Chinas Bauindustrie blockiert EU-Baumarkt

GiNN-BerlinKontor.—Fakt ist:  Wirtschaftskrise findet in Chinas Bauindustrie nicht statt.  Erhöhte Regierungsinvestitionen haben die Branche erheblich gestärkt.  2009 stieg der Produktionswert laut China Construction Industry Association  auf rund €  800 Milliarden. Die Gewinne der Bauunternehmen in der VR China stiegen um 21%, die Anlageninvestitionen legten um 25,4% zu, die Produktion wuchs im 1. Quartal 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25,6%. Die Marktforschungsunternehmen Global Construction Perspectives und Oxford Economics prognostizieren, dass die VRChina im Jahr 2018 die USA als weltweit größten Markt für Bauleistungen ablösen wird. In zehn Jahren könnte Chinas Baumarkt einen Wert von rund  US-$ 2,4 Billionen erreichen und damit etwa 19,1% des Produktionswerts der Bauindustrie weltweit stellen. Bereits jetzt ist der Produktionswert fast doppelt so groß wie der des drittplatzierten Japan.

Fakt ist auch: Aktivitäten ausländischer Baufirmen, also internationale Konkurrenz haben in China einen schweren Stand. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB)  kritisiert scharf das chinesische “Qualitätssystem”, dass Peking/Beijing nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation (World Trade Organization= WTO) im Jahr 2001 einführte. Der HDB weist darauf hin, dass Deutschland seit vielen Jahrzehnten zu den führenden Auslandsbaunationen gehört und dass die deutsche Bauindustrie bei ihren internationalen Aktivitäten auf offene Märkte angewiesen ist. Etwa 90 % der internationalen Bauaktivitäten finden derzeit in Australien, USA und in Europa statt.

Chinesische Staatsbaukonzerne konnten zum Beispiel durch massive finanzielle Hilfe ihrer Regierung eine marktsbeherrschende Stellung in Afrika erobern. In den letzten 10 Jahren stellte die VR China  mehr als US-$ 20 Milliarden an Infrastrukturkrediten für afrikanische Staaten zur Verfügung.

Die deutsche Bauindustrie beklagt massiv, dass der chinesische Baumarkt sich gegenüber europäischer Konkurrez “abschottet” und Aktivitäten von Baufirmen im heimischen Markt  nahezu “unterbindet”. Ausländisch beherrschte Bauunternehmen würden durch das nationale Qualitätssystem Chinas “de facto diskriminiert”. Eine Marktöffnung durch den China-Beitritt zum WTO-Beschaffungsübereinkommen (GAP= Agreement on Gernment Procurement) lasse weiterhin auf sich warten. Durch den Beitritt müsste sich China nämlich verpflichten, ausländischen Bietern Zugang zum chineischen Beschaffungsmarkt zu gewähren.

Ausländische Unternehmen können sich in China auf Projektbasis gar nicht und ausländische Tochtergesellschaften nur für international finanzierte Projekte bewerben. Ausländische Baufirmen müssen eine chinesische Beteiligungsgesellschaft (joint venture) gründen, wenn sie sich bewerben wollen. Voraussetzung ist die Vorauszahlung von US-$ 38 Millionen  Grundkapital, das bei einer chinesischen Bank engezahlt werden muss. Ein Bauunternehmer darf nur Projekte im fünffachen Wert des in China eingezahlten Grundkapitals ausführen. Eine weitere Schikane ist eingebaut, nach der sich nicht mehr als 300 technische und/oder kaufmännische Führungsungskräfte für drei Monate im Jahr in China aufhalten dürfen.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie  erinnert daran, dass die chinesischen Rechtsvorschriften “gezielt abschreckend” auf ausländische Baunternehmen wirken. Der europäische Marktanteil sei von 6 % (vor  Chinas WTO-Beitritt) auf nunmehr 1 % gesunken.

Der HDB befürwortet daher einen  “grundsätzlichen Ausschluss chinesischer Staatsbaukonzerne von EU-finanzierten Ausschreibungen”. Es dürfe nicht mehr ins Ermessen der einzelnen EU-Staaten gestellt werden, ob sie im Einzelfall chinesische Staatsbaukonzerne ad hoc zu einer Ausschreiung zulassen oder nicht.zugelassen werden,  Der Hauptverband verweist auf die Vergabe der  “Polnischen Generaldirektion für Nationalstraßen und Autobahnen” im September 2009 an ein Konsortium chinesischer  Staatsbaufirmen,  dessen Angebotspreise im Vergleich mit europäischen Baufirmen um jeweils die Hälfte unterhalb der Kostenschätzung durch die Ausschreibungsbehörde lag.

Die EU-Kommission – so der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie – müsse darauf achten, dass  “sich der Wettbewerb bei EU-finanzierten Bauvorhaben auf Basis der innerhalb der Europäischen Union geltenden marktwirtschaftlichen Spielregeln entfaltet.”

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>