Brutaler Mord in Moskau

GiNN-BerlinKontor.—Wenige Stunden nach einem Interview mit dem Radiosender “Moskauer Echo” ist der Putin-Kritiker Boris NEMZOW (55)  in Moskau auf offener Straße erschossen worden. Er starb noch am Tatort mit vier Kugeln im Rücken. Nemzow sei in Begleitung einer Ukrainerin gewesen, als er die Brücke über die Moskwa in der Nähe des Kreml überqueren wollte,  wird aus Moskau berichtet.

In dem Radio-Interview hatte Nemzow erneut die “Machtkonzentration Putins” scharf angegriffen und Vorschläge gemacht, wie Russland verändert und modernisiert werden könnte. So forderte er, korrupte Politiker vor Gericht zu stellen, die Militärausgaben zu kürzen und in Bildung und Forschung zu investieren. Nemzow forderte nachdrücklich, den Ukraine-Feldzug sofort zu beenden und betonte, “die Macht konzentriert in den Händen eines einzigen Menschen kann nur zu einer totalen Katastrophe führen”. Für die Opposition in Russland verlangte Nemzow in dem Interview zudem, dass ihr “mindestens eine Stunde”  in den staatlichen TV-Sendern eingeräumt werden solle.

Die Ermordung Nemzows erfolgte am Vortag eines geplanten Protestmarsches in Moskau, auf dem der sofortige “Stopp des Ukraine-Krieges und der unsinnigen Agression Putins” gefordert werden sollte. Die Demonstration der russischen Opposition wurde nach dem Tod Nemzows abgesagt. Die Moskauer riefen nun zu einem Gedenkmarsch für Nemzow am 1. Mai auf.

Der frühere Vize-Regierungschef unter Präsident Boris JELZIN hatte in dem Radiointerview Präsident Putin zudem  für die schwere Wirtschaftskrise in Russland verantwortlich gemacht und erklärt, die Sanktionen des Westens hätten zu einer Kapitalflucht aus Russland geführt. Nemzow widersprach zudem der Behauptung des Kreml, dass Moskau keine regulären Truppen in der Ukraine einmarschieren ließ. Putin unterstütze sehr wohl die prorussischen Separatisten in der Ost-Ukraine mit eigenen Truppen, so Nemzow.

Zur Krim-Annexion hatte Nemzow gesagt, sicherlich wollten die Russen auf der Schwarzmeer-Insel “wie in Russland leben, aber man darf sich nicht nur nach dem Willen der Bevölkerung richten, sondern nach dem Gesetz. Und man muss die internationale Gemeinschaft respektieren.”

Der Radiosender ECHO MOSKWY ist “der einzig verbliebene landesweite Rundfunksender, der noch nicht vom Kreml beherrscht wird und nach wie vor unabhängige und unzensierte Berichterstattung liefert”, schrieb die BERLINER ZEITUNG. Aber 66 % der Aktienanteile hält der staatliche Öl-Gas-Konzern GAZPROM.

In Russland sollen alle anderen Medien von Putins Ministerium für Presse, Funk, Fernsehen und Massenmedien kontrolliert und geführt werden. Als einzige “freie Zeitung” gilt die NOWAJA GAZETA.

Sputnik News, der russische Medienkonzern im Besitz der Russischen Föderation seit November 2014, nennt sich auch International Multimedia News Service. Zur Ermordung Boris Nemzows verbreitete “Sputnik Deutschland“  Kommentare des Pressesprechers Putins, Dmitri PESKOW, (“die Stimme Russlands”) in Moskau. Es sei jetzt “nicht wichtig”, was im Westen (zur Erschiessung Nemzows) gedacht werde. „Die westlichen Beobachter zeichnen sich in letzter Zeit leider nicht durch tiefe Analysen der Ereignisse in Russland wie auch durch die Breite ihres Blickfelds, vor allem aber durch die Klarheit des Begreifens von dem, was in Russland geschieht, aus.”

Peskow weiter: “Man kann zwar sich recht leicht vorstellen, dass gewisse energische Politologen den Standpunkt äußern werden, dies würde dem Ansehen Wladimir Putins schaden und so weiter. In politischer Hinsicht hat aber Boris Nemzow keine Bedrohung für die jetzige Staatsführung Russlands und für Wladimir Putin dargestellt bei allem Respekt für das Andenken Boris Nemzows.” (Quellen: echo moskwy/Sputnik news )

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen SEIBERT, erklärte in Berlin: ”Bundeskanzlerin Angela MERKEL ist  bestürzt über die hinterhältige Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow. Sie würdigt den Mut des ehemaligen  stellvertretenden Ministerpräsidenten, der seine Kritik an der Regierungspolitik immer wieder auch öffentlich geäußert hat. Sie übermittelt seinen Angehörigen ihr Mitgefühl und fordert Präsident Wladimir Putin auf, zu gewährleisten, dass der Mord aufgeklärt und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.” (Quelle: Bundesregierung.de)

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