“Deutschland fühlt sich allen Juden verbunden”

GiNN-BerlinKontor.—Bundespräsident Christian WULFF hielt am 20. Januar anlässlich des 70. Jahrestags der Wannsee-Konferenz eine Ansprache in der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz.  Sie bildet gleichzeitig den Auftakt zu einer zweitägigen Historiker-Konferenz. Die Gedenk- und Bildungsstätte wurde 1992 im Beisein von Bundespräsident Richard von Weizsäcker eröffnet. Seitdem besuchten mehr als 1,4 Millionen Menschen die Gedenkstätte.

Die Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 gilt als Zäsur in der Geschichte des Holocausts. Spitzenbeamte des NS-Regimes hatten sich im damaligen Gästehaus der Nationalsozialisten über die sogenannte “Endlösung der Jugendfrage” beraten. Nach der Konferenz gingen die bis dahin auf einzelne Regionen begrenzten Mordaktionen an den Juden in systematischen Völkermord über.

Bundespräsident Wulff führte unter anderem aus: “Der Antisemitismus des Staates wurde genährt und gestützt vom Antisemitismus in der Gesellschaft. Eine Mischung aus Neid, aus Hass, aus Unterlegenheitsgefühlen und Überlegenheitswahn, aus religiöser und rassistischer Verblendung machte diesen Antisemitismus aus. Spätestens am 20. Januar 1942 wurde aus dem Antisemitismus der Gesellschaft ein staatlich-bürokratisches Projekt, das mit umfassender Gründlichkeit vollstreckt werden sollte.”

Weiter sagte der Bundespräsident, gerade in diesen Tagen müsse man schmerzlich daran denken, “seit  wir wissen, dass eine Bande von rassistischen Mördern durch unser Land gezogen ist, um Menschen mit nichtdeutscher Herkunft zu töten. Wir haben es alle nicht für möglich gehalten. Einschließlich der Polizei und der Sicherheitsorgane haben wir alle es auch nicht für möglich halten wollen, dass es das in unserem Land und in diesem Jahrzehnt gibt. Uns erfüllt Scham und Zorn. Und uns bewegt der Wille, die Taten aufzuklären, die Helfer und Unterstützer zu finden und vor Gericht zu stellen, die Netzwerke zu zerstören, die diesen mörderischen Wahn ermöglicht haben.”

Christian Wulff schloss mit den Worten: “Für viele jüdische Bürger war Deutschland Heimat, ihr Zuhause. Und ich sage den Juden in der Welt: Wenn und wo jüdische Bürger verfolgt werden oder in Gefahr sind, Deutschland fühlt sich ihnen nah und verbunden. Und Deutschland steht unverbrüchlich an der Seite Israels. Unser aller gemeinsames Ziel muss es sein – und Deutschland wird dafür stehen –, dass alle Menschen unbeschwert und frei miteinander leben, lachen und glücklich sein können: hier, am Großen Wannsee in Berlin, überall in unserem Land und überall in der Welt.” (bundespräsident.de)

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