiergarten  in  große Bedrängnis und die Stimmen in der Bevölkerung, die eine Verlegung in weniger stark besiedelte Gebiete der Stadt forderten, wurden im Senat von Berlin mit noch stärkeren wirtschaftlichen Argumenten bekämpft, so dass letztlich die Parade unter geänderten Bedingungen immer wieder genehmigt wurde.”

Über eine Millionen Menschen reisten im heißen Sommer 2010 aus dem In- und Ausland an, um vor allem  “die Schwulen und Lesben in der Parade zu besichtigen”, war in der Duisburger Lokalpresse  zu lesen, wo sich  hunderte von Zuschauern gegenseitig in Panik brachten, sich verletzten und sogar gegenseitig  töteten.

Wir meinen: Es war im hohen Maße unverantwortlich,  mehr als 1 Millionen vergnügengssüchtiger Menschen auf viel zu engem Raum in eine lebensgefährliche Situation zu bringen.  Wo sind die Aufschreie der Kämpfer gegen Drogenmißbrauch,  unter deren Augen  in großen Mengen Alhohol und andere Aufputschmittel konsumiert wurden? Wo sind die kreischenden Umweltschützer, die nicht nachfragen,  warum unbestraft bei solchen Massenaufmärschen   Naturgüter vernichtet werden dürfen?  Wo und in welchem Umfang – so fragen sich nicht nur die Anwohner der Horrorszene von Duisburg – vollziehen 1,4 Millionen “Musikrabauken”  ihre Notdurft?  Oder: Waren genug “Ordnungskräfte” und Sanitäter vor Ort?

Unverständlich,  im hohen Maße geschmacklos und zynisch ist es aber vor allem , dass die Duisburger Veranstaltung  nach der Katastrophe noch 7 Stunden weiterlief und dass “Raver” (to rave, aus dem Englischen für „rasen, schwärmen, toben, fantasieren“) zu Prokoll gaben, es sei zwar tragisch, dass einige zu Tode gekommen seien, aber es sei dennoch auf diesem Güterbahnhof des Todes “eine geile Stimmung” gewesen.

Diese  äußerst gefährliche Veranstaltung hätte nie zugelassen  werden dürfen. Hunderttausende tanzten und gröhlten sich in Rage, viele von ihnen wurden mit ihren Rucksäcken auf den Rücken überrannt, zum Teil schwer verletzt und sogar zu Tode gequetscht.  Es gab offensichtlich kein wirksames Sicherheitskonzept  – zur Bändigung dieser ausgelassenen Menschenmasse.

Massenverführung war,  ist und bleibt immer ein gefährliches Spiel. Nicht nur in der politischen Welt, sondern auch in der Unterhaltungsindustrie wurdenimmer wieder neue Formen der Massenansprache und -verführung popularisiert.  “Masse” aber ist kein Mythos, sie wird all zu oft romantisch oder mystisch verklärt.  Vorsicht ist geboten, denn die “Masse” ist leicht in dynamische, panikartige  Bewegung zu bringen – sie versetzt sich selbst schnell in einen kollektiven Rausch.  Wir wissen doch: ein unseliger “Massengeist” dominiert und führt allzu oft zum folgenschweren Verlust der Selbstkontrolle und der Vernunft.   Wenn sich das Ichgefühl in der Masse schockartig  zurückschraubt, es nachhaltig mindert – spricht man von “Panik”. Die brach in Duisburg massenhaft aus – mit grauenvollen Folgen.

Detlef  R. Peters

5 Gedanken zu “Die Toten der “Techno-Love-Parade” mahnen uns

  1. “Über eine Millionen Menschen reisten aus dem In- und Ausland an, um vor allem ‘die Schwulen und Lesben in der Parade zu besichtigen’, war in der Duisburger Lokalpresse zu lesen”

    Wollen Sie mit dieser Aussage Schwulen und Lesben und ihren Aufmärschen (Christopher-Street-Day-Paraden, Pride-Paraden) eine (Mit-)Verantwortung für die Toten und Verletzten zuschustern?

    Soweit mir bekannt, sind die “Love-Paraden” heterosexuelle Veranstaltungen, auf denen noch nie jemand ernstlich zu Schaden kam. Abgesehen von Volker Beck und viele andere in Moskau.

    Stört es Sie, dass Klaus WOWEREIT schwul ist???

  2. Mein lieber Herr Peters,

    selten habe ich solch einen bullsh*** gelesen.
    Auf die eigentlichen Verursacher der Katastrophe gehen sie in keinster Weise ein.
    Lesen sie doch am besten, bevor sie einen Pressebericht schreiben, einmal andere Journalien, dort kann man durchaus fundiertes Wissen finden, welche sie selbst und die anderen Leser ihres Berichtes vor solch einem sinnfreien, geltungsbedürftigen Text wie den oben geschriebenen bewahren.

  3. Die Love-Parade ist, wie Herr Falkenhagen schon ganz richtig bemerkte, eine sehr heterosexuelle Veranstaltung. Um Lesben und Schwule zu “besichtigen” muss man schon zu einem der zahlreichen CSDs fahren. Die, trotz teilweise ähnlich großem Menschenauflauf, wesentlich gesitteter ablaufen. Auch in Berlin!
    Im Übrigen sollten alle, die sich auf den Weg zu einer solchen Veranstaltung machen um andere Menschen “zu besichtigen”, im Klaren darüber sein, dass sie in der Minderheit sein werden und somit meist selbst zum “Besichtigungsopfer” werden ;)

  4. Dieser Artikel ist beschämend, völlig unzureichend recherchiert, es verdirbt einen den Abend sowas lesen zu müssen.

    So viel Fehlinterpretationen, falsche gewählte Hauptaugenmerke und fatale Schlüsse hab ich schon lange nicht mehr gesehen.

    Wie sagt man heute doch so schön: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fr**** halten. :-)

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