Deutsches Auslandsvermögen kräftig gestiegen

GiNN-BerlinKontor.-–Die DEUTSCHE BUNDESBANK teilt mit: “Die finanzielle Verflechtung Deutschlands mit dem Ausland hat 2010 kräftig zugenommen. So stiegen die Auslandsaktiva um 25,8 % auf 6 342 Mrd €, die Auslandspassiva um 28,1 % auf 5 391 Mrd €. Ausschlaggebend war zum einen die sich erholende Weltwirtschaft, die vor allem im Unternehmenssektor zu verstärkten grenzüberschreitenden Engagements führte. Zum anderen gab es einen Sondereffekt durch die erstmalige Erfassung von Finanzderivaten. Im Ergebnis erhöhte sich die Netto-Auslandsposition Deutschlands um 117 Mrd € auf 951 Mrd €. Für den Anstieg zeichneten der Leistungsbilanzüberschuss sowie Wechselkurs- und Goldpreiseffekte verantwortlich.

Die grenzüberschreitende Vermögensposition der Monetären Finanzinstitute (ohne BUNDESBANK) reduzierte sich binnen Jahresfrist um 59 % auf 195 Mrd €. Dabei stiegen die Auslandsforderungen von 2211 Mrd € auf 2 826 Mrd € und die Auslandsverbindlichkeiten von 1 735 Mrd € auf 2 631 Mrd € stark an. Diese Zunahmen gingen allerdings größtenteils auf die erstmalige Verbuchung von Finanzderivaten im Auslandsvermögensstatus zurück. Hierdurch sind die Auslandsforderungen um 784 Mrd €, die Auslandsverbindlichkeiten deutscher Institute um 786 Mrd € angewachsen. Ohne Finanzderivate gerechnet wären die Auslandsforderungen deutscher Banken 2010 um 170 Mrd € gesunken. Neben einem weiteren Deleveraging drückte insbesondere die Übertragung von im Ausland emittierten Wertpapieren und von Kreditforderungen mit ausländischen Schuldnern auf Abwicklungsanstalten, die dem öffentlichen Sektor zugerechnet werden, die Auslandsaktiva hiesiger Banken.

Auch führten die Institute in großem Umfang ihre Liquiditätshilfen, die sie zuvor an verbundene Konzerngesellschaften im Ausland vergeben hatten, wieder zurück. Dabei wäre der Rückgang der Kreditforderungen noch stärker ausgefallen, hätten sich nicht durch die Abwertung des EURO positive Wechselkurseffekte eingestellt. Alles in allem reduzierte sich der Bestand an Wertpapieren um 78 Mrd € auf 590 Mrd € und der der Kreditforderungen um 102 Mrd € auf 1 355 Mrd €. Hingegen ergab sich auf der Passivseite bei Nichtberücksichtigung der Finanzderivate eine Ausweitung um 109 Mrd €. Ausschlaggebend hierfür war, dass die Institute wieder mehr Einlagen von Gebietsfremden erhielten und zusätzliche Finanzkredite im Ausland aufnahmen. Zudem ließ der Rückgang des EURO den bilanziellen Wert der Fremdwährungsverbindlichkeiten zunehmen.

Heimische Wirtschaftsunternehmen und Privatpersonen, zu denen auch Investmentfonds (ohne Geldmarktfonds) gezählt werden, weiteten ihre Auslandsposition 2010 erneut spürbar aus (180 Mrd €). Ihr Forderungsbestand gegenüber Gebietsfremden erhöhte sich kräftig um 295 Mrd € auf 2 762 Mrd € (+ 12 %). Getragen von der anziehenden Weltkonjunktur zogen die Direktinvestitionen an. Unterstützt von positiven Wechselkurseffekten, aber auch von höheren Marktpreisen stiegen sie um 107 Mrd €. Daneben weiteten Unternehmen und Privatpersonen ihre Wertpapierdepots um 112 Mrd € auf 1 166 Mrd € aus. Dabei erhöhten sie vor allem ihre Bestände an ausländischen Anleihen, und zwar um 51 Mrd €.

Ferner stiegen ihre Bestände an Investmentzertifikaten und Aktien um 61 Mrd €, wobei vor allem der Anstieg bei den Aktien in erster Linie positiven Kursentwicklungen geschuldet war. Auch aufseiten der Auslandsverbindlichkeiten war ein Zuwachs zu verzeichnen, der mit 115 Mrd € beziehungsweise 7,5 % auf 1 653 Mrd € jedoch sowohl absolut als auch relativ hinter dem aufseiten der Forderungen zurückblieb. Dabei entfielen 69 Mrd € auf die Bestandszunahme deutscher Dividenden- und Zinstitel in ausländischer Hand. Zudem erhöhten ausländische Unternehmen ihre Direktinvestitionen in Deutschland um 19 Mrd €. Zu einem größeren Teil ging dies auf die Kreditvergabe von im Ausland angesiedelten Muttergesellschaften an ihre hiesigen Töchter zurück. Die beschriebenen Vorgänge erhöhten das Netto-Auslandsvermögen der deutschen Wirtschaftsunternehmen und Privatpersonen um 19 % auf 1 109 Mrd €; diese sind weiterhin größter deutscher Nettogläubiger gegenüber dem Ausland.

Die bereits erwähnte Übertragung von Auslandspositionen auf Abwicklungsanstalten schlug sich recht deutlich im Auslandsvermögen der staatlichen Stellen nieder. Insbesondere deren zuvor wenig bedeutsame Auslandsforderungen stiegen sprunghaft um 188 Mrd € auf 230 Mrd €. Dabei erhöhte sich der Wertpapierbestand vor allem durch die Übertragung von Anleihen ausländischer Emittenten um 121 Mrd € auf 132 Mrd €. Auch dem Anwachsen des Bestandes an Kreditforderungen um 68 Mrd € auf 95 Mrd € liegt weitgehend dieser Sachverhalt zugrunde. Darüber hinaus waren die Übertragungen für die Erhöhung der – in erster Linie kurzfristigen – Verbindlichkeiten aus Finanzkrediten um 95 Mrd € auf 118 Mrd € hauptverantwortlich.

Davon losgelöst stiegen 2010 die Passiva staatlicher Stellen infolge der regen Nachfrage ausländischer Investoren nach hiesigen öffentlichen Schuldverschreibungen und aufgrund von Kurssteigerungen. Alles in allem erhöhte sich der Auslandsbesitz dieser Papiere um 71 Mrd € auf 972 Mrd €. Insgesamt betrugen die Auslandsverbindlichkeiten staatlicher Stellen Ende 2010 damit 1 093 Mrd € (+167 Mrd €).

Die Netto-Auslandsposition der Bundesbank stieg im Jahr 2010 um 196 Mrd € auf 510 Mrd €. Dabei legten die Währungsreserven um 37 Mrd € auf 162 Mrd € zu. Von dem Zuwachs entfielen 35 Mrd € auf die übliche Neubewertung der Währungsreserven zu Marktpreisen, wovon allein 31 Mrd € den Bewertungsgewinnen beim Gold zuzuschreiben waren. Transaktionsbedingt kam es bei den Währungsreserven zu einem Anstieg um 2 Mrd €; hierfür zeichnete in erster Linie eine Erhöhung der Reserveposition im Internationalen Währungsfonds verantwortlich. Ausschlaggebend für den deutlichen Bestandszuwachs bei den sonstigen Anlagen von 198 Mrd € auf 363 Mrd € war der fortgesetzte Forderungsaufbau im Rahmen des Zahlungsverkehrssystems TARGET2. Außerdem hat die BUNDESBANK im Rahmen des Ankaufsprogramms des Eurosystems ausländische Staatsanleihen in ihre Bücher genommen. Der Zuwachs der Auslandsverbindlichkeiten der Bundesbank (6 Mrd €) war insbesondere zusätzlichen Einlagen ausländischer Geschäftspartner geschuldet.” (Quelle: Bundesbank-Kommunuilation)

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