“Berlin Transit” im Jüdischen Museum Berlin

GiNN-BerlinKontor.—Nach dem Ersten Weltkrieg war Berlin Zufluchtsort und Zwischenstation für Zehntausende von Juden aus Osteuropa – meist Kriegs-, Pogrom- oder Revolutionsflüchtlinge aus Russland, Litauen oder Galizien. Für ein gutes Jahrzehnt wurde die Stadt zu einem Zentrum jüdischer Migration in Europa. Die Ausstellung  “Berlin Transit”  lädt dazu ein, die Spuren und Fragmente, die dieses facettenreiche Kapitel der Berliner Migrationsgeschichte hinterlassen hat, zu entdecken – durch Fotos, Bücher, Audios, Familienmemorabilia, Gemälde und Filme dieser Zeit.

Berlin war als Drehscheibe zwischen Ost und West bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem aber nach dem Ersten Weltkrieg, Zufluchtsort und Zwischenstation für Zehntausende von Juden aus Osteuropa. Die meisten flüchteten vor Krieg, Revolution oder Pogromen aus den Gebieten des ehemaligen russischen Reiches und der Habsburgermonarchie Richtung Westen.
Vielfältig vernetzt und in mehreren Sprachen zu Hause, bewirkten die Einwanderer eine Blüte jüdischer Kultur in Berlin. Viele der jüdischen Migranten lebten im Scheunenviertel, andere in Charlottenburg, das aufgrund des hohen russischen Bevölkerungsanteils auch „Charlottengrad“ genannt wurde.

Die kulturgeschichtliche Ausstellung nimmt die vielfältigen Lebenswelten der osteuropäischen Juden im Berlin der Weimarer Republik in den Blick und präsentiert eine Fülle unbekannten Materials: Literarische und autobiografische Texte in den Originalsprachen Russisch, Jiddisch, Hebräisch und Deutsch werden zu Gehör gebracht, die weithin bekannten Fotos aus dem Scheunenviertel einer fotokritischen Analyse unterzogen und neu interpretiert. Ein Zyklus eindrucksvoller Pogromzeichnungen von Issachar Ber Ryback ist seit 1924 erstmals wieder in Berlin zu sehen, seine avantgardistischen Berliner Gemälde treten in einen beziehungsreichen Dialog mit Gemälden Leonid Pasternaks und Skulpturen Naum Gabos.
Eine Ausstellung der Stiftung Jüdisches Museum Berlin in Kooperation mit dem Forschungsprojekt „Charlottengrad und Scheunenviertel. Osteuropäisch-jüdische Migranten im Berlin der 1920/30er Jahre“ am Osteuropa-Institut, Freie Universität Berlin.
Im Epilog der Ausstellung werden die Besucher eingeladen, sich im Stadtraum auf Spurensuche nach den weitgehend vergessenen Orten der osteuropäisch-jüdischen Migration zu begeben.
(Quelle: Jüdisches Museum Berlin/ zitiert n. noreply@infi.auswaert)

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