Deutschland hat zu wenig Hochschulabsolventen

GiNN-BerlinKontor.—In Deutschland nehmen im internationalen Vergleich immer noch zu wenig ein Hochschulstudium auf.  Die Zahl derer, die ohne Abschluss die Hochschule verlässt, ist zu hoch, so der jüngste OECD-Bildungsbericht. Kinder aus bildungsfernen Familien hätten es immer noch deutlich schwerer aufzusteigen als in anderen Ländern.  “Ein Hochschulstudium schützt in den Industrienationen am besten vor Arbeitslosigkeit und sichert zugleich ein deutlich höheres Einkommen”, zu diesem Schluss kommt der diesjährige Bericht “Bildung auf einen Blick” der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Danach liegen in Deutschland die Einkommen von Akademikern im Schnitt um 75 % über denen von Beschäftigen mit betrieblicher Berufsausbildung.

Bildung lohne sich für den Einzelnen, so der OECD-Bericht – aber auch für den Staat brächten Investitionen in Bildung hohe Erträge durch wirtschaftliches Wachstum und höhere Steuereinnahmen. Angesichts des Geburtenrückganges in fast allen Industrienationen sei eine weitere Steigerung des Qualifikationsniveaus unverzichtbar, um den Fachkräftebedarf auch in Zukunft zu sichern.

So nähmen zum Beispiel in Deutschland  “trotz erheblicher Verbesserungen in den vergangenen Jahren”  im internationalen Vergleich immer noch zu wenig junge Menschen ein Studium auf.  Der Anteil junger Menschen, die ein Studium aufnehmen, konnte jedoch im Jahr 2009 auf 43 % gesteigert werden. Im OECD-Schnitt liegt die Quote aber bei 56 %.

Auch die Bildungsausgaben sind in Deutschland im internationalen Vergleich zu niedrig. Die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen lagen laut OECD in Deutschland im Jahr 2007 bei 4,7 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Unter den 27 OECD-Ländern gaben nur die Slowakei, Tschechien und Italien einen geringeren Anteil der Wirtschaftsleistung für Bildung aus. Bei den Spitzenreitern USA, Korea und Dänemark lag der Anteil bei mehr als 7 % des BIP.

Der OECD-Bericht verdeutlicht: Das Ausgabenniveau weist sowohl in absoluter als auch in relativer Rechnung zwischen den Ländern erhebliche Unterschiede auf. Die OECD-Länder geben 6,2% ihres Gesamt-BIP für Bildungseinrichtungen aus, konkret reichen die Ausgaben von über 7% in Dänemark, Island, Israel, den USA  und Russland  bis zu 4,5% oder weniger in Italien und der Slowakischen Republik .

In der gegenwärtigen Wirtschaftslage sei es besonders wichtig, genau zu untersuchen, wie groß der Anteil der öffentlichen Ausgaben ist, die für Bildung aufgewendet werden. Selbst in OECD-Ländern, in denen die Staatsquote insgesamt niedrig sei, stelle die öffentliche Finanzierung der Bildung eine vorrangige gesellschaftspolitische Aufgabe dar. Im Durchschnitt wenden die OECD-Länder 13,3% ihrer öffentlichen Gesamtausgaben für Bildung auf, wobei das Spektrum von weniger als 10% in Italien Japan und der Tschechischen Republik, bis zu nahezu 22% in Mexiko reicht.

Die in die Bildung investierten öffentlichen Mittel bringen laut OECD vielerlei Vorteile, so beispielsweise höhere Steuereinnahmen. Im Durchschnitt der OECD-Länder dürfte ein männlicher Absolvent des Tertiärbereichs im Lauf seines Berufslebens im Vergleich zu einer Person, die nur einen Sekundarstufe-II-Abschluss aufweist, zusätzliche Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 119 000 US-$ generieren. Selbst nach Abzug des staatlichen Aufwands, der den Abschluss mitfinanziert hat, bleibt ein Nettoertrag von durchschnittlich 86 000 US-$, was nahezu dem Dreifachen des Betrags der öffentlichen Investitionen je Studierenden im Tertiärbereich entspricht. Die gesellschaftlichen Erträge sind sogar noch größer, da sich viele andere Nutzeffekte der Bildung nicht direkt in den Steuereinnahmen niederschlagen, so der OECD-Bericht.

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