Bundespräsident: “Gott schütze Deutschland”

GiNN-BerlinKontor.—Zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung hat Bundespräsident Christian WULFF eindringlich für eine  “Einheit der Menschen in Deutschland” geworben. Die Deutschen rief er zu Toleranz auf, die Einwanderer zur Integration. US-Präsident Barack H. OBAMA und  Russlands Präsident  Dmitri MEDWEDEW gratulierten zum Tag der Einheit.Obama erklärte: “Wir ehren den Mut und die Überzeugung der Deutschen, die die Berliner Mauer zum Einsturz brachten und Jahrzehnte einer schmerzhaften und künstlichen Trennung beendeten.” Medwedew betonte in einem Glückwunschschreiben an den Bundespräsidenten und an die Bundeskanzlerin, Russland habe mit seiner “Schlüsselrolle” nicht nur die Vereinigung Deutschlands, sondern Europas ermöglicht.

Bundespräsident Wulff  begann seine Rede mit den Worten: “Wir feiern heute, was wir vor 20 Jahren erreicht haben: Einigkeit und Recht und Freiheit für unser deutsches Vaterland. Wir erinnern uns an jenen epochalen Tag, wie ihn ein Volk nur selten erlebt. Ich denke an die Bilder aus Berlin, in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober. An die Menschen, die vor dem Reichstagsgebäude standen. An die gespannte Erwartung in den Momenten vor Mitternacht. An den Klang der Freiheitsglocke. An das Hissen der Fahne der Einheit. An die Nationalhymne. An das Glücksgefühl. An die Tränen. An den Zusammenhalt in diesem historischen Augenblick unserer Geschichte. Auch 20 Jahre später erfüllt mich dies mit großer Dankbarkeit.”

Der Bundespräsident verband in seiner Rede das Thema der nationalen Einheit mit dem Thema Migration: “Natürlich spielt es eine Rolle, woher einer kommt. Es wäre schade, wenn das nicht so wäre. Aber die entscheidende Botschaft dieses Appells lautet: Wir sind Deutschland!”.  Die Zukunft gehöre den Nationen, die offen seien für kulturelle Vielfalt, für neue Ideen und für die Auseinandersetzung mit Fremden und Fremdem”, sagte Wulff beim Festakt in Bremen.  Man sei viel weiter als die Debatte über die Integration  vermuten llasse, “es ist Konsens, dass man Deutsch lernen muss, wenn man hier lebt. Es ist Konsens, dass in Deutschland deutsches Recht und Gesetz zu gelten haben”, sagte Wulff und fuhr fort: “Wenn mir deutsche Musliminnen und Muslime schreiben: ‘Sie sind unser Präsident’ – dann antworte ich aus vollem Herzen: Ja, natürlich bin ich Ihr Präsident! Und zwar mit der Leidenschaft und Überzeugung, mit der ich der Präsident aller Menschen bin, die hier in Deutschland leben.

Wulff warb für ein “Verständnis von Deutschland, das Zugehörigkeit nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt” und sagte:  “Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.”

Wulff erinnerte an alle, die die Einheit ermöglicht hätten: die Bürgerrechtler und die Kirchen in der DDR, die polnische Gewerkschaft Solidarnosc, den damaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow, den damaligen US-Präsidenten George Bush, an Helmut Kohl. Der Bundespräsident unterstrich, die “unglaubliche Bereitschaft” der Ostdeutschen zur Veränderung sei “nicht ausreichend gewürdigt worden”.

Ohne die europäische Freiheitsbewegung sei die deutsche Einigung nicht denkbar, betonte Wulff.  “Nicht ohne die polnischen Arbeiter mit dem polnischen Papst im Rücken, Johannes Paul II., der vor Ort predigte “Fürchtet Euch nicht”. Die “Solidarnosc” hat Stück für Stück ihre Freiheit erkämpft und damit letztlich auch unsere. Das sage ich besonders gerne hier in Bremen, der Partnerstadt von Danzig. Nicht ohne Michail Gorbatschow, der im Zuge von Glasnost und Perestroika den Machtanspruch der Sowjetunion aufgab, über andere Länder zu herrschen und so Selbstbestimmung ermöglichte. Nicht ohne die ungarische Regierung, die die Grenze als erste geöffnet hatte. Russen, Polen, Ungarn – das war ganz große Hilfe von Freunden, von denen wir es nicht erwarten konnten.”

Deutschland  sei wieder zu einem gleichberechtigten Mitglied der Völkergemeinschaft  geworden.  “Wir sind umgeben von Freunden. Welch ein großes Glück – für unser Land und für die Menschen”, sagte der Bundespräsident.  Deutschgland sei  offener geworden,  “der Welt zugewandter – vielfältiger – und unterschiedlicher. Alltag und Lebensentwürfe haben sich gewandelt. Die Gründe kennen wir: weltweiter Wettbewerb, globale Handelswege, neue Technologien, grenzenlose Kommunikation, Zuzug von Einwanderern, demographischer Wandel und – ja, auch das, neue Bedrohungen von außen. Lebenswelten driften auseinander: die von Alten und Jungen; Spitzenverdienern und denen, die vom Existenzminimum leben; von Menschen mit und ohne sicherem Arbeitsverhältnis; von Volk und Volksvertretern; von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Glaubensbekenntnisse.”

Bundespräsident Wulff schloss mit den Worten: “Wir gehen mit Mut und Zuversicht nach vorne. Die vergangenen 20 Jahre haben gezeigt, was wir gemeinsam schaffen können. Wir sind – im doppelten Sinne des Wortes – zusammengewachsen und zusammen gewachsen. Gott schütze Deutschland.”

Petra PAU, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags und im Vorstand der  Partei DIE LINKE, komentierte die „20 Jahre deutsche Einheit“ so : “Mit der deutschen Einheit 1990 ist die Bundesrepublik Deutschland (alt) größer geworden, aber nicht besser. Die Frage nach einer gerechten, friedliebenden und freiheitlichen Gesellschaft – für alle – ist nicht obsolet, sondern aktueller denn je.”

Zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 erklärte der CDU-Generalsekretär  Hermann GRÖHE in Berlin:  “In den vergangenen 20 Jahren haben sich die neuen Bundesländer beeindruckend entwickelt. Der politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbau von der Diktatur zur Demokratie, von sozialistischer Planwirtschaft zur Sozialen Marktwirtschaft ist gelungen. Die Aufbauleistung der Menschen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verdient ebenso höchste Anerkennung wie die große Solidarität der Menschen in den alten Bundesländern. Wir alle können stolz sein auf das gemeinsam Erreichte.

Die CDU Deutschlands ist seit ihrer Gründung immer für Freiheit und Einheit eingetreten. Von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl hat die CDU – auch gegen Widerstände – an ihrem Ziel eines wiedervereinigten Deutschlands in Frieden und Freiheit festgehalten. Umso strikter wenden wir uns gegen jegliche nostalgische Verklärung der DDR. Das SED-Regime hinterließ eine gewaltige  Erblast und kostete vielen Frauen und Männern das Leben. Auch an diesem glücklichen Tag dürfen wir die vielen Opfer des SED-Unrechtsstaates nicht vergessen. Für uns ist klar, dass es mit den Erben der SED keine Zusammenarbeit geben darf. Alles andere ist eine Verhöhnung der Opfer.”

Die SPD erinnerte: “Den Weg zur deutschen Einheit ebneten die friedliche Revolution und die Selbstdemokratisierung in der DDR. Bürgermut und Zivilcourage hatten mit dem Sturz der SED-Diktatur etwas zustande gebracht, was zuvor kaum denkbar schien. Der Umbruch war Teil der Reformbewegungen in Ostmitteleuropa, der weitaus früher, Anfang der 1980er Jahre, in Polen seinen Anfang genommen hatte. Damit wurden die kommunistischen Diktaturen überwunden, zugleich aber auch die Teilung Europas, die aus dem vom nationalsozialistischen Deutschland 1939 begonnenen Zweiten Weltkrieg resultierte.”

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