Der 8. Mai 1945

GiNN-BerlinKontor.—Der deutsche Bundestag und Bundesrat haben am 8.Mai mit einer Gedenkstunde an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren erinnert. “Der 8. Mai ist Ende und Anfang zugleich gewesen”, sagte Bundestagspräsident Norbert LAMMERT in Berlin. Er wies zugleich darauf hin, dass der 8. Mai 1945 für den ganzen Kontinent Europa ein Tag der Befreiung gewesen sei. “Er war aber kein Tag der deutschen Selbstbefreiung”, machte der Präsident deutlich.

Am 8. Mai sei ein Weltkrieg zu Ende gewesen, “der von Deutschland, einer deutschen Regierung mit krimineller Energie begonnen und betrieben wurde, und der bis dahin mehr als 50 Millionen Menschenleben gekostet hatte, darunter auch etwa acht Millionen Deutsche”. Die gescheiterten Versuche mutiger Deutscher im Widerstand dürften nicht vergessen werden. Doch Gedanken und Respekt gelten laut Lammert vor allem denen, “die unter unvorstellbaren Verlusten die nationalsozialistische Terrorherrschaft beendet haben”.

Lammert weiter: “Wir gedenken heute der Millionen Opfer eines beispiellosen Vernichtungsfeldzugs gegen andere Nationen und Völker, gegen Slawen, gegen die europäischen Juden.” Der Fall, den die Deutschen erlebten, hätte nicht tiefer sein können – “politisch, ökonomisch und moralisch”, sagte Lammert. Umso erstaunlicher sei es gewesen, dass das Land trotz einer Schuld aufgefangen wurde, ergänzte er. “Diese Bereitschaft unserer Nachbarn zur Versöhnung ist historisch ebenso beispiellos wie die Katastrophe, die ihr vorausgegangen war”, betonte der CDU-Politiker.

Für die Deutschen sei die Auseinandersetzung mit der Geschichte später zum schmerzhaften Prozess der inneren Befreiung geworden. “Nur im Bewusstsein unserer bitteren Erfahrungen, davon sind wir überzeugt, können wir Gegenwart und Zukunft politisch verantwortungsvoll gestalten, der Freiheit und dem Frieden in der Welt dienen”, so Parlamentspräsident Lammert.

Der Historiker Heinrich August WINKLER warnte in seiner Gedenkrede vor dem Plenum vor Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Winkler sagte, jüngste Ausbrüche von Hetze und Gewalt seien eine Mahnung, “die eigentliche Lehre der deutschen Geschichte der Jahre 1933 bis 1945 zu beherzigen: Die Verpflichtung, unter allen Umständen die Unantastbarkeit der Würde jedes einzelnen Menschen zu achten.”

Aus den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs ergibt sich -so Winkler - auch eine besondere Verpflichtung zu Solidarität mit den von Deutschland überfallenen Ländern. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt  (24.08.1939) dürften etwa Polen und die baltischen Staaten nie wieder durch Entscheidungen zwischen Berlin und Moskau verletzt werden.

Winkler: “Das Deutsche Reich hat unter Führung Hitlers nicht nur die nationale Souveränität und territoriale Integrität vieler europäischer Staaten mit Füßen getreten. Es hat durch den Hitler-Stalin-Pakt, den Angriff auf Polen und den Überfall auf die Sowjetunion auch die Voraussetzungen für die viereinhalb Jahrzehnte währende Spaltung Europas in einen freien und einen unfreien Teil geschaffen. Daraus ergibt sich eine besondere Pflicht zur Solidarität mit Ländern, die erst im Zuge der friedlichen Revolutionen von 1989/90 ihr Recht auf innere und äußere Selbstbestimmung wiedergewonnen haben.”

Durch die russische Annexion der Krim werde die europäische Friedensordnung “radikal infrage gestellt“.(Quellen: bundesregierung.de/phoenix.de)

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