Bundeskanzlerin zur Erdbeben-Katastrophe in Japan

GiNN-BerlinKontor.–-Bundeskanzlerin Angela MERKEL (CDU) hat nach einer Lagesbesprechung mit dem Bundesaußenminister, dem Bundesumweltminister, dem Bundesinnenminister und dem Chef des Bundeskanzleramtes in Berlin erklärt, es sei “nach menschlichem Ermessen nicht vorstellbar, dass Deutschland von den Auswirkungen des Unglücks in Japan betroffen sein könnte. Wir sind zu weit davon entfernt. Aber ich will dennoch sagen: Natürlich ist Japan uns nahe.”

Merkel: “Wir alle stehen unter dem Eindruck der Nachrichten und vor allen Dingen der Bilder, die uns seit gestern aus Japan erreichen. Es geht uns in der Bundesregierung und auch mir ganz persönlich sicherlich wie allen Menschen im Lande: Wir sehen mit Schrecken, wie ein Erdbeben, wie ein Tsunami, wie zwei Urgewalten der Natur eines der höchstentwickelten Länder in die Katastrophe führt. Ja, und wir sehen auch, dass wir an dieser Stelle ein Stück Demut und Ehrfurcht vor der Natur haben müssen.

Es gibt so Vieles, was wir über diese Katastrophe heute noch nicht wissen und erst in den kommenden Tagen erfahren werden, und doch ist Einiges schon jetzt klar: Japan hat weit über tausend Tote, vielleicht sogar Tausende Tote zu beklagen, unzählige Menschen haben ihr Zuhause verloren, ganze Dörfer sind von der Flutwelle hinweggerissen worden, und das Ausmaß des Leidens und der Schäden ist enorm   ich sage, fast nicht fassbar.

In dieser schweren Stunde ist es mir ein Bedürfnis und ist es der ganzen Bundesregierung ein Bedürfnis, dem japanischen Volk von ganzem Herzen das Mitgefühl auszusprechen, das Mitgefühl auch aller Menschen in Deutschland. Ich glaube, ich spreche da wirklich auch im Namen der Menschen in unserem Lande. Wir stehen in dieser großen Prüfung an der Seite Japans. Und wir stehen auch dazu bereit, zu helfen, wo immer wir helfen können. Ich habe das über meinen außenpolitischen Berater auch dem japanischen Premierminister übermittelt, genauso wie das selbstverständlich auch der Bundesaußenminister gemacht hat.

Meine Damen und Herren, ich habe heute Abend eine Lagebesprechung mit dem Bundesaußenminister, dem Bundesumweltminister, dem Bundesinnenminister und dem Chef des Bundeskanzleramtes durchgeführt. Dabei haben wir uns genau mit der Situation der Atomanlagen in Japan, aber auch mit der Situation   und dazu wird der Bundesaußenminister gleich noch einmal etwas sagen   nach der Naturkatastrophe befasst. Was dort im Kernkraftwerk Fukushima geschieht   auch wenn die Berichte noch widersprüchlich sind, ist eine außergewöhnliche ernste Situation. Man kann jetzt schon sagen: Da haben zwei Faktoren zusammengewirkt: eines der stärksten je gemessenen Erdbeben und eine gewaltige Flutwelle. Wir sind vor allen Dingen im Kontakt mit der IAEO in Wien, die ja die entsprechenden Informationen auch sammelt. Man muss zu dieser Stunde sagen: Ein klares Bild der Lage ergibt sich noch nicht. Wir hoffen mit allen Menschen weltweit, dass es den Experten gelingen möge, den Austritt von Radioaktivität zu begrenzen; das ist ja vollkommen klar.

Ich verstehe jeden   das will ich ganz ausdrücklich sagen  , der sich angesichts dieses Unglücks auch bei uns zuhause in Deutschland Sorgen macht und der fragt: Kommt so etwas auch auf uns zu, was bedeutet diese Katastrophe für Europa, was bedeutet sie vielleicht für Deutschland? Ich habe mich darüber mit den Experten des Bundesumweltministeriums natürlich genau unterhalten und mich informieren lassen. Ich darf Ihnen sagen: Es ist nach menschlichem Ermessen nicht vorstellbar, dass Deutschland von den Auswirkungen des Unglücks in Japan betroffen sein könnte. Wir sind zu weit davon entfernt. Aber ich will dennoch sagen: Natürlich ist Japan uns nahe.

Ich verstehe deshalb auch jeden, der sich Sorgen macht, ob eines unserer hiesigen Kernkraftwerke unter bestimmten Umständen ebenso in Gefahr geraten könnte. Wir wissen, wie sicher unsere Kraftwerke sind. Wir wissen, dass wir weder von derart schweren Erdbeben noch von derart gewaltigen Flutwellen bedroht sind. Trotzdem: Das, was wir aus den Abläufen in Japan lernen können, das werden wir lernen. Deshalb werden wir in den nächsten Tagen und Wochen auch genau verfolgen, was die Analysen in Japan ergeben.

A”uch wenn die Berichte über die nuklearen Folgen in Japan noch widersprüchlich sind, so ist doch heute Abend eines unbestritten: Die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt. Denn viele Menschen sagen   und ich sage das auch  : Wenn schon in einem Land wie Japan mit sehr hohen Sicherheitsanforderungen und hohen Sicherheitsstandards nukleare Folgen eines Erdbebens und einer Flutwelle augenscheinlich nicht verhindert werden können, dann kann die ganze Welt, dann kann auch Europa und dann kann auch ein Land wie Deutschland mit ebenfalls hohen Sicherheitsanforderungen und Sicherheitsstandards nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Jeder weiß   das will ich hier noch einmal ganz deutlich sagen, dass ich die friedliche Nutzung der Kernenergie, als Brückentechnologie zumal, für verantwortbar und für vertretbar halte. Bei dieser Haltung ist aber die Sicherheit der Kernkraftwerke und damit der Schutz der Menschen immer oberstes Gebot. Bei der Frage der Sicherheit darf und kann es keine Kompromisse geben. Das war so, das ist so und das wird auch so bleiben. Deshalb hat sich alles andere (der Sicherheit) unterzuordnen, und deshalb haben wir neben den Kontakten, die wir zu der IAEO natürlich pflegen werden   in den nächsten Tagen in ganz besonderer Weise  , und auch den Kontakten zu den japanischen Behörden heute veranlasst   und ich habe den Bundesumweltminister darum gebeten  , dass wir erstens die für Sicherheit zuständigen Minister aus den Bundesländern, in denen es Kernkraftwerke gibt, vom Bundesumweltministerium eingeladen werden, um darüber zu sprechen, wie die Lage eingeschätzt wird, und um darauf hinzuweisen, dass alles, was Sicherheitsanforderungen anbelangt, noch einmal besonders zu überprüfen ist.

Zweitens werden wir den Kontakt nach Europa, das heißt, den Kontakt mit dem Energiekommissar Oettinger suchen. Wir begrüßen sehr – der Bundesumweltminister wird dies auch noch einmal gegenüber dem Kommissar Oettinger deutlich machen  , dass zu einem Sondergipfel der für Sicherheit zuständigen Ministerien eingeladen wird. Das ist in den einzelnen europäischen Ländern unterschiedlich. Wir werden natürlich außerdem in engstem Kontakt mit den japanischen Behörden alles verfolgen, was für die Analyse der Folgen des nuklearen Unfalls   oder der nuklearen Katastrophe, kann man vielleicht auch sagen   (relevant) ist, (und werden schauen, welche) Lehren wir daraus ziehen können.” (n.CvD/BPA)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy this password:

* Type or paste password here:

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>